Schweiz 2: „Mit dem Ferrari aufs Sozialamt“

Schweizer WELTWOCHEHier ein weiterer Ausschnitt aus demselben Artikel in WELTWOCHE 26/11 von Axel Baur: „Mit dem Ferrari aufs Sozialamt“. Wer glaubt ernstlich daran, daß unsere deutschen Behörden schärfer durchgreifen als die Schweizer? 

Betrüger haben wenig zu befürchten, selbst wenn sie auffliegen, wie der Fall von Imad K. und Nassrin J. illustriert. Das Zürcher Obergericht verurteilte die beiden Eheleute aus dem Irak vor einem Jahr wegen Fürsorgebetrugs im Umfang von einer Viertelmillion Franken. Imad K., ein abgewiesener, aber trotzdem «vorläufig» aufgenommener Asylant, hatte im Autohandel über die Jahre Hunderttausende von Franken umgesetzt. Seine Gattin arbeitete zudem illegal als Putzfrau. Insgesamt bezog das geschäftstüchtige Ehepaar trotz komfortabler Einnahmen über die Asylorganisation Zürich (AOZ) Sozialleistungen von insgesamt 270.994 Franken und 35 Rappen.

Soweit der bedauerliche «Einzelfall». Zu denken gibt indes die Urteilsbegründung: Die Richter beliessen es bei einer bedingten Warnstrafe, weil sie dem irakischen Paar zubilligten, dass ihm die AOZ «den Betrug sehr leicht gemacht» habe. In fünfeinhalb Jahren musste Imad K. lediglich drei Mal auf einem vorgedruckten Formular bestätigen, dass er über keine Einkünfte verfügte. Dabei hatte er in jener Zeit insgesamt zehn Autos eingelöst, die meisten offiziell auf seinen eigenen Namen oder den seiner Gattin. Die meisten Modelle waren von der gehobenen Hubraumklasse: ein Opel Omega V6, drei Mercedes 300 SE, ein ­Ferrari 3.2 Mondial (8 Zylinder, 255 PS).

Doch niemand schien sich daran zu stören, dass Fürsorgebezüger K. stets mit Luxuskarossen herumkutschierte. Der Iraker flog auf, weil er einen säumigen Gläubiger, dem er zu Wucherzinsen 130.000 Franken geliehen hatte, mit dem Tod bedrohte. Bei seiner Verurteilung vor Obergericht befand sich der Opel Omega nach wie vor in seinem Besitz. Imad K. wurde damals angeblich von seinen Verwandten im Irak unterstützt. Seine Frau lebte gemäss eigenen Angaben nach wie vor von der Fürsorge. Schliesslich war sie nach der vorübergehenden Verhaftung ihres Gatten erst recht auf Unterstützung angewiesen. Kurzum: Faktisch kam das betrügerische Paar ungestraft davon.

Wie blöd sind wir Europäer eigentlich?