Münster: Antifaschismus zum Nulltarif

Seit Donnerstag hängen sie in den Bögen des Münsteraner Prinzipalmarktes. Großformatige Plakate mit Fotos der zehn vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ ermordeten Menschen, neun Einwanderer und eine Polizistin. Eine außergewöhnliche Maßnahme angesichts einer außergewöhnlichen Terrorserie, könnte man meinen. Eigentlich unproblematisch, zumal die Ausstellung nur eine Woche dauern soll.

(Gastbeitrag von Gartenzwerg, PI-Münster)

Eigentlich. Denn statt ideologiefreier Trauer nutzt der verantwortliche Künstler Thomas Alexander Nufer die Installation durch Infotafeln für Agitprop in Reinform. Thilo Sarrazin unterstellt er auf diesen „rassistische Stereotypen“, rechtsextreme Gewalt wird bei ihm zu „rechter Gewalt“.

Während in Münsters Innenstadt zur Trauer gemahnt wird, herrscht im Stadtviertel Rumphorst am Freitagabend rege Betriebsamkeit. An der Einmündung zu „Im Hagenfeld“, einem sich in die Länge ziehenden Straßenzug, stehen ein paar Journalisten und Polizisten, grelles Kameralicht leuchtet. Ein Stück weiter mühen sich vier Gestalten damit ab, ein Transparent über die Straße zu spannen. „Alaaf und Helau, ihr Narren“ steht drauf. Strammer und höher müsse es, befindet eine männliche Stimme in der Dunkelheit.

Nicht weit entfernt werden mit Kindern Plakate gebastelt, Volksfeststimmung liegt in der Luft. Der dunkle Asphalt ist mit Parolen bekritzelt, „bunt“ ist darauf immer wieder zu lesen. Spätestens an dieser Stelle merkt der aufmerksame Zeitungsleser: „Naziaufmarsch“ heißt das hier aufgeführte Stück. Am Samstag soll es losgehen.

Am Samstag stehe ich früh auf, will ein paar der auf den Boden gesprühten Losungen (u. a. „ACAB“ = „All Cops Are Bastards“ und „Nazis auf’s Maul“) für PI fotografieren. Um 8.30 Uhr wird schließlich noch nicht alles abgesperrt sein. Pustekuchen! Überall Straßensperren. Ich will es trotzdem versuchen, frage, ob ich für ein paar Fotos durch dürfe. Für wen ich die denn machen wolle, fragt der Polizist hinter der Absperrung. „Fürs Internet“, antworte ich. „Fürs Internet“ wiederholt er süffisant. „Haben Sie einen Presseausweis?“ Mist!

Auch eine Schülergruppe, von denen sich an diesem kühlen Morgen überraschend viele durch die Straßen schlängeln, kommt nicht weiter. Wohin sie denn wollen, fragt derselbe Polizist. Zur Demo am Bahnhof, entgegnet einer aus dem Tross. Dann solle man doch dahin gehen, erwidert ihr Gegenüber. Wieder dieser süffisante Tonfall. Ich muss grinsen. Die Gruppe zieht ab, streitet sich, was man stattdessen besser hätte sagen sollen. Ein langhaariger Mann auf einem Fahrrad hat mehr Glück. Zum Bäcker wolle er nur, beteuert der Radfahrer. Er bekommt einen Beamten als Begleitung und darf passieren.

Keine Fotos möglich? Zeit wieder nach Hause zu fahren. Es gibt schließlich durchaus sinnvollere Dinge, als umgeben von extremistischen „Antifa“-Anhängern und selbstgefälligen Gutmenschen seine Zeit zu vergeuden. Also mache ich mich auf den Rückweg zu meinem Fahrrad. Inzwischen hat die Polizei aber auch den kleinen Weg, den ich gekommen bin, dicht gemacht. „Wir haben Order, hier niemanden durchzulassen“, meint der Beamte. Noch mal Mist! Nachdem ich eine Weile durch mir unbekannte Straßen geirrt bin, finde ich mein Rad doch irgendwie und schaffe es noch rechzeitig zu fliehen, bevor Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) sich über das Engagement gegen „rechts“ freut und ein Loblied auf den Multikulturalismus singt.

Schließlich dringt eine mächtige Armada von 311 Neonationalsozialisten nach Münster ein. Die Gegendemonstranten toben. Während Stauffenberg seinen Kampf gegen die nationalsozialistischen Volksverräter und für ein besseres Deutschland noch mit dem Leben bezahlte, genügt es heute, aus einer Menge von mehreren Tausend Leuten einer polizeilich abgeschirmten Minderheit den Mittelfinger zu zeigen, um als Widerstandskämpfer zu gelten. Vier verletzte Polizeibeamte, zwei Durchbruchsversuche, Stein- und Flaschenwürfe – das ist, was die Medien aktuell als „weitgehend friedlich“ bezeichnen. Mehr Sorgen macht man sich da schon um einen linksextremen Flaschenwerfer, der bei seiner Festnahme erheblichen Widerstand leistete und infolgedessen verletzt wurde.

Zu erwähnen sind auch die Bundestagsabgeordneten der SED-Linken, die, gehüllt in gelbe Signalwesten, im Sperrgebiet wie aufgescheuchte Hühner umherliefen. „Parlamentarische Beobachter“ nennen Sie sich. Ein Euphemismus. In Wirklichkeit sind sie „Parlamentarische Agitatoren“, versuchen Polizeibeamte mit ihrem Abgeordnetenstatus einzuschüchtern und so beispielsweise die Räumung von Sitzblockaden zu verhindern. In einem Fall möglicherweise mit Erfolg: Eine kleinere Sitzblockade mitten auf der Strecke wurde nicht geräumt, sondern umgangen. In einem anderen Fall eher nicht: Die linksextreme Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers wurde wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt vorübergehend festgekommen, kam nach zwei Stunden jedoch wieder frei.

Polizeisprecher Alfons Probst erklärt hierzu: „Sobald klar war, um wen es sich bei der Frau handelte, wurde sie freigelassen. Sie hatte sich als parlamentarische Beobachterin bei uns nicht angemeldet und konnte sich nicht ausweisen.“

Hier noch zwei Videos zum Thema: