Gunnar Heinsohn: Pakistan, Dreizack der Macht

Pakistan ist gerade schwer verärgert. Es ist die unberechenbarste und gefährlichste Atommacht der Welt. Gunnar Heinsohns Augenmerk ist bekanntlich immer auf die Zahl der zweiten, dritten und vierten Söhne gerichtet, wenn er untersucht, wie kriegerisch ein Land ist. Natürlich haben wir momentan nichts zu befürchten, manche Nachbarn irgendwann schon eher. Heinsohn schreibt:

Allein Pakistan führt im islamischen Raum den Dreizack der Macht. Erstens eine seit 1977 islamisierte, leidensfähige Megabevölkerung, zweitens ein Jungmännerreservoir für Verluste in Weltkriegsdimensionen sowie drittens Atomwaffen nebst Trägerraketen.

Zwischen 1920 und 2010 springt Pakistans Einwohnerschaft von 20 auf 185 Millionen. Der aufgewühlte arabische Norden Afrikas bringt es nur auf 160 Millionen Muslime. Deutschland stände bei einem pakistanischen Wachstum heute bei 570 statt nur 80 Millionen Bürgern.

In der jetzt dominierenden Generation zwischen 50 und 64 Jahren hat Pakistan elf Millionen Männer. Bei den 15- bis 29jährigen, die mitunter Taliban werden und christliche Minister erschießen, sind es 32 Millionen – also beinahe dreimal so viele. Hinter denen laufen sich 39 Millionen Knaben zwischen null und 14 Jahren für den Lebenskampf warm. Fünfeinhalb Millionen sind es im stets hilfsbereiten Deutschland.

Amerika (320 Millionen Einwohner), das in den kommenden 15 Jahren seine Vormacht verteidigen muss, zählt nur 33 Millionen Jungen unter 15. Sie aber wachsen statistisch als die einzigen Söhne ihrer Eltern auf. Keiner ist entbehrlich, und nur jeder Dritte wird überhaupt fit für den militärischen Einsatz.

Von den 39 Millionen pakistanischen Knaben sind 25 Millionen zweite bis vierte Brüder ohne Aussicht auf akzeptable Karrieren. Europa hatte eine so frische Bevölkerung letztmalig 1914. Zehn Millionen Jünglinge verbrannte das Abendland als „Menschenmaterial” oder „Kanonenfutter” und schaffte das – mit der Ausnahme Frankreichs
– aus der demographischen Portokasse. Wenn es um verlierbare zornige junge Männer geht, steht es zwischen Pakistan und der NATO heute 25 Millionen zu Null.

Seit 13 Jahren baut Pakistan atomare Sprengköpfe. Mehr als hundert von ihnen können mit der Shaheen II über eine Distanz von 2.500 Kilometer geschossen werden. Wer ihren Einsatz verhindern und auch den Iran vor Selbst- und Fremdschädigung bewahren will, hat nicht mehr viel Zeit.

Vollziehen könnten diesen Freundesdienst nur die Schutzpatrone. Während Russland die Teheraner Nuklearanlagen versenkte, könnten das in Pakistan allein die Amerikaner besorgen. Die direkt in Indien und Israel Bedrohten müssten in zweiter Linie bleiben. China neutralisierte gleichzeitig Nord-Korea. Die Alternative – nämlich globale Brände oder gewöhnliche Bürgerkriege – erfreut niemanden. Jeder bessere Vorschlag sollte baldmöglichst offengelegt werden. (ef-Magazin 4/11)