V.l.n.r.: Dr. Hamid Lechhab, Prof. Dr. Mohamed Andaloussi, Prof. Dr. phil Dr. h.c. Hans KöchlerIn der Universität Innsbruck fand am 12. April ein Vortrag von Prof. Dr. Mohamed Andaloussi (Bildmitte) statt. Der Mann lehrt moderne und zeitgenössische Philosophie an der Universität Moulay Ismail im marokkanischen Meknes und ist Vorstand des Instituts Dortmund für Philosophie. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Metaphysik, Nihilismus und postmoderne Religion.

(Von Melanie Villgrattner, PI-Innsbruck)

Die Ansichten des marokkanischen Professors zum Aufeinanderprallen zwischen der islamischen und der westlichen Welt sind bemerkenswert:

Die heutige „Konfrontation“ zwischen dem Islam und dem Westen hat ihre Wurzeln in der westlichen Moderne, die – im Namen der Säkularisierung, Rationalität, Demokratie, usw. – die letzte metaphysische Festung der islamischen Strömungen zu „besiegen“ versucht. Der islamische „Verteidigungsreflex“ hat dabei mehrere Ausgangpunkte und Richtungen. Die philosophisch-kritische Reflexion, die durchaus ihren Platz im islamischen Denken hat, könnte zeigen, dass die religiöse Dimension für die islamische Moderne notwendig ist und das westliche Modell der Moderne kein Dogma sein muss, sondern nur ein Beispiel für andere Kulturkreise darstellt. Diese Auffassung ist für die kritischen Denker im Islam die Voraussetzung der Koexistenz verschiedener Weltanschauungen.

Offensichtlich sieht Mohamed Andaloussi die Verantwortung für den Konflikt also bei der „westlichen Moderne“, die seiner Meinung nach wohl aggressiv-expansiv sei, wohingegen sich die islamische Welt in „Verteidigung“ befände. Die eigene Religion stellt für ihn einen zentralen und unverzichtbaren Bestandteil der islamischen Welt dar, der sich nicht „besiegen“ lasse. Die westliche liberale, tolerante und freie Gesellschaftsform ist für ihn offensichtlich kein Vorbild. Es könne daher auch kein Miteinander, sondern nur ein Nebeneinander, eine „Koexistenz“ der verschiedenen Gesellschaftsformen geben. Diese Denkweise deckt sich auch mit den Formulierungen des früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Axel Ayyub Köhler, in seiner Schrift „Islam-Leitbilder“:

„Die Glaubensgrundsätze (des Islam) und das islamische Recht (Scharia) zeigen den quasi-totalen Anspruch der Religion auf Mensch und Gesellschaft. (…) Das islamische Gesellschaftssystem wird damit aber keineswegs zu einer Demokratie. Diese Staatsform ist dem Islam fremd.“

Vor dem Hintergrund der raschen Expansion dieser Ideologie in westlichen Gesellschaften war die Beantwortung der Frage, wieviel Kritik der Islam denn eigentlich vertrage, enorm spannend. Der Raum im Archäologischen Museum (welch treffliche Symbolik bei diesem Thema) war bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben zwei Frauen mit Kopftüchern und zwei männlichen Türken, die allerdings nicht zu diesen Frauen gehörten, setzte sich die Zuhörerschaft hauptsächlich aus Professoren und Studenten der unterschiedlichsten Disziplinen zusammen – garniert mit vier Mitstreitern der neu gegründeten PI-Gruppe Innsbruck.

Die Veranstaltung begann mit einer kurzen Begrüßung durch Prof. Dr. phil Dr. h.c. Hans Köchler (Foto r.) und der Vorstellung des Referenten sowie des „Dolmetschers“ Dr. Hamid Lechhab (Foto l.), der noch eine sehr dubiose Rolle in der anschließenden Diskussionsrunde spielen sollte. Merkwürdigerweise wurde der gesamte Vortrag auf Arabisch gehalten, obwohl Prof. Andaloussi fließend französisch spricht. Die deutsche „Übersetzung“ wurde per Power-Point auf eine Video-Wand überspielt. Dies missfiel sowohl mir als auch einigen der anwesenden Zuhörer, denn schließlich gab es einige, die des Französischen mächtig sind. So verlor man die Möglichkeit, das gesprochene Wort mit dem Gelesenen zu vergleichen. Wer weiß, was da alles aus dem Arabischen übersetzt, was nicht und was verändert wurde. Daher verließen einige Besucher konsequenterweise den Raum.

