Henryk M. Broder: Vergesst Auschwitz!

Henryk M. Broder hat ein neues Buch geschrieben (Abb.), das in einer Woche erscheinen soll: Vergesst Auschwitz!: Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage. Broder geht es schon länger immer wieder um das heuchlerische Gedenken an den Holocaust, wobei man daran absolut nichts mehr ändern kann, während Israel gleichzeitig in allerhöchster Gefahr schwebt und sich da in Deutschland und der EU kein Finger rührt, obwohl man in dieser Angelegenheit sehr viel helfen könnte.

Die WamS brachte einen längeren Ausschnitt aus dem neuen Buch. Klingt gut:

Es scheint ein Teil des deutschen Generationenvertrages zu sein, dass die Kinder und Enkel das nachzuholen versuchen, was die Eltern und Großeltern versäumt haben. Das kann natürlich nicht funktionieren, schon gar nicht in einem System, das auf Deeskalation und Dialog setzt und Polizisten als „Anti-Konflikt-Berater“ in die Straßenschlachten mit der Autonomen Antifa schickt, die man schon rein äußerlich nicht von den Schlägertrupps der Neonazis unterscheiden kann.

Dennoch: Die Freude, einen Castortransport ein paar Stunden aufgehalten zu haben, bringt die Aktivisten gefühlt in die Nähe der Geschwister Scholl. Wer im Bioladen einkauft, fair gehandelten Kaffee trinkt, kalt duscht und seinen Müll trennt, der führt schon „ein widerständiges Leben“.

In diesem Kontext der paradoxen Befindlichkeiten bietet der „Widerstand“ gegen die „israelischen Faschisten“ und „zionistischen Mörderbanden“ eine zusätzliche Gratifikation. Man entsorgt nicht nur die eigene Geschichte vor der Tür der Opfer, man tritt auch zum Schulterschluss mit der Mehrheit der Volksgemeinschaft an. Die Ansicht, dass die Israelis den Palästinensern das antun, was die Nazis den Juden angetan haben, ist in Deutschland inzwischen so weit verbreitet und so akzeptiert, dass „Gaza“ und „Warschauer Getto“ zu Synonymen geworden sind. Soll damit die Lage der Palästinenser dramatisiert oder das Warschauer Getto verharmlost werden? Beides geht, und das ist das Perfide daran.

Erscheinungstermin: 11. März 2012!