Zurück zu Voltaire und tabuloser Islamkritik

Der deutsch-israelische Schriftsteller Chaim (Hans) Noll, der vergangenes Jahr schon Sarrazin zur Seite sprang, hat bei der Achse des Guten einen hochinteressanten Artikel mit dem Titel „Annullierung der Aufklärung“ geschrieben. Die Stadt Essen war angesichts empörter Reaktionen von muslimischen Verbandsvertretern zu Nolls kontroversem Vortrag über judenfeindliche Ressentiments des Islams eingeknickt. Offensichtlich darf man Muslimen die knallharte Realität ihrer eigenen Ideologie nicht zumuten. Nach dem Motto: Wer nur laut genug meckert und mit „Gefährdung des gesellschaftlichen Friedens“ droht, dem wird nachgegeben.

(Von Michael Stürzenberger)

Es war der Einladungstext zu Nolls Vortrag, der Muhammet Balaban, den Sprecher der „Kommission Islam und Moscheen in Essen“, auf die Palme brachte. Er fühle sich durch diesen Text „persönlich beleidigt“ und sah darin „Angriffe auf den Propheten, den Koran und auf alle Muslime“. Interessant, dass einen Moslem die Fakten über seine eigene „Religion“ beleidigen können:

„Judenfeindliche Ressentiments spielen seit Niederschrift des Koran im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser fundamentale Judenhass reaktiviert und instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür liefert die im Gaza-Streifen herrschende Organisation Hamas in ihrer Charta (…) Der Vortrag beschäftigt sich mit neuen Formen von Judenhass und Feindschaft gegenüber Israel, mit den Zusammenhängen zwischen beiden und ihren Auswirkungen auf die Stimmung in Europa.“

Hinter der vorgespielten Empörung steckt natürlich die klare Moslemstrategie, Kritik am Islam im Keim ersticken zu wollen. Der typisch deutsche Gutmensch hüpft immer wieder allzu bereitwillig über dieses Stöckchen, so auch der Essener Oberbürgermeister. Sofort sollten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, den Vortrag zu verhindern, was in diesem Fall ausnahmsweise einmal am standhaften Widerstand des Veranstalters, der Leitung der Alten Synagoge, scheiterte. Chaim Noll sieht den geistigen Zustand dieses Landes durch diese öffentliche Entrüstung weit hinter die Zeiten der Islam-Aufklärung eines Voltaire zurückgeworfen. Jener schrieb bekanntlich im Jahre 1740 in einem Brief an Friedrich den Großen:

Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er seine Mitbürger glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, … es sei denn, der Aberglaube hat ihm jedes natürliche Licht des Verstandes erstickt.

Voltaire verfasste auch das Theaterstück „Der Fanatismus des Propheten Mohammed“, das heutzutage aus den Gründen der Politischen Korrektheit nicht mehr in Europa aufgeführt wird. Moslems könnten ja mit Gewalt drohen und diese möglicherweise auch anwenden. Chaim Noll bemerkt dazu (Hervorhebungen durch PI):

So wird, um ein eklatantes Beispiel zu nennen, Voltaires berühmtes Stück „Le Fanatisme ou Mahomet le Prophète“ heute nirgendwo mehr in Europa aufgeführt. Auch nicht im deutschen Sprachraum, obwohl die deutsche Fassung des Stückes von Goethe stammt und nach Ansicht der wenigen Literaturwissenschaftler, die sie zu erwähnen wagen, aus mehreren Gründen von größtem kulturhistorischen Interesse ist.

Die Unterdrückung von Voltaires Mohamed-Stück ist ein besonders beschämender Fall europäischer Kultur-Verleugnung. Diese Verleugnung geschieht unter dem Druck neuer Tabus, die verstohlen an Stelle der alten getreten sind. Bereits im 18.Jahrhundert, kurz nach seiner Uraufführung 1741 im französischen Lille, wurde Voltaires Stück zum ersten Mal verboten, da der hochbetagte Kardinal de Fleury eine anti-katholische Parabel darin wähnte.

Papst Benedikt XIV., an den sich Voltaire um Hilfe wandte, erteilte dem Dichter seinen Segen und ermöglichte – zumal Voltaire einen das Stück preisenden päpstlichen Brief vorwies – Aufführungen in katholischen Ländern. Das Stück zu spielen, gehörte an den aufgeklärten Fürstenhöfen Europas bald zum guten Ton – gerade, weil es umstritten war und fast Opfer eines Zensurversuchs geworden wäre. Eine Aufführung des Voltaireschen Mahomet war ein Bekenntnis zur Freiheit der künstlerischen Äußerung, zur Freiheit des geschriebenen Wortes, kurz: zur Meinungsfreiheit in Europa. (..)

