Update „Loverboys jetzt auch bei uns“

Was ist nur mit der BILD-Zeitung los? – Hat die Redaktion nach der gestrigen Ausgabe eine Mail von der Zensur (aktueller Name: „Institut für Medienverantwortung“) bekommen? – Oder sind sie – nachdem PI zur Zeit in aller Munde ist – darüber erschrocken, dass wir ihre Geschichte über einen Loverboy in Deutschland „ausgeschlachtet“ haben? Irgend etwas muss in jedem Fall passiert sein, dass man dort nun eine so dümmliche wie menschenverachtende Geschichte als Update hinterher geschickt hat.

(von Thorsten M.)

Vordergründiger Auslöser für den erneuten Bericht ist die gute Nachricht, dass das aus einer Kinder- und Jugendpsychiatrie verschwundene 15jährige Mädchen – von der BILD-Zeitung Mona genannt – offenbar wieder aufgetaucht ist.

Zur Relativierung des vorherigen Berichts, in dem noch von einem 25jährigen Pakistani die Rede war, der das Mädchen über Facebook gezielt in die Prostitution geködert oder „gezwungen“ haben soll, beschwichtigt das offenbar „kastrierte“ Boulevard-Blatt, schon in der Überschrift. Mit dem Fragesatz „Arbeitete das Mädchen freiwillig als Prostituierte?“ soll dem Leser suggeriert werden, dass doch alles nicht so schlimm sei. Das Alter des Mannes, der die 15jährige in die Prostitution geschickt haben soll, wird kurzerhand auf 21 gesenkt (mit Zahlen hatte es BILD noch nie besonders), seine Nationalität nun verschwiegen. Dafür breitet man nun umso ausführlicher die Mär von der „Freiwilligkeit“ der Prostitution des Mädchens aus, was man „erleichtert“ als Beweis dafür in Stellung bringt, dass es sich bei dem Zuhälter doch nicht um einen „Loverboy“ handele.

Hat man hier einen Redakteur so zusammen gestaucht, dass er nicht mehr klar denken konnte, weil ihm das mit dem Pakistani rausgerutscht war? Oder ist es das allgemeine Fehlen von Maßstäben, in dieser Redaktionsstube, dass man solchen Blödsinn verzapft?!

Fakt ist, dass noch nie behauptet wurde, dass das Strickmuster von „Loverboy“-Zuhältern primär Drohungen oder die Anwendung körperlicher Gewalt wären. Wie BILD eigentlich selbst gestern schön beschrieben hatte, pirschen sich diese meist orientalischen Männer durch Schmeicheleien und Aufmerksamkeiten an ihre meist deutlich jüngeren Opfer heran. Sobald ein oft minderjähriges Mädchen dann in emotionale Abhängigkeit geraten ist, wird es psychologisch geschickt in die Prostitution gelotst. Wenn z.B. einer 15jährigen von einem Mann erst teure Kleidung gekauft wird und dieser dann plötzlich – eine finanzielle Notlage vorschützend – von dem Mädchen zunächst unter großen eigenen Schmerzen bezahlte „Liebesdienste für Freunde“ verlangt, ist das vordergründig natürlich kein „Zwang“.

Das Ausmaß des Verbrechens ist im Grunde aber sogar eher größer, als im Fall von „klassischer Zwangsprostitution“. Bei einem so „abgerichteten“ Mädchen ist in einem ganz anderen Ausmaß vermutlich für den Rest des Lebens die Seele und die Würde zerstört.

In jedem Fall ist es erschreckend, im Zusammenhang mit einem 15jährigen Mädchen überhaupt das Wort „Freiwilligkeit der Prostitution“ in den Mund zu nehmen. Wer in diesem Alter in solche Abgründe gerät, kann nur durch ein völlig pervertiertes Erwachsenenumfeld dorthin dressiert worden sein. Mit den normalen Träumen eines Mädchens dieses Alters hat Prostitution auf alle Fälle nichts zu tun. Das sollte eigentlich auch die BILD-Zeitung wissen – oder haben die dort keine Kinder mehr?