Wird Fukushima Luftkurort?

Damit wir die Billion, die der Atomausstieg kostet, ohne Murren ertragen und immer hübsch bei der Stange bleiben, kommt jede Woche mindestens ein Bericht über den Ticker, daß in Fukushima wieder irgendein erschreckender Wert gemessen worden sei. Meist fällt das Wort ‚Todeszone‘. Im Iran gibt es einen Luftkurort, der mehr Strahlung aufweist als Fukushima.

Die vorletzte WELTWOCHE 42/2011 brachte ein paar unhysterische Fakten: Die Mär von der Todeszone, Autor Alex Reichmuth. Hier nur einige Auszüge:

Auf Jahrzehnte hinaus verseucht und unbewohnbar – so stellt man sich hierzulande das Sperrgebiet um das Atomkraftwerk Fukushima vor… Ist dieses alarmierende Bild zutreffend? In den meisten Gebieten um das AKW liegt die Strahlendosis, die im ersten Jahr im Freien zu erwarten ist, unter den 20 Millisievert (mSv), die als Grenzwert für eine Evakuation gelten…

Aber solche Werte findet man auch ohne Atombomben oder Kernkraftwerke:

Insbesondere nicht nachweisbar sind Spätschäden an den Orten der Erde, die stark durch natürliche Strahlung belastet sind. Diese stammt vor allem aus dem Weltall und aus dem Gestein. Durchschnittlich beträgt die natürliche Strahlendosis weltweit 2,5 mSv pro Jahr. In den Alpen oder im Tessin ist sie aber vielerorts 5 mSv oder sogar 10 mSv pro Jahr, so dass die dortige Bevölkerung während ihres Lebens ­eine Gesamtdosis von mehreren hundert Millisievert abbekommt.

Insbesondere liegt die Lebensdosis an vielen Orten über den 350 mSv, die nach dem Unglück von Tschernobyl als Kriterium für die Evakuation galten. «Gemäss diesem Kriterium müssten etwa zehn Prozent des Alpengebietes als Todeszonen gelten, wo die Bevölkerung sofort weggebracht werden müsste», sagt Walter Rüegg, Kernphysiker und ehemaliger Chefphysiker der Schweizer Armee.

Auch an vielen Orten in Finnland, Süditalien, Norwegen oder Rumänien liegt die natürliche Radioaktivität über der Evakuationsdosis von Tschernobyl, zum Teil deutlich.

Der weltweit am stärksten belastete Ort ist wohl Ramsar im Iran. Dort herrscht eine natürliche Radioaktivität von etwa 80 mSv, an ­einigen Stellen sogar bis 250 mSv pro Jahr. Dennoch sind keine negativen Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung bekannt. Ramsar ist im Gegenteil ein vielbesuchter Kurort, der als besonders gesundheitsfördernd gilt.

Und was die Sterberaten angeht, sind andere Todesursachen viel entscheidender:

Auf der Basis der LNT-Annahme schätzt UNSCEAR, das Forschungsgremium der Uno zu den Auswirkungen radioaktiver Strahlung, dass bei einer zusätzlichen Dosis von 100 mSv das Krebstodrisiko um 0,3 bis 0,7 zusätzliche Fälle pro 100 Personen steigt. Das stimmt mit den Schätzungen anderer Forschungsgremien überein. In einer Studie in der Wissenschaftszeitung BMC Public Health wurde 2007 dieses Risiko mit demjenigen anderer Gesundheitsgefahren verglichen: Passivrauchen führt zu 1,7 Todesfällen pro 100?Einwohner, die Luftverschmutzung in stark verschmutzten Städten gar zu 2,8 Todesfällen pro 100 Einwohner. Die Autoren der Studie ziehen den Schluss, dass viele Menschen, die nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl in der Sperrzone blieben, ein kleineres Gesundheitsrisiko tragen, als wenn sie in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit ihrer hohen Luftverschmutzung gewohnt hätten.

Auf Japan übertragen, müsste man der Bevölkerung Tokios, die von schlechter Luft betroffen ist, aus gesundheitlichen Gründen empfehlen, in die Nähe des AKW Fukushima umzuziehen.

Und es gibt da noch andere Risiken:

Auch die Folgen der Angst vor Radioaktivität sind nicht zu unterschätzen: Das breitabgestützte Wissenschaftsgremium, das im letzten Jahrzehnt unter Leitung der Uno und der Weltgesundheitsorganisation die Folgen der Atomkata­strophe von Tschernobyl untersuchte, kam zum Schluss, dass nicht die Strahlung, sondern die Beeinträchtigung der Psyche das grösste Gesundheitsproblem war, das dieses Unglück ausgelöst hatte.

Und was ist mit Hiroshima?

Beobachtungen im Nachgang zum Atombombenabwurf über Hiroshima deuten auf positive Effekte hin. «Und im Tierversuch ist die Sache klar», sagt Rüegg. «Werden Hunde und Mäuse mässiger radioaktiver Strahlung ausgesetzt, entwickeln sie oft weniger Krebs und Leukämie.» Falls sich solche Beobachtungen bei Menschen bestätigen liessen, wäre es aus gesundheitlichen Gründen begrüssenswert, wenn Atomkraftwerke regelmässig etwas Radioaktivität abgeben würden.

Bitte beachten Sie, daß der Artikel viel länger ist als die hier zitierten Stellen. Es ist jedenfalls sehr erfreulich, wenn man auch mal andere Ansichten zu lesen kriegt, als die der gehirngewaschenen deutschen Mainstream-Medien. Sollte ein Leser jetzt sehr aufgeregt sein, empfehle ich ihm ein Abo der WELTWOCHE!