Gauck-Nominierung: Merkel tobte

War außer sich: Bundeskanzlerin Angela MerkelEigentlich kennt man sie als beherrschten Machtmensch. Doch als die FDP sich trotz ihrer Ablehnung öffentlich für Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten aussprach, war Bundeskanzlerin Angela Merkel außer sich. Merkel hatte vorgehabt, mit dem ehemaligen CDU-Umweltminister Klaus Töpfer einen willfährigen linken Kompagnon in Schloss Bellevue zu installieren.

GMX.de berichtet:

Die Bundeskanzlerin ist im Ausnahmezustand. Getobt, geschrien habe Angela  Merkel an diesem denkwürdigen Sonntagnachmittag im Kanzleramt. In einem  Vier-Augen-Gespräch mit Vizekanzler Philipp Rösler. So vehement, dass es viele  mitbekamen. Sogar die Koalitionsfrage stellt sie zum Erschrecken von  Unionsmitgliedern – und droht, die FDP-Minister auch rausschmeißen zu können.  „Wollt Ihr das?“, brüllte sie den Chef des kleinen Koalitionspartners FDP  an.

Der Reihe nach: Merkel versichert sich in einer Pause der Verhandlungen über  einen überparteilichen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt per  Telefonschalte, ob ihre CDU-Präsidiumsmitglieder wie sie selbst gegen den  DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck sind. Begonnen habe sie das Gespräch mit der  Festlegung, der Favorit von SPD und Grünen komme für sie nicht in Frage, Gauck  sei ein Mann der Vergangenheit und für das Amt nicht breit genug aufgestellt,  heißt es am Montag in CDU-Kreisen.

„Sieht das jemand in der Runde anders?“, will sie wissen. Niemand  widerspricht. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister habe noch  gefragt, ob die FDP denn eigene Kandidaten-Vorschläge gemacht habe. Ja – aber  der Name Gauck fällt hier noch nicht. Favorit der CDU sei der frühere  CDU-Umweltminister Klaus Töpfer, stellt Merkel klar. Einige Präsidiumsmitglieder  haben Bauchschmerzen, trauen sich aber nicht, der Chefin das zu sagen.

Rösler allerdings machte der Kanzlerin seit dem Rücktritt von Christian Wulff  am Freitag mehrfach klar, dass die FDP Töpfer nicht mittragen werde, weil das  ein Signal für Schwarz-Grün sei. Merkel ignoriert das. Und sie verkalkuliert  sich. Kurz nach der CDU-Schalte schlägt die Nachricht der FDP-Unterstützung für  Gauck in Merkels Handy ein. Die Kanzlerin ist fassungslos. Weggefährten sahen  die 57-Jährige nach eigenem Bekunden selten in einem solchen Zustand.

Inzwischen hat sich auch Erfolgsbuchautor Thilo Sarrazin über die Aussicht, dass Joachim Gauck neuer Bundespräsident werden dürfte, erfreut gezeigt.