Sarrazin bei Aleviten in Berlin: „Hau ab!“

Die TV-Journalistin Güner Balci war am Dienstag zusammen mit Thilo Sarrazin in Berlin unterwegs, um für die ZDF-Sendung „Aspekte“ zu drehen. Dazu war auch ein Besuch beim „Kulturzentrum anatolischer Aleviten e.V.” in Kreuzberg vorgesehen. Vor dem Gebäude wurde er von den Gemeindemitgliedern mit den Rufen „Hau ab“ empfangen. Sarrazin kommentierte dies trocken: „Sie verhalten sich antidemokratisch und bestätigen somit Vorurteile“.

(Von Michael Stürzenberger)

Bisher konnte man gemeinhin der Ansicht sein, Aleviten wären eigentlich gar keine richtigen Muslime, hätten moderate religiöse Ansichten, verhielten sich angepasst, seien gut integriert, beteiligten sich rege am Arbeitsmarkt und fügten sich gut in die Gesellschaft ein. Aber nach diesem Auftritt muss man schwer ins Grübeln kommen.

„Primaverablog“ berichtet zu den Vorgängen:

Laut Aussage des Vereinsvorsitzenden, Ahmet Taner, der die offizielle Stellungnahme des Vereins von einem Blatt ablas, konnte man Herr Sarrazin morgens nicht erreichen und ihm deshalb nicht mitteilen, dass die Gemeinde erst nach einer langen vereinsinternen Debatte zum Entschluss gekommen ist, ein Interview mit dem ZDF-Team zu verweigern. Nachdem die Stellungnahme vorgelesen wurde, skandierten die Besucher erneut: “Hau ab! Hau ab!”, denen Sarrazin entgegnete: “Das sind antidemokratische Verhaltensweisen, Sie tun sich damit keinen Gefallen und somit bestätigen Sie Vorurteile.”

Figen Izgin, Mitbegründerin des Migrantenvereins “Allmende e.V.” und Mitglied des Landesvorstandes der Berliner Linkspartei, sagte: “Ich habe erst gestern davon erfahren und bin glücklich, dass die Gemeinde Widerstand geleistet hat. Die Cem-Häuser stehen für alle offen, doch nicht für Rassisten, und deshalb finde ich es gut, dass man ihm eine Absage erteilt hat, das hat mich sehr glücklich gemacht.” Turgut Altug, Kreuzberger Grünen-Kandidat für das Abgeordnetenhaus, zeigte kein Verständnis für den Besuch Sarrazins: “Nachdem soviel passiert ist und er soviel gesagt hat, macht es keinen Sinn, wenn er hierher kommt.”

Hier das Video:

Im Anschluss ging das ZDF-Team mit Sarrazin weiter durch vermintes Berliner Terrain. Es blieb turbulent, wie Primaveroblog berichtet:

Als Sarrazin und das ZDF-Team das Restaurant “Hasir” in der Oranienburger Straße besuchten, weigerte sich der Geschäftsführer Hikmet Kundakci, sie zu bedienen. Vor dem Restaurant kam es zu einem Wortgefecht zwischen ihm und zwei aufgebrachten Bürgern, die kein Verständnis für seine Thesen hatten. Auch auf dem türkischen Wochenmarkt am Maybachufer diskutierte er mit einigen Obstverkäufern, denen er sagte: “Wer arbeitet, hat meinen Respekt!”

Auch hierzu gibt es ein Video:

Wenn man die Aggressivität, die Uneinsichtigkeit und Faktenresistenz dieser Menschen ansieht – sowohl der biodeutschen Linken als auch der zugewanderten Mitbürger aus dem türkisch-arabischen Raum – dann kann einem angesichts der demographischen Entwicklung nur Angst und Bange werden. Berlin wird die erste Stadt sein, die fällt. Stadtteil um Stadtteil. Es werden lauter kleine Gaza-Streifen entstehen. In wenigen Jahren wird ein Thilo Sarrazin solche Gegenden nicht mehr ohne Lebensgefahr aufsuchen können. Sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ hat sich bei diesem Besuch in der traurigen Realität voll bestätigt. Die Frage ist nur, ob es noch fünf vor oder bereits fünf nach zwölf ist.

Das ZDF strahlt den Beitrag über den Sarrazin-Besuch in Kreuzberg am 22. Juli in der Sendung „aspekte“ (23.15 – 23.45 Uhr) aus.

» BZ: Sarrazin in Kreuzberg unerwünscht
» taz: Pöbeln und sich anpöbeln lassen in Kreuzberg und Neukölln