Rettet die Dorf- und Eckkneipen!

Es gibt Leute, die nennen so etwas einfach nur „Strukturwandel“: Wie die Medien aktuell berichten ist die Zahl der klassischen Schankwirtschaften in Deutschland innerhalb der letzten zehn Jahre um 25% auf noch etwa 36.000 zurück gegangen. Das Problem betrifft dabei keineswegs nur die durch den demographischen Niedergang Deutschlands als erstes schrumpfenden Dörfer. Vielmehr ist der Niedergang der Kneipenkultur sogar im sonst prosperierenden Stadtstaat Hamburg mit 48% am größten gewesen.

(Von Thorsten M.)

Etwas aus der Reihe tanzen nur Baden-Württemberg mit einer leicht steigenden Zahl von Schankwirtschaften, sowie die Zentrale der Hartz IV-Republik, Berlin, wo die Zahl der Kneipen sogar um 96% zunahm.

Wie die WELT weiter berichtet:

„Mit dem Wirtshaus verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialen und kulturellen Stellenwert aus den Gemeinden“, sagt Florian Kohnle vom Lehrstuhl für Kulturgeografie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der zurzeit eine Studie zum Thema erarbeitet. In rund 500 von 2200 bayerischen Gemeinden gebe es mittlerweile überhaupt keine Gaststätte mehr.

„Bevölkerungsrückgang auf dem Land, Mobilitätszuwachs, Veränderungen von Arbeitswelt und Freizeitverhalten….“, zählt Kohnle die üblichen Ursachen auf, die auch schon zum Aussterben der Dorfläden geführt haben.

Sicher geht nicht sämtliche Geselligkeit verloren, die in diesen Lokalen zu erleben war. Wie der Bericht weiter feststellt, wurde ein nicht unbedeutender Teil des dortigen Getränkeausschanks auch in Vereinsheime verlagert. Gleichwohl ändert dies nichts am generellen Trend, dass die Deutschen sich immer mehr zu Hause einigeln. Längst haben nämlich auch viele Vereinsheime ihre Öffnungszeiten reduziert und es ist bei Deutschlands Schützen- und Sportvereinen lange nicht mehr so viel los wie früher.

Klar ist: Dieser Trend hat neben dem jährlichen Rückgang der einheimischen Bevölkerung um etwa 400.000 viel damit zu tun, dass bei der nachwachsenden Generation junger Erwachsener – wie hier auf PI – der Trend zum „virtuellen Stammtisch“ geht. Privatfernsehen, Computerspiele und das Internet insgesamt tun ihr übriges. Manch einer wird auch noch das weit verbreitete Rauchverbot in Deutschlands Gaststätten mit verantwortlich machen. In der Praxis dürfte dieses aber allenfalls einen marginalen Beitrag zum Kneipensterben leisten.

Was geht unserem Land und seinen Menschen dadurch aber verloren? Nun, zunächst einmal der über das Berufsleben hinausgehende breite Kontakt mit anderen Bevölkerungsschichten. Nichts und niemand kann die Funktion der Kneipe als „Dorfgemeinschaftshaus“ ersetzen. Wie nämlich auch aus dem WELT-Bericht abzulesen ist, finden viele Leute nicht den Weg über die Schwelle eines Vereinsheims. Dadurch reduziert sich vor allem aber auch der Blickwinkel der Bürger, die immer mehr im „im eigenen Sud schmoren“, d.h. nur noch die Inzuchtperspektive ihrer Berufs- oder Studienkollegen einnehmen können, ergänzt um die vorgekauten Meinungen aus dem Staatsfernsehen. Außerdem fehlen so vielen (gerade Akademikern) nun die „guten Bekanntschaften“, die früher nicht wenige Gartenhäuschen in Eigenarbeit haben entstehen lassen. Auch „sonstige Projekte“ die „unter Freunden“ noch realisierbar sind, aber im Handwerkerstundensatz unbezahlbar werden, bleiben so nicht selten ein Traum. (Dabei geht es hier natürlich nicht um „Schwarzarbeit“, sondern um „eine Hand wäscht die andere“, also Nachbarschaftshilfe.)

Hinzu kommt: Da politischer Wandel nur noch von unten kommen kann, stärkt jeder, der kaum noch jemanden an seinem Wohnort kennt, die etablierten Machtbesitzer. Gewählt werden nämlich – gerade auch mit dem bösen Makel des „Rechtspopulismus“ – nur Leute, die man kennt.

Darüber hinaus muss allen Nerds, von denen nicht wenige auch diese Webseite besuchen, klar sein: Echte Freundeskreise mit dem entsprechenden Vertrauen, das auch nur über Jahre im persönlichen Kontakt wachsen kann, entstehen nur im wirklichen Leben.

Darum tun Sie etwas für sich und unsere Kultur, gehen Sie in Ihrem Ort unter die Leute. Und am besten gründen Sie dabei gleich noch einen PI-Stammtisch!