Folter und Vertreibung in Libyen

Der Einsatz des Westens in Libyen hat sich gelohnt. Die Scharia wurde vollumfänglich offiziell als einzig gültiges Recht eingeführt. Libyen ist endlich befreit von seinem Diktator, der gerne Regierungskritiker einsperren und foltern ließ. Daher ist nur gerecht und fair, wenn die Libyer  ihrerseits jetzt auch foltern dürfen.

So wurde vorige Woche ein libyscher Diplomat von „Freiheitskämpfern“ zu Tode gefoltert. Die Leiche weist auf schwerste Misshandlungen hin, unter anderem auf gebrochene Rippen, Schnittwunden und ausgerissene Zehennägel. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ kam ursprünglich, um Kriegsverletzte zu versorgen. Jetzt hat Libyens neue Führung offenbar eine neue Aufgabe für die westlichen Helfer gefunden. So berichtet Christopher Stokes, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Belgien:

»Einige Behördenvertreter haben versucht, die medizinische Arbeit von Ärzte ohne Grenzen zu instrumentalisieren oder zu behindern. Patienten wurden während der Verhöre zur Behandlung zu uns gebracht, um sie wieder fit zu machen für die Fortsetzung der Befragung. Das ist vollkommen inakzeptabel. Wir sind in Misrata, um Kriegsverletzte und kranke Gefangene medizinisch zu versorgen – aber sicher nicht, um wiederholt dieselben Patienten zwischen Verhörsitzungen zu behandeln.«

Ärzte ohne Grenzen schickte dem Militärrat von Misrata einen offiziellen Brief, indem die sofortige Beendigung jeglicher Misshandlung von Gefangenen gefordert wurde. Diesem folgten jedoch „keinerlei Maßnahmen„, so Stokes.

„Stattdessen hat unser Team vier neue Fälle von Folter beobachtet. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, unsere medizinische Hilfe in den Gefängnissen einzustellen.“

Ebenso wenig Anklang in den europäischen Medien finden die ethnischen Säuberungen an der dunkelhäutigen Bevölkerung in mehreren libyschen Städten. Dort werden sie von den Friedensaktivisten zusammengetrieben, und entweder erschossen oder lebendig verbrannt. Was der Mann auf dem Bild mit der Machete vor hat, will man sich lieber nicht vorstellen. Die Stadt Tawergha wurde ebenfalls von den Rebellen „befreit“. Die dunkelhäutigen Libyer in Tawergha, die nicht fliehen konnten, wurden verhaftet oder verschleppt. Ihre Häuser wurden mit den Worten „Sklave“ und „Neger“ beschriftet, und anschließend niedergebrannt.