Imam-Hochzeit: Schwangere Elfjährige wird 17

Kürzlich war man auch im europäischen Teil der Türkei schockiert, als bekannt wurde, daß eine Elfjährige im achten Monat schwanger war (wir haben berichtet). Da dies nun so gar nicht zum modernen Bild der AKP-Regierung paßt, beschloß die Familienministerin Sahin anhand von ein paar Fotos, daß dieses Mädchen nicht 11, sondern schon 17 ist! Und schon ist das Thema türkisch erledigt! Der Vorfall zeigt ein wichtiges und meist übersehenes Problem. 

Unsere Zeitungen und Politiker lügen sich sehr oft selbst und ihre Leser und Wähler an, indem irgendein Beschluß oder ein Gesetz mit der Realität verwechselt wird. Die griechische Regierung hat harte Sparmaßnahmen beschlossen, wir können ihnen wieder Geld geben, heißt es dann. Oder in der Türkei steht Religionsfreiheit im Gesetz, und das wird von Brüssel positiv gewertet, dem EU-Beitritt steht nichts mehr im Wege. Daß in der Realität die christlichen Klöster um Grund und Boden beschissen werden und kein Katholik jemals Fahrer des kleinsten Provinzgouverneurs werden könnte, liest man nicht.

Und das betrifft die ganze Welt. Die faule Journaille druckt ab, was irgendwelche Agenturen verbreiten, Eigenrecherchen sind zu teuer, zu aufwendig und sie interessieren anscheinend auch nicht. Hier schreibt der SPIEGEL kritisch über die Imam-Ehen in der Türkei. Gut so! Prima! Einverstanden, aber selbst bei diesem Artikel hat man den Eindruck, daß alles aus Artikeln anderer Zeitungen abgeschrieben ist. Und da der Spiegel-Korrespondent in Istanbul nicht Türkisch kann, stammt es wahrscheinlich aus dem englischen Teil der Hürriyet. Jedenfalls konnte man dort alles lesen. Selber recherchiert der SPIEGEL in Ostanatolien nichts, das ist ihm zu weit weg und mühselig!  Ganz schlimm sind in dieser Hinsicht die völlig nutzlosen Korrespondenten des GEZ-Fernsehens mit ihren Blahblah-Kommentaren.