Auch Goethes Übersetzung ins Deutsche wurde als bedeutende literarische Leistung gewürdigt: „die Verdeutschung“, schrieb ein zeitgenössischer Rezensent, „verkündigt die Hand eines Meisters“. Von dieser Übersetzung ist heute möglichst selten die Rede: sie stellt die Legende vom Islam-Freund Goethe in Frage, wie er sich angeblich im „West-Östlichen Divan“ zu erkennen gibt, und stört die gängige Einvernahme des deutschen Klassikers in einen politisch erwünschten Versöhnungskontext. Indessen hat Goethe das Mohamed-Schauspiel Voltaires mit größter Gewissenhaftigkeit übersetzt, um seine aufklärerische Kritik am Propheten des Islam in aller Klarheit wirken zu lassen.

Goethes deutsche Fassung wurde erstmals im Januar 1800 am Weimarer Hoftheater aufgeführt, im Beisein des Hofes und vieler Geistesgrößen dieser Tage. Auch Herder und seine Frau Karoline waren unter den Zuschauern, Karoline beschrieb Freunden in einem Brief die Wirkung des Stückes: „Der Fanatismus ist ja wohl die Krankheit, an der wir und unsere Zeit krank darniederliegen!“ An der Wahrheit dieser Feststellung hat sich nichts geändert, der Fanatismus, der uns heute bedroht, hat gegenüber dem damaligen eher noch zugenommen.

Geschwunden ist jedoch die intellektuelle Widerstandskraft Europas. An eine Aufführung von Voltaires umstrittenen, vor zweihundertfünfzig Jahren der Zensur abgerungenen Drama Mahomet ist im heutigen Europa nicht mehr zu denken. Der Umstand, dass der Prophet Mohamed in Voltaires Stück auftritt, sich in seiner zutiefst menschlichen Fragwürdigkeit zu erkennen gibt und von den anderen Figuren kontrovers reflektiert und behandelt wird, reicht aus, um muslimisch inspirierte Verbots-Prozeduren in Gang zu setzen. Es ist Usus geworden, gilt als „politische Vernunft“ und Zeichen „politischer Kultur“, diesem Druck nachzugeben. Oder noch „vernünftiger“: ihn durch vorauseilenden Gehorsam erst gar nicht aufkommen zu lassen.

In einem Vortrag des deutschen Literaturwissenschaftlers Albert Meier an der Universität Kiel im Jahre 2008 findet sich der für heutige europäische Intellektuelle bezeichnende Gedankengang: „Mahomet ist damit (durch sein Verhalten in Voltaires Stück – Ch.N.) bis auf die Knochen diskreditiert – und es lässt sich verstehen, dass das Stück heute nicht mehr aufgeführt wird.“ Nun, es ist eben die Frage, die alles entscheidende Frage, ob sich das wirklich „verstehen“ lässt.

Was würde „Verständnis“ in diesem Fall bedeuten? Verständnis für die Annullierung der Aufklärung. Für die Preisgabe europäischer Kultur, einer mit Gewalt drohenden Gruppe zuliebe. Wenn orthodoxe Muslime behaupten, Voltaires Stück beleidige ihre Gefühle – sind wir inzwischen soweit von unserer eigenen Identität abgekommen, dass wir uns ihr verschwommenes Beleidigtsein, ihre fragwürdige Vergöttlichung des Propheten zu eigen machen? (..)

Es kritisiert den Mann Mohamed, bezweifelt seine Heiligkeit, stellt den selbsterklärten Propheten als politischen Pragmatiker dar. Einzelne Figuren finden vernichtende Worte für den „Täuscher“, „Verräter“, „Lügner“, doch auch Mohamed kommt ausführlich zu Wort, um sein Vorgehen zu rechtfertigen. Ein vielschichtiger, auf historischen Ereignissen beruhender, psychologisch plausibler Text. (..)

Die Aufführung zu Voltaires dreihundertsten Geburtstag wurde zu Fall gebracht, durch Intervention muslimischer Interessengruppen, in der heute üblichen Allianz mit europäischen Intellektuellen. Vor allem europäische Linke fühlen sich aufgerufen, die religiösen Empfindlichkeiten der muslimischen Orthodoxie zu verteidigen – dieselben Linken, denen, was das Christentum betrifft, keine Kritik scharf, keine Enhüllung unbarmherzig genug sein kann.

