Klima der Intoleranz im United Kingdom

Ausgerechnet im „Vereinigten Königreich“, das stolz sein darf auf seine „Speakers’ Corner“ im Londoner Hyde Park, dort, wo jeder sagen darf was er will, solange es „nicht um die Queen und die königliche Familie“ geht, wie uns die deutschsprachige Wikipedia erklärt – etwas genauer scheint die Aussage dazu in der englischsprachigen Version des Artikels, in der von dem Verbot der „profanity“ die Rede ist, was hier mit „fluchen“ wohl richtig übersetzt ist – ausgerechnet im UK also wird das Recht auf freie Rede eingeschränkt und herrscht ein Klima der Intoleranz, wenn es um Multikulti und den Islam geht.

(Von Eckhardt Kiwitt, Freising)

Dabei liegt es Islamkritikern fern, zu fluchen oder die Queen und ihre Familie verbal oder sonst wie anzugreifen. Wir machen uns zwar hier und da über den Islam ein wenig lustig, von dem schon Atatürk sagte, er sei eine „absurde Gotteslehre“. Denn das Absurde, also das „Widersinnige, Abwegige, dem gesunden Menschenverstand Widersprechende“ ist immer der Lächerlichkeit preisgegeben bzw. ist in sich lächerlich.

Darüber, wie weit die Zweifel an der eigenen Identität und der gewachsenen rechtsstaatlichen Kultur bei den Briten jedoch gediehen ist, schreibt Jürgen Krönig am 18.2.2011 in einem bemerkenswerten Artikel in der ZEIT.

Unter der Überschrift „Wer auf Missstände hinweist, wird des Rassismus bezichtigt“ heißt es u.a.:

Ob in Großbritannien, Deutschland oder Frankreich, wir leben allesamt in multiethnischen, multireligiösen und multikulturellen Gesellschaften. Es ist auch unbestreitbar, dass die Masseneinwanderung der letzten 50 Jahre zahllose positive Beispiele geliefert hat von Menschen, die sich ohne Verlust ihrer Identität mehr oder minder harmonisch eingefügt haben in ihre neuen Heimatländer.

Damit hat Jürgen Krönig zweifellos Recht, und es ist zu begrüßen, dass es bei uns Menschen aus anderen Kulturkreisen gibt, die es geschafft haben, „sich ohne Verlust ihrer Identität mehr oder minder harmonisch“ eingefügt zu haben „in ihre neuen Heimatländer“. Das soll denen erst mal jemand nachmachen, denn es ist sicher nicht einfach, kann aber gelingen, wenn man es aus eigenem Antrieb nur will.

Versagt hat jedoch eine Ideologie des Multikulturalismus, die überall in Europa in den vergangenen Jahrzehnten dominierte. Statt eine integrierte Gesellschaft zu schaffen, hat sie im Namen der Vielfalt die Differenzen zwischen den verschiedenen ethnischen Minoritäten institutionell und finanziell gefördert. Dadurch wurde entscheidend dazu beigetragen, Parallelgesellschaften entstehen zu lassen, die nun allerorten beklagt werden.

Das bringt es schon mal auf den Punkt, denn genau das zum Beispiel beklagen wir: Parallelgesellschaften, in denen sich oft andere Rechtsnormen durchsetzen als die bei uns gültigen. Auch gefallen uns die „Differenzen zwischen den verschiedenen ethnischen Minoritäten“ gar nicht, denn sie münden allzu oft in Hass und Gewalt. Wer will das schon? Den Sozialdarwinisten der Multikulti-Fraktion, die dies mit verursacht haben, mag das gefallen; uns nicht.

Das Multikulti-Experiment wehrte sich gegen die Idee, dass es einer überbrückenden nationalen Identität bedürfe, basierend auf der Mehrheitskultur des jeweiligen Landes. Trevor Phillips, Chef der Human Rights Commission in Großbritannien und selbst Einwanderer aus der Karibik, merkte kritisch an, dass wir zu einer „ghettoisierten Gesellschaft“ wurden.

Insbesondere wir Deutschen verbinden mit dem Wort „Ghetto“ historisch begründet sehr ungute Erfahrungen, die wir besser nicht noch mal erleben wollen. Die Multikulti-Illusionisten hingegen scheinen Gefallen an Ghettos zu haben, die sich in einer stark inhomogenen Gesellschaft beinahe zwangsläufig bilden – auch wenn sie nicht von Stacheldraht umzäunt sind oder von „Soldaten“ „bewacht“ werden.

Eine der eklatanten Schwächen liegt auch im moralischen Relativismus der multikulturellen Ideologie, der oft genug mit einer Kultur des westlichen Selbsthasses verbunden war. Alles war besser als die eigene Werte- und Gesellschaftsordnung. Woraus beinahe zwangsläufig folgte, dass man Einwanderern nicht die Pflicht abverlangte, Demokratie, Meinungsfreiheit und rechtsstaatliche Regeln ihrer neuen Heimat zu bejahen.

Richtig erkannt, denn wer Einwanderern nicht die Pflicht abverlangt, Demokratie, Meinungsfreiheit und rechtsstaatliche Regeln ihrer neuen Heimat zu bejahen, der verlangt ihnen so gut wie gar nichts ab, im Gegenteil, motiviert sie womöglich dazu, die Rechtsordnung ihrer Wahlheimat mit Blick auf die Implementierung z.B. der Rechtsnormen und Wertvorstellungen ihrer Herkunftsländer gezielt auszunützen oder gar zu untergraben. Genau das können wir im UK beobachten.

Eine Fernsehdokumentation, gefilmt mit versteckter Kamera in muslimischen Schulen in Birmingham und Keighley, enthüllte diese Woche, dass dort junge britische Muslime systematisch indoktriniert würden. Sie sollen Christen, Hindus, Juden und Gottlose als „Kuffars“ hassen. Eine dieser Schulen, als „Eton des Islam“ gerühmt, war 2009 erst von der Schulaufsichtsbehörde ausdrücklich dafür gelobt worden, „Toleranz und Verständnis für andere Religionen“ zu lehren.

Ach, wie schön: Christen, Hindus, Juden und Gottlose als „Kuffars“ zu hassen ist also Ausdruck der neuen „Toleranz“ im UK. Kann man noch tiefer in den Selbsthass und in die Bedeutungslosigkeit sinken als die Briten?

Ausgerechnet an akademischen Institutionen finden sich besonders viele Zeitgenossen, die anderen das Recht auf Meinungsfreiheit verneinen. Das jüngste Beispiel dafür wurde Anfang der Woche in der London School of Economics geliefert, wo eine Debatte über Einwanderung und Integration unter anderen mit Thilo Sarrazin [PI berichtete] und dem Vorsitzenden des Islamrates, Ali Kizikalya, von einer verhuschten Universitätsleitung aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde. Das ist längst kein Einzelfall: Immer wieder kommt es zu ähnlichen Absagen, aus Furcht vor Gewaltandrohung von radikalisierten Muslimen.

Rainer Werner Fassbinder hat einst einen Film produziert, dessen Titel lautet „Angst essen Seele auf“. Wie er den Inhalt und die Szenen dieses Films heute wohl gestalten würde?

Hier die britische Fernsehdokumentation:

(Foto oben: Mann mit „Christian Atheism“-Plakat in Speakers‘ Corner, London)