Ekel-Dönerfleisch-Fabrikant muss hinter Gitter

Döner gilt gemeinhin als ein attraktives Fastfood-Gericht, mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. An gar nicht so wenigen Orten bekommt man ihn für € 2,50 oder gar € 2,00. In Berlin war vor drei Jahren sogar einmal ein Preiskrieg im Gange, bei dem Döner zeitweilig für € 1,00 verkauft wurde. Von diesem Geld muss der Betreiber die Lebensmittel bezahlen, dazu die Mehrwertsteuer und die Miete. Und selbst wenn die mithelfenden Familienangehörigen teilweise kostenlos arbeiten, wollen doch Goldkettchen und zumindest ein gebrauchter Mercedes von diesem Umsatz ebenfalls finanziert sein. Die Kehrseite dieses scheinbar alle glücklich machenden Dönerwunders, bekommt man immer wieder mit allerlei Fleischskandalen zu spüren.

(von Thorsten M.)

So wurde in diesen Tagen vor dem Landgericht Augsburg ein Wertinger Fleischfabrikant wegen des Verkaufs von 130 Tonnen verdorbenen Fleisches an Dönerbuden für zwei Jahre ohne Bewährung hinter Gittern geschickt. n-tv berichtet weiter:

Der 60-Jährige hatte laut Urteil in 22 Fällen nicht zum Verzehr geeignetes Fleisch mit neuen Etiketten versehen und mit Hilfe zweier Geschäftspartner vor allem an Berliner Dönerbuden verkauft. Das Landgericht Augsburg verurteilte den Wertinger Fleischfabrikanten am Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Betrugs.

Der 60-Jährige und seine Geschäftspartner hatten insgesamt mit 130 Tonnen Fleisch gehandelt und rund 150.000 Euro umgesetzt. Die Ware sei nicht gesundheitsschädlich gewesen, sondern habe aus formalen Gründen die Zulassung verloren, betonte der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale. Als besonders gravierend wertete er jedoch, dass der Angeklagte nach dem Bekanntwerden des Skandals im Sommer 2007 gegen ein Gewerbeverbot verstieß und über eine Strohfrau weiter mit Fleisch handelte.

„Damit hat er die goldene Brücke, die er sich aufgebaut hatte, wieder eingerissen. Es zeigt, wie wenig er bereit ist, wieder in den Bereich der Legalität zurückzukehren“, sagte Natale. Deshalb sei auch eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht gekommen. Drei Monate der Strafe müssten allerdings wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt angesehen werden.

Umfangreiches Geständnis
Bereits am Vormittag hatten sich Richter, Verteidigung und Staatsanwaltschaft in einer Absprache auf ein Strafmaß von zwei Jahren geeinigt. Voraussetzung dafür war das umfangreiche Geständnis des 60-Jährigen, das er später in Form einer Erklärung seines Anwalts ablegte. Zudem zeigte er Reue für seine Taten: „Das war halt eine riesen Dummheit, das zu machen“, sagte er. Dem Strafmaß schlossen sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft in ihren Plädoyers an.

Verteidiger Steffen Ufer betonte, dass die lange Verfahrensdauer sehr belastend für seinen Mandanten gewesen sei und er zwei Herzinfarkte in dieser Zeit erlitten habe. Zuletzt musste das Verfahren gegen den 60-Jährigen wegen seiner Krankheit im Mai ausgesetzt und abgetrennt werden. Seine Geschäftspartner wurden in der Zwischenzeit bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Ausgelöst hatte den Ekelfleisch-Skandal ein Lastwagenfahrer. Im Sommer 2007 brachte er mehrere Tonnen Fleischabfälle in die Wurst- und Fleischfabrik im schwäbischen Wertingen und beobachtete, wie der Angeklagte die Ware heimlich umetikettierte. Im Prozess war der 53-Jährige am Mittwoch erneut als Zeuge geladen. „Dass es da nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, der Verdacht lag sehr nahe“, sagte der Lastwagenfahrer. Er gehe zudem davon aus, dass Taten wie die des 60-Jährigen bei weitem kein Einzelfall sind. Der Fahrer hatte die Behörden alarmiert.

Wer „Geiz ist geil“ sät, wird „Gammeldöner“ ernten. Zwar ist ein höherer Dönerpreis keine Garantie dafür, dass man bessere Lebensmittel bekommt. Aber ein sehr niedriger Preis ist umgekehrt ganz sicher ein Beleg dafür, dass es an irgend einer Stelle der Herstellungskette nicht mit rechten Dingen zugeht.

Zum Glück gibt es im Zweifel in den meisten Städten auch immer noch die gute alte Curry-Wurst mit Pommes, wenn es schon unbedingt Fast-Food sein muss.