Zunächst äusserte sich Tariq Ramadan, ein von europäischen Institutionen mit Stipendien und Beraterverträgen geförderter Experte für islamische Positionierung in westlichen Gesellschaften. Geübt im Umgang mit Medien und Öffentlichkeit, hütete er sich, das Stück selbst oder den Autor Voltaire anzugreifen. Er politisierte die Aufführung, drohte mit denkbaren Reaktionen: „Man kann Mahomet nicht aufführen und von diesem explosiven Kontext absehen.“ Ihm assistierte der Sprecher der Genfer Moschee, Hanif Gouardini: „Diese Aufführung kann (…) Hass hervorrufen (…) Sollten uns doch die vorhergehenden Affären lehren, dass die freie Meinungsäußerung im Dienste der Liebe zwischen den Menschen stehen sollte.“ (..)

Ob die Sprecher, Funktionäre, Politiker muslimischer Gruppen im heutigen Europa dazu bereit sind, ist hierbei nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, ob Europa noch zu diesen Werten steht. Auch im Interesse der nach Europa einwandernden Muslime. Viele von ihnen fliehen aus ihren islamischen Herkunftsländern nach Europa, weil sie sich hier andere Lebensgesetze, Freiheiten, Möglichkeiten erhoffen als die nach islamischer Vorstellung zugestandenen, und es muss für sie im höchsten Maß enttäuschend und entmutigend sein, wenn sie das intellektuelle Europa im Zustand der Defensive vorfinden, der Selbstpreisgabe und Selbstzensur.

Voltaires Stück und Goethes deutsche Fassung sind nicht die einzigen Fälle, in denen heute islamkritisches Kultur- und Gedankengut aus Furcht vor muslimischer „Überreaktion“ verleugnet wird. Präventiv unterschlagen wird gleichfalls, um ein neueres Beispiel zu nennen, die religionsphilosophische Islam-Kritik von Franz Rosenzweig in seinem sonst unentwegt zitierten Opus Magnus „Der Stern der Erlösung“. Oder Abraham Geigers sprachwissenschaftliche Untersuchungen über die Entstehung von Mohameds Judenhass und dessen Widerspiegelung im Koran, vor allem Geigers (1902 in Buchform veröffentlichte) Dissertation an der Universität Bonn.

Mit der unsinnigen Vokabel „Islamophobie“ wird auch jede aus westlicher Sicht begründete, ja unvermeidliche Kritik am Menschenbild des Koran abgetan, etwa an seinen frauenfeindlichen, judenhasserischen, Segregation gegenüber allem „Fremden“ fordernden Passagen (obwohl das Wort „Phobie“, nach dem griechischen phobos, eigentlich die unbegründete Furcht vor etwas meint) und jedem analytischen Ansatz der Boden entzogen. Allerdings ist analytisches Denken, im Grunde schon jede Klarheit suchende Text-Exegese islamisch-orthodoxen Dunkelmännern von jeher suspekt, je intelligenter der Einwand, umso eher ist mit ihrem Beleidigtsein, ihrer Drohgebärde zu rechnen, und am Ende denunziert und verleugnet der Westen um eines falschen Friedens willen seine eigenen geistigen Möglichkeiten.

Dass islamisch-fundamentalistische Propagandisten, etwa Salafisten, heute in Europa Erfolge feiern und die Kinder aufgeklärter westlicher Gesellschaften für sich gewinnen können, liegt weniger an der Attraktivität ihrer Botschaft als an der Scheu vor Konflikt und Debatte, die das geistige Klima Europas bedroht. Was hilft Meiunungsfreiheit, wenn sie ganze Bereiche des Denkens meidet? Wenn der Islam zu Deutschland gehören soll, wie der Bundespräsident behauptet, muss auch Islam-Kritik zu Deutschland gehören, denn in westlichen Staaten gilt es als Menschenrecht, jedes uns berührende Phänomen kritisch zu reflektieren. Auf diesem Menschenrecht müssen wir bestehen.

