Vielvölkerstaaten in Europa alle gescheitert

Und wahrscheinlich nicht nur in Europa! Tausende Kroaten haben am Sonnabend gegen die Verurteilung des ehemaligen kroatischen Generals Ante Gotovina durch das Haager UN-Kriegsverbrechertribunal demonstriert. Man kann ihnen, aber auch den Serben, nachfühlen. Als Jugoslawien noch existierte, war die deutsche Presse einhellig der Meinung, nach Titos Tod werde der Vielvölkerstaat auseinanderbrechen. Genauso ist es gekommen. Die Serben haben Kroaten und Moslems vertrieben, die Moslems haben Serben vertrieben und der Kroate Gotovina hat auch Serben vertrieben – mit Waffengewalt. Wie sonst unter den damaligen Umständen?

Im Prinzip war schon der Vielvölkerstaat der Habsburger gescheitert, nicht umsonst startete der Erste Weltkrieg in Sarajewo. Dann kam der Zweite und mit ihm das größte „ethnic cleansing“ der Geschichte, wie es neumodisch heisst, die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen aus dem Osten mit massenweise Vergewaltigungen, Mord und Totschlag, von den Alliierten abgesegnet, und nebenbei gesagt stand da nie ein Verantwortlicher vor einem Kriegsverbrechertribunal.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion brachen ebenfalls mehrere derartige Konflikte aus, die mit Vertreibungen endeten. Und in Spanien heute sind die Basken ein bekanntes Beispiel für Sezessionsbewegungen. Eben wurde wieder tonnenweise ETA-Sprengstoff gefunden. Aber auch die Katalanen wollen selbständig sein, die Andalusier und die Galizier. Soweit ersichtlich, haben Vielvölkerstaaten in Europa bisher nicht viel gebracht. Umso erstaunlicher, mit wieviel Power man hierzulande zu Werke geht, um einen neuen Vielvölkerstaat mit orientalischen Elementen zu schaffen! Dabei ist ausgerechnet die Türkei ja ein ganz schlechtes Vorbild!