Keine Islamkritik an Marburger Universität

Thomas MaulDie für den 27. Juni um 20 Uhr geplante Veranstaltung „Sex und Scharia. Zum Geschlechterverhältnis im Islam“ mit Thomas Maul (Foto), Autor des Buches „Sex, Djihad und Despotie“, in den Räumlichkeiten der Marburger Uni hat nicht stattgefunden. Einer Gruppe von ca. 40 Störern, die ein Flugblatt verteilten, gelang es, den Veranstaltunsbeginn mittels Trillerpfeifenlärm zu verhindern.

In dem Flugblatt heißt es unter anderem:

Die Linke Fachschaft 03 veranstaltet vom 20. Juni – 11. Juli eine Vortragsreihe mit dem Titel „Islam, Islamismus und die Linke“. Innerhalb dieser Reihe sollte am 27. Juni Thomas Maul auftreten. Maul vertritt in seinen Werken und Vorträgen rassistische und antifeministische Thesen. Nach Protesten verschiedener linker und feministischer Gruppen hat sich die Linke Fachschaft 03 entschieden, Thomas Maul keine Bühne zu bieten. Diese Entscheidung begrüßen wir sehr. Dennoch halten Einzelpersonen aus dem Vorbereitungskreis daran fest, dass die Veranstaltung stattfinden soll. Wir fordern weiterhin die Absage der geplanten Veranstaltung!

Antimuslimischer Rassismus ist in der deutschen Gesellschaft weit verbreitet und kein Randphänomen, wie von Thomas Maul behauptet. Er beruht darauf, anhand einer sturen und wortwörtlichen Zitierung des Koran und anderer mittelalterlicher Quellen einen angeblich nicht zu überbrückenden Unterschied zwischen der „europäisch-abendländischen“ und der „islamischen Kultur“ zu konstruieren. Liberale und aufgeklärte Strömungen innerhalb des Islam oder die Tatsache, dass sich die meisten Muslime in Deutschland selber als nicht oder kaum gläubig beschreiben, werden ignoriert. Veränderungen innerhalb der Auslegung des islamischen Glaubens werden unterschlagen und stattdessen ein angeblich nicht veränderbares Wesen des Islam erfunden. Dadurch seien muslimische Menschen grundsätzlich nicht in der Lage, friedlich am Zusammenleben in westlichen Gesellschaften teilzunehmen, sondern im Gegenteil eine Bedrohung, die man ausgrenzen müsse.

[…]

Vor dem Hintergrund der Einladung Mauls durch die Linke Fachschaft 03 erscheint uns daher ein weiterer Aspekt besonders wichtig: Die Islamfeindlichkeit steigt auch und insbesondere unter Menschen an, die sich selbst politisch links verorten. Als Begründung wird oft die Kritik an homophoben und sexistischen Einstellungen angeführt. Diese Kritik ist selbstverständlich richtig und wichtig – sie verliert aber ihren emanzipatorischen Charakter und wird zur Entschuldigung für rassistische Vorurteile, wenn sie derartige menschenfeindliche Einstellungen pauschal allen muslimischen Menschen unterstellt oder gar aus „dem Wesen des Islam“ ableitet. Mit dieser wiederum in der extremen Rechten anschlussfähigen, pauschalisierenden Kritik schließt sich der Kreis. Dies zeigen die begeisterten Reaktionen auf das Buch Mauls auf dem rassistischen Blog Politically Incorrect – die er selber wiederum auf seiner Homepage verlinkt. […]

Der vom Raummieter und Veranstaltungsanmelder gerufenen Polizei war es nicht möglich, für einen Veranstaltungsbeginn zu sorgen, weil die Unileitung von ihrem Hausrecht explizit keinen Gebrauch machen wollte und sich damit hinter die Störer stellte und den Anmelder blamierte.

» Email an die Präsidentin der Philipps-Universität in Marburg, Prof. Dr. Katharina Krause: praesidentin@uni-marburg.de