Rezension: Der Untergang der islamischen Welt

Untergang der islamischen Welt„Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert“ sagt der Autor Hamed Abdel-Samad. Dieser Denkansatz ist der Ausgangspunkt einer schonungslosen Kritik am Gedankengebäude und Handeln der gläubigen Muslime. Für jedermann ein mutiges Unterfangen, besonders aber für einen Moslem, wie der Autor einer ist. Der Autor wurde in Ägypten geboren und ist dort aufgewachsen.

Er studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik. Er ist heute Mitglied der Deutschen Islam Konferenz und zählt zu den profiliertesten islamischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Sein der Aufklärung entsprungener Denkansatz verbunden mit der Kenntnis der arabischen Welt bietet eine Islamkritik von besonderer Überzeugungskraft. Das Buch ist daher eine hervorragende Möglichkeit, sich über den systemimmanenten Gegensatz des Islam zum westlichen Lebensmodell zu informieren.

Das beginnt beim Feinbild „Westen“ in ägyptischen Schulbüchern: der Westen besteht bis zum heutigen Tag aus Kreuzfahrern und bedroht die muslimische Welt. Den Westen trifft das Verschulden für jegliche Misere in islamischen Ländern.

Als unveränderbare göttliche Offenbarung ist Kritik am Islam unstatthaft und mitunter folgenschwer. Auf Kritik reagieren Muslime beleidigt oder gar mit Gewalt.

Der Islam stellt die wahre Religion dar, alle anderen Religionen sind Verfälschungen. Der Islam ist die Lösung! Es gibt keine anderen Lebensmodelle. Kritik ist eine Sucht, eine europäische Krankheit! An diesem Konzept scheitern auch alle Islamreformer. Ein Euroislam ist schlichtweg denkunmöglich.

Der Islam wurde als eine Anweisung für alle Fragen des Lebens gegründet. Er ist Religion und Politik zugleich Eine Trennung von Religion und Staat – also eine demokratische Staatsordnung – widerspricht dem Islam. Gegenüber der nicht-muslimischen Welt tritt er als Einheit auf (Umma). Zu Recht ist von einem Islam zu sprechen.

Daraus entsteht die Einteilung der Menschen in Gläubige und Ungläubige und der Auftrag, die islamische Welt (=Haus des Friedens) auf die restliche Welt (Haus des Vertrags oder Haus des Kriegs) auszudehnen. Dafür ist auch Gewalt legitimiert (Dschihad). Friede im islamischen Sinn bedeutet daher der Zustand der vollen Islamisierung. „Aus einer Mischung von Omnipotenz-Phantasien und dem Gefühl permanenter Erniedrigung entsteht eine gefährliche Paranoia…“.

Folgerichtig ist der Islam auch nicht die Religion des Friedens und ebenso wenig hilft das Konzept der Abrahamitischen Religionen für einen fruchtbringenden Dialog. Vielmehr wird klar, dass der Islam als unveränderbare göttliche Offenbarung keinem Dialog zugänglich ist. Begreiflicherweise können Menschen an einer göttlichen Wahrheit nichts ändern. Das gilt auch für parlamentarische Beschlüsse. Homosexualität ist und bleibt untersagt, auch wenn sich im Parlament eine Mehrheit dafür ausspricht. Der Gleichheitsgrundsatz ist schlechthin un- islamisch!

Demokratie und westlicher Individualismus sind unattraktiv. Die strengen und kompromisslosen Bestimmungen im Koran und den dazugehörigen Hadithen sind eine willkommene Entsprechung zu den patriarchalisch geprägten Stammesstrukturen mit Gruppenidentität. Die tiefe Verwurzelung der religiösen Praxis in der Bevölkerung zwingt die politischen Führer zu einem Pakt mit den religiösen Autoritäten. Das galt auch schon für Napoleon, als er in Ägypten regierte.

Alles in allem sieht der Autor den Islam als rückwärtsgewandt und nicht reformierbar, er wird als „politische und gesellschaftliche Idee untergehen“.

Dieser Vorstellung könnte man zustimmen, wenn das westliche Lebensmodell dem Islam mit Entschlossenheit entgegenträte. Das ist aber nicht zu beobachten. Es scheint vielmehr, dass der Westen im Tausch für Erdöl alle seine gesellschaftspolitischen Errungenschaften aufs Spiel setzt und alle dem Islam entspringenden Gewalttaten gegen Nicht-Muslime anonymen Terroristen zuschiebt. Auch der Begriff Islamisten ist kein Beitrag zur Klärung der Ursachen von Gewalt im Namen des Islam.

Die westliche Spaßgesellschaft bis hin zum Sextourismus in Verbindung mit dem Diktat der Political Correctness verhindern jeglichen kritischen Blick. „Mit Worten lässt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten“ sagt Goethes Mephisto. Ein Niedergang des Islam bedeutet daher noch lange nicht einen Sieg des westlichen Lebensmodells.

(Von Harald F.)