Kabul: Karsai will Westen vor die Tür setzen

Hamid KarsaiAfghanistans „Präsident“ Hamid Karsai bereitet sich auf die Zeit nach dem Nato-Einsatz in „seinem“ Land vor. Nicht nur dadurch, dass er große Vermögenswerte ins Ausland schafft, um sich zur Not mit seinem Clan dorthin absetzen zu können. Nein, parallel versucht er ein Szenario herbeizuführen, in dem er durch klare Abgrenzung vom Westen als Präsident vielleicht doch nach dem Abzug der Interventionskräfte bestehen kann.

Man könnte diesbezüglich sogar sagen, dass er versucht, aus der Not eine Tugend zu machen (um nicht zu sagen, „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“). Wie die FAZ berichtet, hat Karsai heute die Nato zu nicht weniger als einem Ende ihrer militärischen Einsätze in seinem Land aufgefordert.

Die Toleranz des afghanischen Volkes sei nun endgültig zu Ende, sagte Karsai am Samstag in der östlichen Provinz Kunar. „Ich bitte die Nato und die Vereinigten Staaten mit Ehre und Demut und nicht mit Arroganz darum, ihre Einsätze in unserem Land zu beenden“, sagte Karsai am Samstag in der östlichen Provinz Kunar. Karsai traf dort mit hunderten Stammesältesten zusammen, darunter waren auch Angehörige von neun Kindern und weiteren Zivilisten, die kürzlich bei Angriffen der Nato-geführten Isaf-Truppen getötet worden waren. „Wenn es sich um einen Krieg gegen Terroristen und den internationalen Terrorismus handelt, sollten sie ihn in den Regionen führen, die wir ihnen in den letzten neun Jahren gezeigt haben und die sie auch kennen“, sagte Karsai an die Adresse der Nato-Truppen. „Wir sind sehr tolerante Menschen, aber jetzt ist unsere Toleranz zu Ende.“ Karsai hatte in der Vergangenheit wiederholt gefordert, Stellungen der radikalislamischen Taliban im Ausland, vor allem in Pakistan, statt afghanische Ortschaften anzugreifen.

Da manches dafür spricht, dass Deutschlands Freiheit eher in der Münchener U-Bahn oder an Europas Seegrenze im südlichen Mittelmeer verteidigt wird, als am Hindukusch, wollen auch wir anregen, Herrn Karsais Gastfreundschaft nicht länger zu strapazieren.