Man kann Europäer nicht daran hindern, sich über den Islam Gedanken zu machen und kritische Meinungen zu äußern. Islam-Kritik ist notwendig zum Erhalt der geistigen Freiheit in Europa. Sie ist notwendig zum Erhalt der Symmetrie zwischen den europäischen Kulturen und Religionen: wenn es ganz selbstverständlich Bibel-Kritik gibt, wenn Christen und Juden sich mit ihren religiösen Traditionen kritisch und öffentlich auseinandersetzen, kann und muss diese Art Selbstreflexion auch europäischen Muslimen zugemutet werden. Sonst behielten doch Voltaires Worte über Mohamed Recht, in der deutschen Wiedergabe Goethes:

Das Schwert, der Koran, in der blutigen Hand
Sollt einem jeden Schweigen auferlegen

Wir sind in Europa, was Islamkritik anbelangt, glatt um 270 Jahre, weit hinter den großen Aufklärer Voltaire, zurückgeworfen worden. Eigentlich um fast siebenhundert Jahre, wenn man die Erkenntnisse des byzantinischen Kaisers Manuel II. bedenkt, den Papst Benedikt in Regensburg zitierte. Aber in unserer politisch korrekten Zeit wurde die kollektive Löschtaste gedrückt und ließ das Wissen um die Gefährlichkeit des Islams urplötzlich in Vergessenheit geraten. Was für ein Irrsinn. Spätere Generationen werden sich über diese bekloppte Zeit lustig machen und sich fragen, wie so etwas nur möglich war. Diese Frage wurde ja schon einmal in unserer Geschichte gestellt. Gelernt hat man daraus ganz offensichtlich nichts.

Wir hier bei PI haben aber nicht vergessen, daher sind wir wie Voltaire, Goethe, Friedrich der Große, Schopenhauer, Martin Luther, Karl Marx und viele andere ganz gefährliche „Islamophobe“, die den „inneren Frieden“ dieser Gesellschaft gefährden. Werte Herren vom Verfassungsschutz, übernehmen Sie. Und kontrollieren Sie, dass die Wahrheit schön unter Verschluss bleibt und Deutschland immer mehr zu einer Bananenrepublik verkommt. Da die vorgenannten Personen nicht mehr leben, können Sie nur noch uns überwachen. Aber Achtung: Wir sind wirkliche Extremisten. Wir wollen das Grundgesetz und die Freiheit kompromisslos und ohne jegliche Zugeständnisse an eine zurückgebliebene, unzivilisierte und in weiten Teilen grausame Beduinen-„Religion“ verteidigen.

Chaim Noll ist in der DDR aufgewachsen und weiß, was Unterdrückung bedeutet. Heute dürfte er sich in Deutschland den geistigen Nachfahren der Stasi und des staatlichen Zensur-Apparates ausgeliefert sehen. Es ist eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes, des Freiheitsgedankens und aller Werte des christlich-jüdisch-aufgeklärt-humanistischen Abendlandes, dass eine gewaltbejahende Unterwerfungs-Ideologie vor Kritik geschützt werden soll. Der Geist von Voltaire ist in unserer heutigen Zeit völlig abhanden gekommen:

„Ich mag zwar nicht Deiner Meinung sein, aber ich werde mich dafür einsetzen, dass Du sie aussprechen darfst“.

Wir freiheitsliebenden Menschen werden uns dem islamophilen Gesinnungsterror niemals beugen und niemals schweigen. Je mehr der Druck gegen uns zunimmt, desto unbeirrter und kompromissloser wird unsere Standfestigkeit sein. Jetzt werden die Weichen für die Zukunft gelegt, und wer jetzt kneift, braucht sich in einigen Jahren über bürgerkriegsähnliche Zustände nicht mehr zu beschweren. Der Zeitpunkt zum Aufstehen ist jetzt gekommen, wenn wir die Apokalypse noch verhindern wollen. Für die Zensurwächter, Meinungsunterdrücker und Islam-Steigbügelhalter kommt der Tag der Abrechnung. Mit Sicherheit. Der Tatbestand des Volksverrats ist gegeben. Aber noch gilt auch für sie: Ein Umdenken ist jederzeit möglich, denn die Fakten sind bekannt. Keiner wird sich später herausreden können, er hätte von nichts gewusst. Die typisch deutsche Duckmäuser- und Untertanmentalität wird diesmal nicht mehr als Entschuldigungsgrund herhalten können.

» Veranstaltungshinweis: Wer Chaim Noll live erleben will, kann dies morgen Abend (10. Oktober, 19 Uhr) in Wiesbaden tun.

Buchempfehlung: Die Bürgerbewegung Pax Europa bietet das Theaterstück „Mahomet“ von Voltaire gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro an. Darüber hinaus gibt es auch noch einen kostenlosen Download.