Pressehyänen auf kopfloser Wulff-Jagd

Ja, Bundespräsident Wulff ist ein großer Trottel, sonst hätte er nicht auf einen Anrufbeantworter gesprochen, zugegeben, sein Charakter paßt nicht in ein Heiligen-Lexikon, aber das wochenlange Gezeter und Geschrei der Presse um Wulff nervt nur noch gewaltig! Er soll bloß nicht so dumm sein und zurücktreten. Er soll Bundespräsident bleiben! Was ist denn Wichtiges passiert, daß man drei Wochen ununterbrochen durch die ganze gleichgeschaltete Journaille (und auch bei PI) in einer wirren Kampagne seine Demontage und seinen Rücktritt betreibt? 

Er hat einen Privatkredit über 500.000 Euro bekommen. Ist das viel beim Gehalt eines Ministerpräsidenten? Nein. Hat er sein Amt ausgenützt, um der Millionärsgattin zu helfen? Nein. Dann kriegte er den Kredit über eine Bank zu billigen Konditionen. Hat er damit jemand geschadet? Nein. Und nun hat er noch, blöd, wie er ist, das Revolverblatt BILD angerufen und einen Artikel verhindern wollen. Ist er der erste Politiker? Nein! Die Zeitungen werden jeden Tag von den Politikos mit Vorzugsbehandlung bestochen oder je nachdem am Telefon beschimpft. Das weiß jeder Chefredakteur. Konnte Wulff die Bildzeitung einschüchtern? Nein? Was ist mit unserer Pressefreiheit? Mit was, bitte? Gibt es bei uns Pressefreiheit?

In Tat und Wahrheit sitzen doch unsere Politiker und die Presse symbiotisch in einem Boot. Man darf mit dem Minister zum Essen oder mit der Kanzlerin umsonst im Regierungsjet ins Ausland, kriegt Exklusiv-Informationen, führt Hintergrundgespräche, fühlt sich geehrt und gebauchpinselt, überreicht sich gegenseitig Preise und Ehrungen. Und dann kommt es immer mal wieder zu Streit, zu Trennungen, zu Beschimpfungen. Und dann? Soll das die Pressefreiheit sein? Ist es weltbewegend, ob Wulff gesagt hat, Diekmann, wenn Sie den Artikel über mich veröffentichen, bestelle ich das kostenlose BILD-Abo ab und lese die Vorderseite nie mehr? Hat die Presse eine höhere Moral als Wulff? Haben andere Politiker eine höhere Moral?

Unsere Mainstreampresse weiß doch gar nicht, was Pressefreiheit ist, sonst würde sie zur Politik Distanz halten, nicht nach Berlin  ziehen, sondern die Chefredaktion in den Bayrischen Wald oder auf die Schwäbische Alb verlegen, weit vom Schuß. Da wo man die 99,9% Müll, welche von der Politik abgesondert werden, ruhig trennen und entsorgen und sich unabhängig und distanziert um das Wichtige kümmern könnte. Der Euro ist zum Beispiel nicht gerettet, wie man in Berlin zu meinen scheint!

Stattdessen machen alle Medienfuzzis gleichgeschaltet dasselbe – tagelang Agentur-Meldungen kopieren und politkorrekt kommentieren. Da wird es einem langweilig. Also soll mal wieder einer zurücktreten, damit man sich groß vorkommt und die eigene Macht genießen kann. Ist das demokratisch? Ist die Mehrheit für den Rücktritt Wulffs mit 200.000 Euro Jahrespension, Dienstauto und Sekretärin lebenslang? Die Presse und das Internet verwechseln immer öfter, wer die Mehrheit ist, Schreier bei Facebook, 900.000 Spiegel-Leser oder 51% des Volkes, also runde 41 Millionen Bürger.

Bei PI hat Wulff vor allem deshalb schlechte Karten, weil er gesagt hat, der Islam sei ein Teil Deutschlands. Fragt sich nur, welcher Politiker das nicht sagt. Wer ist der nächste Präsident, wenn sich Jauch nicht zur Wahl stellt? Sabine Leutheusser-Schnarrenberger? Klaus Wowereit? Renate Künast? Sahra Wagenknecht? Aydan Özoguz? Mullah Omar?

Nicht nur die im Hinterhalt lauernde Wetterfahne Merkel, auch andere Politker sind sehr ruhig. Jeder hat Dreck am Stecken, und keiner will diese investigative Durchdringung des Privatlebens, vielleicht will sogar gar keiner Präsident werden. Ein Rücktritt Wulffs brächte die Regierung aber nicht ins Wanken, sie wird weiterwursteln bis 2013. Man hat sogar den Eindruck, der Opposition ist es recht, wenn Schwarzgelb noch das ganze Euroschlamassel auslöffeln muß. Und Wulff? Grundgesetz Artikel 61:

(1) Der Bundestag oder der Bundesrat können den Bundespräsidenten wegen vorsätzlicher Verletzung des Grundgesetzes oder eines anderen Bundesgesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht anklagen. Der Antrag auf Erhebung der Anklage muß von mindestens einem Viertel der Mitglieder des Bundestages oder einem Viertel der Stimmen des Bundesrates gestellt werden. Der Beschluß auf Erhebung der Anklage bedarf der Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestages oder von zwei Dritteln der Stimmen des Bundesrates. Die Anklage wird von einem Beauftragten der anklagenden Körperschaft vertreten.

(2) Stellt das Bundesverfassungsgericht fest, daß der Bundespräsident einer vorsätzlichen Verletzung des Grundgesetzes oder eines anderen Bundesgesetzes schuldig ist, so kann es ihn des Amtes für verlustig erklären. Durch einstweilige Anordnung kann es nach der Erhebung der Anklage bestimmen, daß er an der Ausübung seines Amtes verhindert ist.

Viel Spaß! Wulff wird bleiben!