War Astrid Lindgren rassistisch?

Kaisa Ilunga (l.) und Astrid Lindgren.In Bonn haben wir es aktuell mal wieder mit einem besonders dankbaren Exemplar von Einwanderer zu tun. Der 54jährige Kongolese Kaisa Ilunga (Heimatbruttoinlandsprodukt pro Einwohner: Kaufkraftbereinigt 300 US-Dollar pro Jahr) leidet unter etwa 70 Exemplaren der Kinderbücher über „Pippi Langstrumpf“, in denen Pippi ihren Vater einen „Negerkönig“ nennt. Diese Bücher sind offenbar noch in der Bonner Stadtbibliothek und dortigen Schulen zu finden.

(Von Thorsten M.)

Dazu muss man wissen: Jedes Buch ist ein Kind seiner Zeit. Und als Astrid Lindgren in den 40er-Jahren die Figur „Pippi Langstrumpf“ schuf, ging man noch arglos mit dem damals (wie eigentlich auch heute) zutreffenden Klischee eines wenig entwickelten und ungezähmten Afrika um. In Zeiten der politischen Korrektheit und der Gleichheitsideologie ist gleichwohl ein solch unverkrampfter Umgang mit Afrikanern nicht mehr statthaft, gilt gar – wie uns Herr Ilunga als Mitglied des Bonner Integrationsrats belehrt – als rassistisch.

Nun ist es nicht so, dass Schland* die Größe dieses Problems aktuell unterschätzen würde. Der das Buch publizierende Verlag Friedrich Oetinger hat die Wörter „Neger“ und „Zigeuner“ beim Großreinemachen anlässlich einer Neuauflage 2009 längst entsorgt. Wie das Verlagshaus einräumt, nicht ohne vorherige Gegenwehr der Lindgren-Erben, da auch Astrid Lindgren sich ihr Leben lang gegen diese Zensur ihres Werkes gewehrt hatte. (Trotzdem kam noch nie jemand im Traum auf die Idee Astrid Lindgren eine Rassistin zu nennen.) Aber dies reicht offenbar Integrationsrat Ilunga nicht, so dass er trotz eines jährlichen strukturellen Defizits von 100 Mio Euro in der Bonner Stadtkasse nicht darauf warten möchte, bis die Exemplare altersbedingt sowieso durch politisch korrekte ersetzt würden.

Wie sich Herr Ilunga beeilt mitzuteilen, ärgern sich außer ihm natürlich auch noch andere Eltern und Schüler über diese Bücher. Es ist auch überhaupt nicht auszuschließen, dass irgend ein debiler biodeutscher Gutmensch dieses Thema überhaupt erst hinter den Kongolesen gesteckt hat. Aber er kann als alt genug gelten, zu wissen, was er da tut und wie manch einer aus der Perspektive des Gastgebers solche Vorstöße vielleicht als etwas anmaßend bewertet.

Übrigens war uns bei diesem Thema die DDR einmal mehr einen Schritt veraus: In der dortigen Auflage war schon vor Jahrzehnten der „Negerkönig“ ein „König der Takatukaner“. Sollte dies ein Beleg mehr sein, dass wir uns auf dem Weg in die DDR 2.0 befinden?

* „Schland“ ist die Fußball-WM-populärsprachliche Abkürzung von DeutSCHLAND und steht für ein Land, das aus Spaßgesellschaft auf der einen und PC auf der anderen Seite besteht, wobei letztere der ersteren die Leute in Scharen zutreibt.

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