Nach etwa 20 Minuten endete dieser „erhellende“ Vortrag aus 1001 Nacht. Bezeichnenderweise wurde auf das Thema „Wieviel Kritik verträgt der Islam?“ – zumindest in der deutschen Übersetzung – nicht explizit eingegangen. Es wurde immer nur von philosophischen Aspekten der Religionen, im Besonderen des Islams, gesprochen.

Nun folgte der eigentliche Knaller. Die anwesenden Hörer stellten ihre Fragen auf Deutsch, und wer konnte, direkt auf Französisch. Diese wurden dann vom Dolmetscher teils auf Französisch, teils auf Arabisch übersetzt. Dies manchmal so leise, dass man kaum etwas verstand. Prof. Andaloussi beantwortete dann ebenso auf Arabisch oder Französisch. Wurden sehr islamkritische Fragen gestellt, dann leitete der Übersetzer dreist auf Französisch die Frage falsch bzw. entschärft dem Vortragenden weiter. Taqiyya vom Allerfeinsten. Gegen Ende der Fragerunde äußerte ich, dass den ganzen Abend vom Islam rein als Religion gesprochen wurde, der Islam aber mehr sei, und zwar Politik, Wirtschaft, Justiz und Soziologie. Und wenn der Islam, der Koran und die Scharia so reformiert werden würden, dass nur mehr der religiöse Aspekt übrig bliebe, dann wäre vom gesamten Islam nicht mehr viel übrig.

Prof. Andaloussi antwortete darauf recht barsch mal auf Arabisch, mal auf Französisch und wirkte sehr aufgebracht. Dr. Lechhab warf mir vor, wie ich darauf komme, dass der Islam so allumfassend sei? Ich entgegnete, das weiß man, wenn man den Koran und die Hadithe kennt, was man bei einem muslimischen Professor doch wohl voraussetzen dürfte.

Daraufhin wurde von Prof. Köchler ganz schnell eine kurze Verabschiedung eingeleitet, mit dem Hinweis, dass in Kürze eine ähnliche Veranstaltung in Istanbul sein werde. Und am 21. Juni 2011 werde noch einmal ein Vortrag zum Thema an der Uni Innsbruck stattfinden. Wir von PI-Innsbruck nehmen die Einladung gerne an, denn an diesem Abend lautete die klare Antwort auf die Frage, wie viel Kritik der Islam verträgt: „Überhaupt keine“.

Nach dem Vortrag ging ich mit meinen Mitstreitern in eine Pizzeria, um uns genauer kennenzulernen und den Abend Revue passieren zu lassen. Wir diskutierten viel, machten neue Erfahrungen und gewannen interessante Erkenntnisse. Der PI-Stammtisch Innsbruck hat seine Feuertaufe gut überstanden und wir freuen uns auf weitere Kontakte und viele Aktionen. Eine Einladung ergeht natürlich an jeden hier von PI, wenn man gerade in Tirol ist, bei uns vorbeizuschauen.

Zum Schluss ein herzlicher Dank an unsere Freunde von PI-München. Sie veröffentlichten meinen Aufruf und meine email-Adresse zwecks Gründung eines PI-Stammtisches in Innsbruck. Die neue Email-Adresse lautet: pi-innsbruck@gmx.at. Der Anfang von PI-Innsbruck ist gemacht.

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24 KOMMENTARE

  1. Danke für den ausführlichen Bericht und euer Engagement in Innsbruck! Viel Erfolg mit eurer neuen Gruppe.

    In Zusammenhängen wie diesen fällt mir immer wieder auf, dass es gar nicht verkehrt wäre, wenn mehr Islamkritiker Türkisch und/oder Arabisch sprechen könnten. Dann ist man unabhängig von „netten“ Übersetzern und kann selbst prüfen, was da eigentlich so alles gesagt wird.
    (Muss man den Native Speakern ja nicht unbedingt auf die Nase binden, dass man sie auch ohne Übersetzung versteht. Das könnte ähnliche Aha-Erlebnisse produzieren wie die Filme von Undercover-Mosque in England)

  2. „Santiago y cierra, Europa !“

    Nach dem Erstarken des Geert Wilders in den Niederlanden und seit dem Schweizer Votum gegen das Minarett und damit einem Votum für Freiheit, Demokratie und Menschenrecht kommt die europäische Reconquista gut voran und wird den grölenden Scharia-Horden auch diesmal wieder eine Niederlage bereiten.

