Köpenick: Inniger Empfang für Ruprecht Polenz

Wer die letzten Wochen aufmerksam die Nachrichten verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass gerade eine weitere Kampagne gefahren wird, den verstockten Deutschen die Aufnahme der Türkei in die EU schmackhaft zu machen.

(Von Eisbärin, PI-Gruppe Berlin)

So fühlte sich denn kürzlich der abgetakelte Ex-Außenminister Genscher berufen, die Deutschen zu belehren, wie sehr gerade sie von einer EU inkl. Türkei profitieren. (Komisch nur: Wir profitieren von allem, merken aber nix davon. Muss wohl an unserer Verstocktheit liegen.) Auch der gerade abtakelnde (Noch)-Außenminister Westerwelle verspürte den Drang, uns mit all‘ seiner staatsmännischen Weisheit zu beglücken.

Bei so viel hochmögender Unterweisung der Deutschen konnte nun auch der Weltökonom und Großstratege Dieter Zetsche (Daimler AG) nicht hintanstehen, von dem aufstrebenden „Tigerstaat“ Türkei zu schwärmen (PI berichtete).

Diese Kampagnen lassen jedoch nur allzu leicht den bescheiden aber unermüdlich im Hintergrund zum Wohle der Türkei wirkenden Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU) übersehen. Dieser Herr ist der Obertürkeilobbyist seiner Partei. Er hat sogar – neben dem aufreibenden 24-Stunden-Job als Parlamentarier – ein Buch verfasst, in dem er alle Einwände gegen den EU-Beitritt der Türkei als unberechtigte Vorurteile entlarvt und widerlegt haben will. (Ruprecht Polenz: Besser für beide: Die Türkei gehört in die EU. Die 10 Euro hierfür lohnen sich jedoch wirklich nicht, siehe die aufschlussreichen Rezensionen bei amazon.de).

Dem netten Herrn Polenz wurde schon einmal die Beitrittseuphoriesuppe kräftig versalzen, als er auf einer vermeintlichen Wohlfühl-Veranstaltung des Deutsch-Türkischen Forums der CDU Berlin für ihn völlig unerwartet mit hartnäckigen Nachfragen und entlarvenden Einwänden konfrontiert wurde, so dass er am Schluss die Contenance verlor und offen zugab, dass auch die CDU die Wählergunst der Zukunft bei den Migranten sucht.

Aber auch ein Herr Polenz möchte sich von schwerer Tagesplage gelegentlich bei einem gepflegten Bier und ein paar knackigen Grillwürstchen erholen, v.a. wenn er dies in dem grünen und praktisch unbereicherten Berliner Bezirk Köpenick tun kann.

„Zufälligerweise“ nun hatte die Ortsgruppe Steglitz-Zehlendorf der FREIHEIT Kenntnis von dem Sommerfest eines Mitglieds des Köpenicker CDU-Kreisverbandes mit der Ankündigung des Spezialgastes Polenz, einem guten Freund des Einladenden, erlangt und wollte diesen nun ebenfalls ganz herzlich begrüßen. Flugs wurde daher eine Demo (oder ein Aufzug, wie es im Amtsdeutschen heißt) bei der Polizei angemeldet mit dem Motto „Gegen den EU-Beitritt der Türkei“, welche ganz zufällig auf der Einfahrtsstraße zum Gartengrundstück des Polenzfreundes stattfinden sollte. Die Polizei hatte keine Einwände und so ging es frisch ans Werk.

Hübsche Begrüßungsplakate mit interessierten Nachfragen und klärenden Tatsachenfeststellungen waren schnell entworfen. Auch ein Ausflug in die Märchenwelt für diejenigen, die nicht so gut sind im Lesen, war dabei, genau wie eine hilfreiche Erinnerungsstütze:

Natürlich durften auch aufmunternde Sprechchöre („Keine Sommersause – Polenz geh‘ nach Hause!“) oder kurzweilige Ratespiele („Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht, wer ist Dein Meister? In Ankara sitzt er und Erdogan heißt er!“) nicht fehlen. Zudem hatten wir uns mit Tröten und Trillerpfeifen eingedeckt, denn: Von der Antifa lernen, heißt … nun, nicht gerade „siegen“ (das können wir auch so), aber immerhin „krachmachen“ lernen.

Die nach und nach eintreffenden Gäste (von örtlicher CDU-Prominenz bis zum Hinterbänkler-MdB) kamen denn auch nicht umhin, die visuellen und auditiven Reize wahrzunehmen. Je nach Temperament wurde das Begrüßungskomitee, das die Plakate zum Ausgleich etwaiger Sehschwächen jedem Gast zuvorkommenderweise unmittelbar vor die Nase hielt, verbissen ignoriert oder herablassend belächelt. Einige Male jedoch konnte jemand in ein Gespräch verwickelt werden, in dem inhaltlich durchaus Zustimmung geerntet werden konnte, meist jedoch nach dem Muster: „Eigentlich habt ihr habt ja Recht, aaaaber…. “.

Überraschenderweise hatten auch die Anwohner und Gartenbesitzer, die sich von dem Lärm und den Plakaten ja durchaus zu Recht hätten gestört fühlen können, in der ganz großen Mehrzahl nicht nur nichts auszusetzen, sondern sie äußerten sich sogar positiv und zustimmend. Das galt ebenso für vorbeifahrende Autofahrer, die meist ihr Tempo deutlich drosselten, um die Plakate besser lesen zu können, wie für die Tramfahrer, die die Daumen hoch hielten oder winkten.

Einzig eine ältliche Radfahrerin äußerte sich fassungslos über so viel „Rassismus“. Auf die Nachfrage, woran sie denn Rassismus erkennen würde, wollte sie wissen, was wir gegen Türken hätten. Unsere Antwort „Wo steht denn das? Wir sind lediglich gegen den EU-Beitritt der Türkei und gegen Politiker, die diesen unterstützen“, antwortete sie: „Das ist doch rassistisch!“. Der Einwand, dass es auch durchaus Türken gäbe, die gegen den Beitritt seien, wurde mit „Dann sind das auch Rassisten!“ kurz und bündig, allerdings sinnlos und merkbefreit vom Tisch gewischt. Was muss es schön sein, ein so geschlossenes Weltbild zu haben!

Wer jetzt – so wie wir – auf den Auftritt des Herrn Polenz wartet, muss leider enttäuscht werden. Ganz offenbar wurde er von seinen Freunden über unsere Begrüßungsdemo informiert, so dass er sich dann nicht mehr nach Köpenick hinaus traute. Die anwesenden Steglitz-Zehlendorfer FREIHEITLER und unterstützende Parteifreunde aus anderen Bezirken haben auch ohne Herrn Polenz an diesem kleinen Probelauf für den Wahlkampf Gefallen gefunden, DIE FREIHEIT zudem auch in einem noch fast unbereicherten Berliner Bezirk weiter bekannt gemacht, und nicht zuletzt in einigen CDU-Mitgliedern den Keim des Zweifels gesät.

Was Herrn Polenz betrifft: Wir sind sehr zuversichtlich, dass er ebenfalls PI liest oder ihm dieser Beitrag von seinen Parteikollegen mitgeteilt wird. Es wird ihn dann sicher trösten, dass er, obwohl er doch den allermeisten Bürgern bislang völlig unbekannt geblieben ist, wenigstens noch einen treuen „Fanclub“ unter FREIHEITlern besitzt, die sein weiteres Wirken aufmerksam verfolgen und ihn noch das eine oder andere Mal bei seinen Terminen herzlich empfangen werden.