Türkische Gastarbeiter-Märchen 2

Allüberall wird uns fünfzig Jahre nach der Einwanderung der ersten türkischen Gastarbeiter dieses Jahr zum Jubiläum erzählt, die Türken hätten Deutschland nach dem Krieg wieder aufgenbaut. Bei den Frauen auf dem Foto handelt es sich aber um keine Türkinnen, sondern um deutsche „Trümmerfrauen“, die nach 1945 beim Aufbau des Landes tatkräftig geholfen haben. Die Türken brauchten wir nie. Wo es einen Teil 2 gibt, kam natürlich vorher schon ein Teil 1 hier. Dies ist nun die Fortsetzung des türkischen Gastarbeiter-Märchens:

1964 trat ein neues Anwerbeabkommen auf Drängen der Türkei in Kraft, in der die Befristung gestrichen wurde. Der deutschen Bevölkerung wurde weiterhin das Rotationsprinzip vorgeheuchelt. Ursprünglich sollte das Abkommen sogar vor dem Volk geheimgehalten werden!

Erst 1973 erließ Deutschland einen allgemeinen Anwerbestopp. Damals hielten sich 528.000 türkische, 466.000 jugoslawische, 409.000 italienische, 268.000 griechische und 179.000 spanische Arbeitnehmer im Land auf. Aufgrund des Stopps und der schlechteren wirtschaftlichen Lage (Ölkrise) reisten bis 1976 ca. 42 Prozent der Griechen und Spanier ab, die Zahl der Türken (-2,5%) blieb fast gleich – und die Arbeitslosigkeit in Deutschland war inzwischen gestiegen. Nimmt man die Zahlen der ausländischen Wohnbevölkerung, dann ergibt sich zwischen 1974 und 1980 folgendes Bild:

Griechen – 26%
Italiener – 1,8% (einziges EG-Land)
Jugoslawen – 11%
Spanier -34%
Türken + 42% (1,462 Mio Personen)

Bei diesem Anstieg handelte es sich primär um Familiennachzug. 1968 war jeder vierte eingewanderte Türke/Türkin nichterwerbstätig. 1972 jeder zweite, 1976 waren es 86 Prozent.

Kommen wir zum Geld. Bei der Frage, was Einwanderung bringt oder kostet, müssen längere Zeiträume gesehen werden, am besten die ganzen Jahre bis heute. Die zuerst eingewanderten Türken waren alle vollbeschäftigt, zahlten Steuern und Sozialabgaben und kauften im Supermarkt ein und irgendwann vielleicht ein Auto. Die Steuerquote lag 1960 aber tiefer als 2011, die Sozialversicherungsbeiträge waren halb so hoch, eine Mehrwertsteuer gab es nicht. Unsere Unternehmen verdienten damals durchaus gut an den Türken und vielleicht auch der Staat.

1973 wurde aber schon an 868.000 im Ausland lebende Kinder von allen Gastarbeitern Kindergeld gezahlt. Aufgrund eines zaghaften Versuchs unterschiedlicher Zahlungen für Kinder im Ausland holten die Gastarbeiter ihre Kinder und Frauen zunehmend nach Deutschland. 1978 lebten bereits 700.000 türkische Kinder im Land, 300.000 zusätzliche Ehefrauen waren ebenfalls hergezogen.

Gerichte entscheiden bis heute, Familienzusammenführung sei ein Menschenrecht. Daß man die Familie auch in der Türkei hätte zusammenführen können, wurde nicht in Erwägung gezogen. Bis auf den heutigen Tag ist Familienzusammenführung der einzige legale Weg der Einwanderung für Türken.

Zurück in die Achtziger. Irgendwann zwischen 1980 und 1990 dürfte der finanzielle Saldo, was Einwanderung angeht, ins Minus gerutscht sein. Zwischen 1960 und 1978 haben prozentual durchgehend mehr Ausländer gearbeitet als Deutsche (1961: 47% Deutsche, 78% Ausländer). Ab 1980 stiegen die Arbeitslosenquoten, und die Ausländer (größte Gruppe immer die Türken) lagen natürlich signifikant über den Deutschen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Sozialhilfeempfänger, und auch da lagen die Ausländer über den Deutschen. 1982 waren zwei Drittel der Ausländer (Türken, man muß es nicht wiederholden, immer die größte Gruppe) berufsmäßig nicht qualifiziert. Das ist bis heute ein Manko. Die Sprach- und Schulkenntnisse sind schlecht, in der sogenannten dritten Generation manchmal sogar schlechter.

Kurzum, seit 1980 ist der Trend derselbe. Die Zahl der Ausländer, speziell der größten Gruppe, der Türken, ist überproportional gestiegen, ihre Arbeitslosigkeit, das dazugehörige Arbeitslosengeld und der Sozialhilfebezug auch.
In Berlin bezogen 2004 rund 74.000 Bewohner mit ausländischer Staatsangehörigkeit Sozialhilfe, das sind 27 Prozent. In Berlin Mitte stellten die Ausländer 42 Prozent der Sozialhilfeempfänger. In der BRD ist der Ausländeranteil an der Sozialhilfe seit 1965 von 3% auf 26% angestiegen, der der Deutschen nur von 1,4% auf 2,9%.

Dazu kommen Kosten für Infrastruktur aller Art, vom Kindergarten bis zum Gefängnis, manches zahlt der Bund, das meiste die Länder und Kommunen. Es sprengt das Blog, allem nachzugehen, aber welche Statistik man auch aufschlägt, man hat nie den Eindruck, daß unter dem Strich für Deutschland durch die moslemische Einwanderung etwas Positives herausgekommen ist, auch nicht durch Selbständige, was extra behandelt werden soll.

Um aber nicht nur die Türken ins Visier zu nehmen, dies betrifft auch Libanesen oder andere kleinere Gruppen aus bestimmten Ländern. Aufgrund ihrer vielen Einwanderer fällt die Türkei eben stark ins Gewicht. Generell dürfte der Eindruck nicht täuschen, daß wir mit Gastarbeitern aus dem „Christenclub“ wesentlich besser gefahren sind als mit anderen! Zweitens bleibt festzuhalten, daß das liberale Credo, daß mit Freizügigkeit auf allen Gebieten, inklusive Einwanderung, der Wirtschaft und uns allen am besten gedient sei, leider oft kurzfristig gedacht ist. Was deutschen Unternehmern 1965 extrem genützt haben mag, ist nun ein jahrzehntelanges Minusgeschäft. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Wirtschaft in diesem System kurzfristig die Rosinen gepickt hat und hinterher darf der Steuerbürger langfristig die Probleme auslöffeln!

(Quellen: Viele Zahlen aus Stefan Luft, „Multikulti“, der wiederum andere Statistiken zitiert)