Spiegel – das Imperium schlägt zurück

Das kam so sicher wie das Amen in der Kirche. Matthias Matussek hat bei solch einem positiven Artikel über Sabatina James – über den PI hier berichtete – nicht nur Freunde in der Spiegel-Redaktion. Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, ist sich im klaren darüber, dass er massiv von der überwiegenden Mehrheit deswegen angefeindet wird und sich nur durchsetzen konnte, weil er eine überragende Stellung in der Spiegelhierarchie hat. Im neuen Spiegel schlug jetzt das Imperium mit voller Härte zurück.

(Gastbeitrag von GrundGesetzWatch)

Leserbrief ist das Zauberwort zum kräftig nachkarten. Das hat es auch wirklich in sich, im aktuellen Spiegel ab Seite 9. Ein verirrter Leserbrief über Open Doors hat sich ganz eingeschlichen, dagegen zerlegen fünf Leserbriefe Matussek stets nach dem gleichem Muster: Einen positiven Wert an den Anfang setzen, um dann Sabatina James mit abstrusen Begründungen zu zerreißen. Dass Sabatina James christlich ist, das ist allen ein Dorn im Auge. Dass sie ihre Kritik an Zwangsheirat und Islam vor allem in ihren Vorträgen mit islamwissenschaftlichen Argumenten begründet, hat weder Matussek in seinem Artikel ausreichend dargelegt, noch sind die Leserbriefschreiber darauf eingegangen.

Interessant ist für mich vor allem die Leserbriefschreiberin Sadia Hübsch aus Frankfurt am Main. Kurzes googeln hilft und der Verdacht hat sich bestätigt. In Frankfurt ist die Deutschlandzentrale von Ahmadiyya und sie ist dabei. Auf der Homepage von Ahmadiyya wird die Vielehe gerechtfertigt und die Zwangsheirat schöngeredet. Das liest sich dann so:

Indes werden Ehen im Islam nicht durch Zufall oder Augenschein geschlossen, sondern die Eltern halten gemeinsam mit ihren heiratsfähigen Kindern nach geeigneten Partnern Ausschau. Die Zustimmung der Braut und des Bräutigams muss vor der Eheschließung eingeholt werden (Hadith Musnad). […] Meint man schließlich, ein geeignetes Paar gefunden zu haben, werden Treffen zwischen den Familien arrangiert.

Wie dies weitergeht, ist hinreichend bekannt. Bei Ablehnung erhält sie eine Liste von potenziellen Heiratskandidaten, wenn die auch abgelehnt werden, beginnt die Repression. Die Liste über den Steinzeitislam mit dem Kalifen der Ahmadiyya ließe sich noch beliebig fortsetzen.

Jetzt aber endlich die Leserbriefe im neuen Spiegel Nr. 51/2011, „Eine pakistanische Konvertitin kämpft gegen Christenverfolgung“, ab Seite 9:

Als Trittbrett benutzt

Der katholische Missionar Matussek verwechselt mal wieder das Thema: Es geht weder um Christenhass noch um Christenverfolgung, sondern um die Verfolgung von Apostaten. Dass die Menschen sich in Europa inzwischen so weit gegen die katholische Kirche durchgesetzt haben, dass Apostaten nur noch exkommuniziert und sonst nicht mehr weiter verfolgt werden, ist nicht das Verdienst der katholischen Kirche, die sich auch deshalb so lange gegen die Anerkennung der Menschenrechte gesträubt hat, weil die das Recht auf Apostasie beinhalten.
Frank Wohlgemuth, Tornesch (Schl.-Holst.)

Schön, dass sie mahnend an die Christenverfolgung in vielen sogenannten islamischen Ländern erinnern. Schade, dass Sie hierfür Sabatina James als Trittbrett nutzen. Diese Frau und ihre Glaubwürdigkeit sind umstritten. Nicht weil sie schön ist, wie Matussek leichtsinnig behauptet, wird sie oft kritisiert, sondern weil sie jedweden konstruktiven Annäherungsversuch seitens muslimischer Mitbürger vor allem engagierter und emanzipierter Musliminnen, uninteressiert ablehnt. Ja, Zwangsheirat ist Realität, aber ebenso sind glückliche muslimische Paare, aufgeklärte Väter und liebenswerte Brüder in muslimischen Kreisen Realität. Und zwar die Realität, die die Mehrheit der Muslime erlebt.
Sadia Hübsch, Frankfurt am Main

So sehr es mich immer rührt, wenn Angehörige einer Religion für andere eine Lanze brechen und sogar für sie kämpfen – wie zum Beispiel der den Kairoer Massenprotesten, als Christen betende Muslime schützten und umgekehrt-, so abstoßend finde ich Hetzartikel von Gläubigen über andere Gläubige.
Anja Hilscher, Kirchdorf (Nieders.)

Ich verurteile nicht, dass Frau James sich aus freiem Willen entschieden hat, ihren Glauben zu wechseln, vielmehr verurteile ich jene Menschen, die sie zwingen wollten, im Islam zu bleiben. Doch mit Enttäuschung und Bedauern muss ich feststellen, dass Sabatina James durch ihre gegenstandslose Behauptung, der Islam sei „religiöser Faschismus“, die Unterscheidung zwischen Glaubensinhalten des Islam und Fehlverhalten von Menschen unter den Tisch fallen lässt.
Tayyeb Ahmad, Frankfurt am Main

Matussek zeigt nur die Spitze des Eisberges auf. Bei Organisationen wie Open Doors kann man sich jederzeit über die Christenverfolgung weltweit in allen Schattierungen informieren. Wie schade, dass sich zum Beispiel die EKD eher bedeckt hält. Haben wir tatsächlich die Ausrede: Wir haben nichts gewusst?
Edelgard Sassnink, Neubiberg (Bayern)

Fanatiker gibt es in allen religiösen Clubs. Und manchmal ist der Eifer auch aus der persönlichen Geschichte heraus verständlich, wie bei Sabatina. Allein, sie scheint mir eher wie ein Pendelschlag zu reagieren, aus einem strikten Lehrsystem in das andere. Religion ist wie andere Drogen: in geringeren Dosen vielleicht heilsam, bei hohem Missbrauch giftig und abhängig machend.
Maik Harms, Hamburg

Gegen Zwangsheirat, gegen die Sabatina James mit ihrer Organisation kämpft, hilft demnach nur noch das Rezept von Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney. Im Gepäck einen Stapel von Erdogans Broschüren zur Gleichberechtigung – „Wir brauchen Bündnispartner und Knowhow“ so Öney – und Zwangsheirat gehört bei uns der Vergangenheit an, denn Erdogan wird laut Öney bei uns missverstanden.