Gastarbeiter-Märchen: Italiener

 Es ist von ziemlich allen Seiten unbestritten, daß die deutsche Wirtschaft Ende der fünfziger und in den sechziger Jahren nach dem Mauerbau ausländische Arbeitskräfte brauchte. Damit erschöpft sich jedoch die objektive Geschichtsschreibung bereits, und die politisch-korrekte Ideologie beginnt. Schon die „Vereinbarung zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der italienischen Republik über die Anwerbung und Vermittlung von italienischen Arbeitskräften nach der Bundesrepublik Deutschland“ 1955 war zunächst keineswegs nur deutschen Wünschen zu verdanken, sondern die italienische Regierung hatte mindestens zwei Jahre lang zuvor auf eine solche Möglichkeit gedrängt, die schließlich „im Geiste europäischer Solidarität zu beiderseitigem Nutzen“ abgeschlossen wurde.

Es folgten weitere Abkommen mit Spanien und Griechenland 1960, der Türkei 1961, Portugal 1964 und Jugoslawien 1968. Zwischen 1962 und 1974 kamen 8,8 Mio Ausländer, von denen 5,5 Mio das Land wieder verließen. Gezwungen wurde dabei niemand, weder zur Einreise, noch zum Bleiben, noch zur Ausreise! Allerdings gab es gesundheitliche Untersuchungen zur Erlangung einer Arbeitserlaubnis bereits im Herkunftsland, und dies war keine Selektion an der Rampe von Auschwitz, wie uns die Tränendrüsen-Gutmensch-Lobby heute weismachen will, sondern gängige Praxis im In- und Ausland und überall akzeptiert. Auch die ersten Unterkünfte hätten keinen Michelin-Stern erwarten dürfen, wer aber glaubt, die Neuankömmlinge seien darüber so erschüttert gewesen, daß sie gleich eine Selbsthilfegruppe gründen und zum Psychiater rennen mußten, irrt gewaltig!

Wer nämlich in Palermo in einer solchen Einzimmer-Wohnung (Foto oben) groß geworden war, vermißte im Gelsenkirchen der sechziger Jahre höchstens die Sonne, wenn er seine neue Unterkunft (Foto unten) sah.

In einer solchen Baracke aß ich mit Kollegen die ersten Spaghetti meines Lebens! Natürlich kam es zu Diskriminierungen, natürlich existierten Spitznamen und Schimpfwörter wie „Katzelmacher“, „Ithaker“ und „Makkaroni“, natürlich gab es Streit. Das ist normal und war noch in keinem Einwanderungsland anders! Normal sind aber auch Ehen zwischen Einheimischen und Ausländern, und die ließen nicht lange auf sich warten! Denn insgesamt ist die Geschichte der ersten Gastarbeiter in der BRD, der vielen Italiener, Griechen, Serben, Kroaten, Slowenen, Spanier und Portugiesen, ein wahnsinniger Erfolg gewesen, und es ist ein Unglück, daß soviele wieder gegangen sind.

Auch die Gastarbeiter selber sahen ihre Lebensgeschichte eher positiv. Warum sollte sich sonst der Rentner Giacomo Meo eine Lore seiner alten deutschen Zeche in Italien vor sein Haus stellen? Es gibt aber eine Ausnahme, wo alles bis auf den heutigen Tag nicht so richtig funktioniert, und die wird im nächsten Beitrag in einigen Tagen behandelt! Die Fotos habe ich auf dieser hervorragenden Seite entliehen!