Spasten, Kartoffeln und Sarrazin-Säure

KopftuchschuleFrau Freitag (Pseudonym) arbeitet als Lehrerin an einer Problemschule in einer deutschen Großstadt und unterrichtet „leistungsschwache“ Schüler mit Migrationshintergrund. Über Ihre Alltagserfahrungen hat sie ein Buch geschrieben, in dem unter anderem steht, dass ihre Schüler „Sarrazin“ für eine Säure halten und dass Hitler die Berliner Mauer gebaut habe.

Die Bild erwähnt einige Anekdoten:

1. Eine der Lieblingsbeschimpfungen aller Schüler ist ja Spast. Jedes Mal, wenn ich das Wort höre, frage ich die Schüler: „Weißt du denn, was ein Spast ist?“ Und ich bekomme immer die gleiche Antwort: Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel.“

2. Geschichtlich ist es ein ähnliches Trauerspiel, denn auf die Frage „Wer hat denn die Mauer gebaut?“ bekomme ich in jeder Klasse immer die gleiche Antwort. „Hitler.“

3. Deutsche heißen in unserer Schule übrigens grundsätzlich Kartoffeln. Die Schüler nennen uns zwar nicht dauernd so, aber wenn jemand sagt: „Das war die Kartoffel in Ihrer Klasse“, dann weiß jeder, dass der Schüler keinen Migrationshintergrund vorweisen kann.

Keinen Migrationshintergrund zu haben, bedeutet daher also einen Mangel, der mit dem abwertenden Prädikat „Kartoffel“ gekennzeichnet wird. Besonders angesehen scheint demgegenüber zu sein, wer sich „türkisch“ nennen darf – dafür gibt’s sogar verlängerte Ferien:

5. Meine absoluten Favoriten sind die schon im Voraus angekündigten Ferienverlängerungen. „Frau Freitag, wir fahren aber schon am Montag Türkei.“ „In die Türkei. Aber Emre, da sind doch noch gar keine Sommerferien.“ „Is doch egal.“

Gelungene Integration bedeutet an der Schule übrigens, dass Rainer in den Unterricht kommt und sagt: „Ich heiße ab jetzt Mohamed.“ Nur damit da keine Missverständnisse aufkommen.

Auf die Frage hin, wer Thilo Sarrazin ist, meinen die Schüler:

„Sarrazin, ich weiß!“, meldet sich Yusuf. „Sarrazin ist doch so eine Säure.“

Weitere Einzelheiten Lesen Sie im Buch „Chill mal, Frau Freitag“.

(Mit Dank an alle Spürnasen)