    In vielen Ländern des Kontinents sprechen wahrhaft Konservative bereits ein gewaltiges Wörtchen in der Politik mit (jüngstes Beispiel ist Finnland) oder regieren schon wie z.B. in Ungarn, Italien und der Slowakei.

    „Santiago y cierra, Europa !“

    http://video.google.com/videoplay?docid=714612456933407845#
    (Spielfilm „EL CID“ mit Sophia Loren und Burt Lancaster. Spieldauer 3 Stunden. Sprache Englisch mit griechischen Untertiteln.)

    Die Hymne Spaniens zeigt die Reyes Católicos…

    http://tinyurl.com/3y638ee

    Alles Gute und Gottes Segen dem PI-Stammtisch im schönen Innsbruck. Ich kenne die Stadt sehr gut und werde womöglich einmal ein gutes Krügerl Bier mit den Damen und Herren des Stammtisches trinken dürfen.

  3. Klasse, Ihr Tiroler! Und daß Ihr die Münchener Tradition aufnehmt, nach einer Taqiyya-Dusche ein wenig Haram-Food zu Euch zu nehmen, das Ihr mit ’ner Birra Peroni oder ’nem Orvieto Classico runterspült, zeigt nur, wie nahe sich Bayern und Tiroler (egal, ob „Nord-“ oder „Süd-„) stehen.

    Don Andres

  4. Ja, super Sache euer Engagement!

    Niemals locker lassen und immer wieder auf die Lügen hinweisen, die Propaganda, die Taqquiya.

    Wenn irgendwann mehr Informierte als „Mähmäh-Schafe“ zu den Veranstaltungen kommen, haben wir gewonnen.

    Habt ihr auch Flyer dabei gehabt, die ihr an neutrale Leute verteilt habt?

  5. Klasse Aktion, Respekt! Keinen Schritt zurück, hart diskutieren (hält der Islam sowieso nicht aus). Entscheidend ist auch eine „Klimaänderung“ bei gerade solchen Vorträgen in dem Sinne, daß die nichtmuslimische Bevölkerung sich keinen Bären mehr aufbinden läßt.

  6. Pierre Vogel ist einer der „besten Zeugen“ dafür, wie notwendig eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam ist:

    Das Menschenbild des Pierre Vogel:
    „Alle Nicht-Muslime sind Kufar!“

    http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=5143

    OT

    Das Israelis lieber auf das Zeigen isrtaelischer und jüdischer Symbole in Berlin verzichten (PI hat ja darüber berichtet) hat nicht nur in Deutschland und Israel für Aufsehen gesorgt, sondern auch in den USA, auf den ersten Blick vielleicht von ungewöhnlicher Seite:

    Schwuler US-Pornostar fordert:
    Mehr israelisches Selbstbewusstsein auch beim Berliner CSD

    http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=5149

  7. @all,

    danke für eure guten wünsche zur neugründung. bin sehr stolz drauf, dass mir das gelungen ist. es sind so tolle leute beu uns. ein studierter atomphysiker in pension, ein schweizer theologe, eine katholikin, eine atheistin (ich). und es sind gaaaaz viele intressierte, die mitmachen wollen, sogar eine atheistische kurdin. das wird noch ganz toll. und unsere freunde von PI münschen sind unsere vorbilder in hinblick auf aktionen. danke an michael stürzenberger für das vervollständigen meines ursprünglichen textes. mein text war schon 100%, nun ist er 200%. dankeschön!!!

    @#demokratie 2.0
    nein flyer haben wir keine verteilt, die runde kannte sich zu beginn des vortrages noch gar nicht. erst danach fanden wir zusammen, weil ich dummerweise den treffpunkt verpasst hatte, ich irrte mit meinem PI-Schild auf der uni herum und fand den raum nicht. aber ales nochmal gut gegangen.

  8. Glückwunsch an die Innsbucker PI-Aktiven zu ihrer Initiative und ihrem Mut, die Auseinandersetzung mit dem Islam und seinen Verharmlosern zu suchen!

