Wochenshow sucht „The next Osama bin Laden“

Wochenshow sucht 'The next Osama bin Laden'BILD wirft mal wieder die hochmoralische Frage auf, was Satire eigentlich darf, freilich ohne zu einer befriedigenden Antwort zu kommen. Darf Satire sich zum Beispiel über Terrorismus lustig machen? Auslöser dafür war eine bitterböse Parodie auf Casting-Shows, die in der Wochenshow vom 20.5.2011 abgeliefert wurde und in der nach einem geeignetem Nachfolger für Osama bin Laden gesucht wird.

(Von Kassandra Komplex)

Zitat BILD:

Das Ensemble um Ingolf Lück parodiert die RTL-Show DSDS. Statt Sängern wird aber „The next Osama Bin Laden“ gesucht. Ein Kandidat (Stein) stellt sich vor und sagt: „Isch mach Bombe und dann noch Wasser vergiften oder so.“ Antwort von Jurymitglied Al Sawahiri (Nummer 2 der Terror-Organisation Al Quaida): „Flasht mich nicht. Mit der Bombe erwischt du höchstens vier, fünf Mann.“ Seine Frau (Kebekus) meldet sich zu Wort: „Ja, ich finde…“, wird aber sofort von ihrem Mann angeschrien: „Sei still, Frau! Du hast hier nichts zu sagen.“ Und Bohlen (Knop): „Ja, genau. Still, Frau!“

Muss Comedy solche Witze machen?

„Wir machen Satire. Und das heißt, die Realität überspitzt darzustellen“, erklärt „Wochenshow“-Moderator Ingolf Lück (53). Er sieht es als Pflicht solche politischen Themen zu verarbeiten. „Die ganze Welt zermartert sich das Hirn, wer an Bin Ladens Stelle tritt. Darauf muss Comedy reagieren. Wir wollen nicht nur seichte Unterhaltung, eine kritische Auseinandersetzung ist gewollt.“

Wie gelungen das ist, davon kann sich jeder selbst ein Bild machen. Die ausführliche Fassung gibt es, wenn auch leider spiegelverkehrt, hier:

oder gekürzt, dafür nicht spiegelverkehrt.

Zurück zur Ausgangsfrage: Darf Satire das? Meines Erachtens lautet die Antwort ja. In einer Zeit, in der praktisch täglich neue Terroranschläge verübt werden, könnte man schier verzweifeln an all der Gewalt. Indem die grausame Realität in absurder Form völlig überspitzt dargestellt wird, kann man diesem alltäglichen Wahnsinn zumindest ein befreiendes Lachen abgewinnen.

Und das gelingt der DSDS-Parodie erstaunlich gut. Nicht zuletzt, weil gerade die überbordende Flut an Casting-Shows in Islamistenforen gern als Beleg für die Dekadenz und Wertelosigkeit unserer westlichen Kultur angesehen wird, funktioniert die Parodie auf beides (Castingshows und Terrorismus) gleich in doppelter Hinsicht.

Und bevor hier jemand das Totschlagargument von der Verhöhnung der Opfer auffährt, halte ich dem entgegen: Hier werden keineswegs die Opfer verhöhnt, sondern die Täter. Und damit trifft es ausnahmsweise sogar mal die Richtigen!