Nach fünf Jahren noch keine Sprachkenntnisse

Schulbildung: Drei Jahre Koranschule in der Türkei. Beruflicher Werdegang: Lehrling bei einem Dortmunder Imam, 2 Jahre Jugendbetreuer in Ingolstadt, 2 Jahre Jugendbetreuer in Vorarlberg. Sonstige Kenntnisse: Nach 5 Jahren „Berufstätigkeit“ in Deutschland und Österreich noch kein Wort Deutsch gelernt. Dennoch ist die Augsburger Allgemeine begeistert über den neuen Imam, der türkischen Mohammedanern Integration beibringen und sie gegenüber deutschen Behörden vertreten soll.

Die Augsburger Allgemeine berichtet:

Vorarlberg ist den Brettlfans unter den Augsburgern nicht unbekannt. Auch Özkan Karagülle testete hier das Wedeln. Seit 2009 war der türkische Imam des Verbandes Islamischer Kulturzentren (VIKZ) beruflich in dem österreichischen Bundesland aktiv, als Vorbeter für türkischsprachige Jungen eines Schülerwohnheims. Zum 1. Mai wurde er von seinem Arbeitgeber in die Eschenhof-Moschee nach Augsburg versetzt. Deren bisherigen Imam schickte der Verband, zu dem die Moschee des Augsburger Bildungs- und Kulturvereins gehört, im Gegenzug nach Vorarlberg.

Ein wenig einarbeiten müsse er sich noch. „Aber die Begeisterung über den FCA-Aufstieg konnte ich in meiner neuen Gemeinde zum Beispiel bereits hautnah miterleben“, sagt Karagülle. Er wohnt mit seiner Frau und dem drei Monate alten Baby in dem in rotem Marmor glänzenden Vereinshaus, das auch die Moschee, einen Frauenbereich, die Kantine mit Küche und weitere Sozialräume beherbergt.

Die Frau des Imam wurde als Kind türkischer Einwanderer in Duisburg geboren, absolvierte selbst eine dreijährige Grundausbildung für VIKZ-Imame und ist Deutsche. Ihr Mann hofft, dass sie nach der Erziehungszeit auch wieder in die Gemeindearbeit einsteigt. Er selbst habe noch kein Deutsch gelernt, bedauert der Imam. Doch jetzt hat er sich vorgenommen, Sprachkurse zu besuchen. Nicht zuletzt, weil der Verein es mit Blick auf die Vielsprachigkeit der Gläubigen fordert.

Karagülle wurde 1982 als Sohn eines Schusters in Zonguldak an der türkischen Schwarzmeerküste geboren und besuchte drei Jahre lang eine Privatschule für religiöse Grundbildung in Istanbul. Als Hilfsimam schickte ihn der VIKZ zu einem älteren Imam nach Dortmund in die Lehre. Anschließend bewährte er sich zwei Jahre in einem Schülerwohnheim in Ingolstadt, bevor er nach Vorarlberg kam. Karagülle steht entsprechend der Verbandssatzung und den Lehren des türkischen Wanderpredigers Süleyman Tunahan für eine strenge, konservative Lebensführung. Er ist überzeugt: „Wir müssen die Gesetze befolgen und der Gesellschaft nutzen. Das ist unser Sinn und unsere Aufgabe.“ Der Weg zur spirituellen Gotteserfahrung führt demzufolge nur über die grenzenlose Verehrung des geistigen Meisters Tunahan.

Neben der grenzenlosen Verehrung des gesetzgebenden Meisters sieht der neue Imam seine Aufgabe besonders darin, seine Landsleute gegenüber Schule, Polizei und anderen Behörden der Ungläubigen zu vertreten, wenn deren Gesetze etwas anderes vorschreiben als die des grenzenlos verehrten Meisters.

(Spürnase: Franz W.)


Ein Beitrag vom Autorenteam QUOTENQUEEN