Kairo: „Eines Tages werden wir alle Juden töten“

In Ägypten ist nach Mubaraks Fall das Volk schon wieder auf der Straße und an vielen Orten wittern die Islamisten Morgenluft. Sie bereiten sich vor, die Revolution der kleinen idealistischen Studentenbewegung mit westlichen Demokratieidealen, die das ganze gestartet hat, aus den Händen zu reißen. Die Nachricht an die Welt, dass etwas schief gegangen ist, erhalten wir von einer gestrigen Demonstration am Tahrir-Platz in Kairo.

(Von Rainer S.)

Ynetnews.com berichtet (Übersetzung):

Kairo Kundgebung: Eines Tages werden wir alle Juden töten

Etwa 5.000 Leute nahmen an der Kundgebung teil, um den „Kampf gegen die Judaisierung Jerusalems“ voranzutreiben. Die Demonstration fällt auf den Jahrestag des UN-Teilungsplans im Jahre 1947, der die Geburtstunde des Jüdischen Staates war.

Die meisten Gläubigen, die in der Freitagsmoschee beteten, verließen die Moschee schnell, bevor die Kundgebung der Muslimbruderschaft anfing. Ein Sprecher der Gruppe appellierte an die Gläubigen, am Protest teilzunehmen, um kein schlechtes Bild in den Medien abzugeben, wenn sie einfach weggingen.

Die Sprecher der Veranstaltung hielten leidenschaftliche, hasserfüllte Reden gegen Israel und geiferten gegen die „zionistischen Besatzer“ und die „verräterischen Juden“. Beim Verlassen der Kundgebung erhielten die Gläubigen kleine Fahnen, mit der ägyptischen Flagge auf der einen und mit der palistinänischen Flagge auf der anderen Seite, sowie Karten von Jerusalems Altstadt mit Details, wo „die Zionisten versuchen, Jerusalems muslimischen Charakter zu verändern“.

Der spirituelle Führer Dr. Ahmed al-Tayeb sagte in seiner Rede, dass bis zum heutigen Tag die Juden überall in der Welt versuchen, die islamische und ägyptische Einheit zu verhindern.

„Um Ägypten zu formen, müssen wir eins sein. Politik ist nicht ausreichend. Der Wille Allahs ist die Basis für alles. Die al-Aqsa-Moschee ist zurzeit unter jüdischen Beschuss… Wir dürfen es den Zionisten nicht erlauben, al-Quds (Jerusalem) zu judaisieren. Wir sagen Israel und Europa, dass wir es nicht erlauben, dass auch nur ein Stein dort verrückt werde.“

Die Sprecher der Muslimbruderschaft und der palestinänischen Gastredner ruften explizit zum Dschihad und zur Befreiung ganz Palästinas auf. Immer wieder wurde eine Stelle des Korans zitiert, dass „wir eines Tages die Juden töten werden“. Währenddessen wurden die Geschäftsleute in der Menschenmenge aufgefordet, Geld in Jerusalem zu investieren, um dem Erwerb von Land und Wohnungen von Juden zu verhindern.

Während der Veranstaltung sangen die Aktivisten der Muslimbruderschaft: „Tel Aviv, Tel Aviv, das Jüngste Gericht ist gekommen“.

Außerhalb der Moschee sagte uns der Grundschullehrer Ala al-Din, dass „alle Ägypter bereit sind, in den Heiligen Krieg zu ziehen, zum Wohle Palästinas“.

„Wieso verliert die USA in Afghanistan? Weil die andere Seite bereit ist, zu sterben. Wir haben eine andere Mentalität als die Amerikaner und die Juden“, sagt er.

Man musste schon sehr naiv sein, zu glauben, der Übergang von Diktatur und Demokratie wäre einfach. So einfach wie der Übergang von Mittelalter zur Neuzeit.