Rammstein: „Du bist hier in meinem Land !“

Diese Musikgruppe hat sich mittlerweile zum wichtigsten Deutsch-Export nach dem Goethe-Institut entwickelt: Das Phänomen Rammstein sorgt dafür, dass auf allen Kontinenten Fans in deutscher Sprache mitsingen. Nun haben die sechs Jungs aus dem Osten der Republik ein neues Video veröffentlicht, das unabhängig vom Musikgeschmack des Betrachters bemerkenswert ist. Mit der Refrainzeile „Du bist hier in meinem Land“ könnte auch das ausgedrückt sein, was immer mehr Menschen in Deutschland fühlen: Dies ist unser Land, und wer hierherkommt, hat sich harmonisch einzufügen und weitestgehend anzupassen. Hier gelten vor allem unsere Gesetze, und wir werden keinen Millimeter davon anderen kulturfremden rechtlichen Einflüssen wie beispielsweise der Scharia überlassen. Update: Jetzt mit Making Of-Video und Interpretations-Beschreibungen der Bandmitglieder

(Von Michael Stürzenberger)

Auch wenn das Musikvideo an einem kalifornischen Strand im Jahre 1964 spielt – die Botschaft wird rammsteintypisch ganz versteckt transportiert. Wer ganz genau hinsieht, erkennt bei 3:58 kurz die deutsche Fahne. Zwar falsch herum getragen, aber auch das entspricht der rammsteinschen Ironie:

Welt online hat diesem Video ebenfalls einen Artikel gewidmet. Erfreulicherweise fällt Autorin Christina Hoffmann nicht auf das Märchen herein, Rammstein sei rechtsradikal:

Gleichzeitig ist die Rockband seit Mitte der Neunzigerjahre ein musikalischer Exportschlager. Untergrund ist Rammstein jedenfalls schon lange nicht mehr, nationalsozialistisch schon gar nicht. Dennoch kann einem angesichts der aktuellen Nachrichten zum braunen Terrorsumpf schon merkwürdig zumute werden beim Video zur neuen Rammstein-Single, die „Mein Land“ heißt und das einzige neue Lied auf ihrer im Dezember erscheinenden Retrospektive „Made in Germany 1995-2011“ ist.

Die sechs Bandmitglieder von Rammstein stammen alle aus der ehemaligen DDR und haben sich in Interviews immer als unpolitisch oder wenn, dann eher linksorientiert bezeichnet. Sie provozieren gerne, daher auch das rollende „R“ des früheren Leistungsschwimmers und Teilnehmers der 1980-Olympiade in Moskau, Till Lindemann. Die Verwendung von Riefenstahl-Aufnahmen über ästhetische Sportszenen beim Musikvideo „Stripped“ diente ebenfalls dieser Provokation, auf die Journalisten jahrelang nur zu bereitwillig hereingefallen sind.

In ihrem einzigen Lied mit politischer Botschaft „Links 2 3 4“ führten Rammstein die permanenten Nazistempel, die man ihnen aufzudrücken versuchte, mit der Textzeile „Das Herz schlägt links“ ad absurdum. Aber ein gesunder Patriotismus kommt bei Rammstein durchaus zum Tragen. Bei der letzten Tournee „Liebe ist für alle da“ zierte zu Konzertbeginn eine riesige deutsche Fahne die Bühne, was bei den Fans ganz hervorragend ankam. Die wohl erfolgreichste deutsche Gruppe ist momentan erneut auf Konzert-Tour, die übrigens innerhalb weniger Stunden ausverkauft war.

Ich habe Rammstein gestern Abend in Friedrichshafen gesehen, und die Energie, die bei solchen Konzerten herüberkommt, ist enorm. In Verbindung mit der monumentalen Licht- und Feuershow ist der Sound einfach überwältigend. Heute Abend übrigens in München zu bestaunen.

Welt online befasst sich nun mit dem aktuellen Video, erkennt hierbei aber nur die vordergründige Botschaft, dass sich Rammstein vom US-amerikanischen Einfluss abgrenzen wolle:

Schauplatz der Videohandlung ist Southern California, 1964. Aus einem alten VW-Bus hüpfen noch ältere Männer und posieren in Damenbegleitung als Surfkönige und Bademeister zugleich. Mit, natürlich, halb so alten Frauen feiert die Band zu Brachialgitarren eine große Strandparty. Wackelnde Hintern, winkende Hände, Sonnenmilch, augenzwinkerndes Beach-Boys-Setting. Dazu schreit Sänger Till Lindemann mit rollendem R: „Du bist hier in meinem Land/ Meine Welle und mein Strand/ Mein Land.“ Und: „Wohin gehst du?! / Hier ist nichts mehr frei!/ Das ist mein Land.“ Der Text steht dann auch noch manchmal in „Meister Eder und sein Pumuckl“-Schrift da, zwischendurch wehen die Stars and Stripes. Wer weiß, vielleicht qualifizieren sich Rammstein damit ja nächstes Jahr für ein Bambi für „Integration“?

