Moslemverband fordert Übergabe leerer Kirchen

Hassan Ben M’BarekDas Kollektiv „Banlieues Respect“ hat vergangene Woche die französischen Kirchen aufgefordert, leerstehende Gotteshäuser den Moslems für das Freitagsgebet zur Verfügung zu stellen. Wie der Sprecher des Kollektivs, Hassan Ben M’Barek (Foto) mitteilte, würde diese Maßnahme dazu beitragen, „dass Muslime ihre Gebete nicht auf öffentlichen Straßen verrichten müssen“, was sie „zu Geiseln der Politik“ mache.

(Von Thorsten M.)

„Banlieues Respect“, was soviel wie „Respekt der Ghettos“ heißt, ist eine der Organisationen, die am vergangenen Freitag bei der Großen Moschee von Paris lautstark gegen die Debatte der Regierungspartei UMP bezüglich des Laizismus und des Islam protestiert haben. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte in diesem Zusammenhang konstatiert, dass er in Frankreich keine Muezzin-Rufe wolle. Darüber hinaus lädt er für den 5. April zu einem Kongress zu diesem Thema nach Paris ein.

Das Kollektiv „Banlieues Respect“ äußerte des weiteren sein Bedauern, dass in Frankreich jede derartige Debatte in neue, die Muslime stigmatisierende, Gesetze münden würde.

Aufgrund fehlender Gebetsstätten und der stark angewachsenen Zahl von Muslimen in Paris sind verschiedene Muslimgemeinden, z.B. im Viertel Quartier de la Goutte d’Or im 13. Arrondissement, dazu übergegangen, auf den Straßen zu beten. Die Straßen rue Polonceau und rue Myrrha werden deshalb inzwischen freitags für den Straßenverkehr gesperrt. Die Vorsitzende des Front National, Marine Le Pen, fühlte sich von diesem Umstand an den Zweiten Weltkrieg erinnert und bezeichnete dies als „Besatzerverhalten“.

Übrigens ist weder in Europa, noch in Nordamerika bisher eine neue Christengemeinde dadurch aufgefallen, von anderen Religionen oder auch nur Kirchen die kostenfreie Überlassung von Immobilien zu fordern. Stets legten hier die Gemeindemitglieder zusammen und schufen sich mit ehrenamtlicher Arbeit und eigenem Geld entsprechende Gebetsräume.

Vermutlich sind wir aber zu phantasielos, die „Herzlichkeit“ zu erkennen, die sich hinter dieser Forderung verbirgt.

(Quelle: FdeSouche)