    Eine Stelle im Bericht macht mich nachdenklich, nämlich der Ansatz zur Bewertung der westlichen Moderne als aggressiv-expansiv. In Form der „political correctness“ erleben wir ja selbst eine aggressiv-intolerante Ausprägung westlicher Gesellschaften, die in vielen dieser Gesellschaften recht dominant ist. Die Einsicht in die eigene Irrtumsmöglichkeit ist bei den Hohepriestern der PC ja wohl in der Tat unterentwickelt. Und treten sie nicht bisweilen auch intolerant gegenüber z.B. Christen auf? (siehe z.B.: „Flashmob“-Tanzveranstaltung der Hessischen Grünen Jugend am Karfreitag, und die wohlwollende Berichterstattung darüber in den Mainstream-Medien)

    Ich bin meilenweit davon entfernt, Prof. Andaloussi Recht geben zu wollen. Aber ich vermute, dass die europäische / christlich-abendländische Antwort auf seine These wird Bezug nehmen müssen auf die Aufklärung wie auch die christliche und jüdische Tradition, und auf deren Koexistenz in der modernen Gesellschaft.

  9. #10 melli39ibk (25. Apr 2011 20:35)

    @#demokratie 2.0
    nein flyer haben wir keine verteilt, die runde kannte sich zu beginn des vortrages noch gar nicht. erst danach fanden wir zusammen, weil ich dummerweise den treffpunkt verpasst hatte, ich irrte mit meinem PI-Schild auf der uni herum und fand den raum nicht. aber ales nochmal gut gegangen.
    😆 😆 😆

    Gruß und ein Dankeschön für euer Engagement nach Tirol.

    pi.marburgstadt@yahoo.de

  10. Ich brauchte nur den ersten Satz lesen….schon wusste ich bescheid!
    Der Westen ist mal wieder Schuld und der Islam ist das unschuldige weinende Kind, dem man ja soooo unrecht tut!

    Weiter mochte ich gar nicht mehr lesen…..immer dasselbe Geseier^^

  11. Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.
    Karl Marx
    (Über den Forschungsschwerpunkt Nihilismus bin ich noch am Grübeln).

    Die heutige „Konfrontation“ zwischen dem Islam und dem Westen hat ihre Wurzeln in der westlichen Moderne

    Nun ja, in gewisser Weise hat er ja recht, wenn Europa sich nicht modernisiert hätte und dem Mittelalter entwachsen wäre hätten die da unten ewig so weitermachen können.

  12. Hallo, PI-Innsbruck,
    herzlich willkommen in der Runde. Bin öfters in Innsbruck bei Verwandten und werde eure Adresse mal weitergeben.

  13. Die heutige „Konfrontation“ zwischen dem Islam und dem Westen hat ihre Wurzeln in der westlichen Moderne, die – im Namen der Säkularisierung, Rationalität, Demokratie, usw. – die letzte metaphysische Festung der islamischen Strömungen zu „besiegen“ versucht.

    Das ist schon insofern Unsinn, als daß der Islam sich hierzulande auszubreiten sucht, aber nicht der Westen im Islam. Die Stoßrichtung verläuft vom Islam in den Westen und nicht umgekehrt. Vereinfacht: Die Leute kommen zu uns, wir nicht zu ihnen.

  14. Danke für den Bericht und viel Erfolg bei eurem PI Stammtisch. Ich war erst am Osterwochenende wieder in Österreich. Das Land ist viel zu schön, als das wir es dem Islam überlassen;)

  15. Viel Glück den Nordtiroler Freunden und danke für euer Engagement !
    LG aus dem Süden 🙂

  16. Der Islam hat langfristig keine Überlebenschance. Er kann nur seine Dogmen aufrecht erhalten und jeden kritischen Dialog verhindern. Dann ist der Islam in hundert Jahren nur noch die Religion der Dummen.

    Folgt er dem Christentum in der Auseinandersetzung mit der Aufklärung und interpretiert er religiöse Aussagen historisch-relativierend, dann wird er ein gefundenes Fressen für die analytische Philosophie, und deren Philosophen haben richtig Hunger angesichts fehlender kräftiger Gegner.

    Ich denke, dass diese Öffnung dem Islam noch schlechter bekommen wird als dem Christentum. Und ich vermute, dass islamische Theologen dies auch erkannt haben; nur so ist ihre Weigerung in einen kritischen Dialog mit der westlichen Philosophie einzutreten zu erklären.

  17. Aber bis dahin kann sich der Islam mit diktatorischen Mitteln an der Macht halten und Terror über die Menschen bringen. Z. B. im Iran.

    Deshalb ist es notwendig, ihm die Stirn zu bieten, wenn wir freie Menschen bleiben wollen.

  18. Der Westen will die Vorherrschaft des Islam nicht. Das frustriert Muslime, und dann fliegen sie ein paar Flugzeuge in Gebäude.

    Also ist der Westen Schuld.

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