Rammstein beißen nicht, die wollen nur spielen, so sagt es die Band selbst. Die faschistoide Ästhetik hätten sie eben als Markenzeichen kultiviert. Und ihre Musik sei halt Musik. Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Dabei ist das neue Video, wie schon frühere Songs wie „Amerika“, ziemlich klar politisch lesbar als Kritik an der kulturellen Hegemonie der USA, an einer Kalifornisierung der Welt. Gegen das Leichte und Sonnige stellen Rammstein das Schwere, Harte und Düstere, eben das Deutsche.

Antiamerikanismus ist nicht spezifisch rechts, schon klar. Aber warum singen Rammstein am Ende von „Mein Land“ Worte wie „Vertrieben – Vergessen“? Damit sind wohl kaum die amerikanischen Ureinwohner gemeint. Es gibt in unserem Land eine Subkultur, die sich auf solche Texte ihren eigenen Reim macht.

Falls Rammstein hier auf das Schicksal von 15 Millionen deutschen Vertriebenen hinweisen, so spricht das keinesfalls nur eine „Subkultur“ an. Diese Massenvertreibung war ebenso ein Verbrechen wie die vorherigen der National-Sozialisten. Aber der linke Zeitgeist versucht diese realistische Betrachtungsweise als strammrechten Revisionismus zu brandmarken, wie auch der Spiegel-Artikel von Conny Neumann und Robert Andreasch „Bund förderte Seminare von Rechtsnationalen“ zu Veranstaltungen über die Vertreibung der Sudetendeutschen sowie die Benes-Dekrete in Bad Kissingen zeigt.

Ein gesunder, natürlicher und selbstbewusster Patriotismus sollte mittlerweile wieder selbstverständlich sein. Spätestens seit der Fußball-WM 2006 wird das fröhliche Bekenntnis zu Deutschland, seinen Werten und Symbolen immer deutlicher zu einer Massen-Einstellung. Bei Länderspielen sieht man auch immer mehr Fans, die sich beim Abspielen der Nationalhymne die Hand auf die Brust legen – warum auch nicht?

Update: Hier das Making-Of-Video zum neuen Rammsteinsong „Mein Land“. Ab 15:05 sprechen die Bandmitglieder über den „brisanten Text“, bei dem man zunächst „etwas Politisches, Länder und Fahnen“ assoziieren würde, wie Keyboarder Christian Lorenz meint. Gerade aber die Verbindung mit den Strandszenen mache das Thema interessanter und bringe es auf eine „neue Ebene“. Lorenz sehe bei der Textzeile „Wohin gehst Du“ einen ewigen Wanderer, ein „schönes Bild“. Rammstein seien sich auch bewusst, dass der Text ganz viele Interpretationen zulasse. „Wie das jetzt aufgenommen wird vom Volk, das können wir nicht absehen“, sagt Lorenz. Schlagzeuger Christoph Schneider berichtet, dass es wegen dieses Textes lange Diskussionen gegeben habe, ob man ihn falsch verstehen könne. Sänger Till Lindemann beschreibt einen jahrelangen Entwicklungsprozess, der der Textgestaltung zugrundegelegen habe. Gitarrist Richard Kruspe führt aus, dass die Idee an ihren Ursprung zurückgekehrt sei, denn Till sei vor Jahren an diesem Strand zum Surfen gewesen und habe Probleme mit den „lokalen Platzhirschen“ bekommen. Bassist Oliver Riedel findet, dass der Text durchaus zum Nachdenken anregen solle. Gitarrist Paul Landers hat die Assoziation mit einem passlosen Menschen, der nirgends willkommen ist. Es könnte auch ein „Alien“ sein, der auf der Erde gelandet sei. Landers ist sich bewusst, dass manche den Text auch auf Deutschland fokussieren könnten, da gerade Deutsche dazu neigten, alles auf ihr Land zu beziehen. Das könne aber jeder so verstehen, wie er wolle. Für manche Kritiker sei es schon zuviel, wenn Rammstein „Mein Land“ singe. Aber damit könne die Band leben, da sie schließlich „Ärger mögen“.

(Spürnase Making Of-Video: moppel)