„Jeder Türke, der jetzt für diesen Juden anruft..“

Wie wir alle wissen, war gestern der Eurovision Song-Contest. Eigentlich bin ich eher abgeneigt, mir die Schmach dieser durch politische Meinungen beeinflusste Show anzusehen, da hier weniger die Leistung der Künstler, als vielmehr die Herkunft bewertet wird. Gerade im Balkan-Gebiet scheinen unsere Musiker die letzten Jahre weniger beliebt gewesen zu sein. Da ich nun gestern doch ein wenig neugierig war, habe ich mir einige Auftritte angesehen. Darunter auch den des 25-jährigen Can Bonomo, einem jüdischen Türken (hier das Video seines Songs „Love me back“).

(Von Marcel S.)

Es ist bekannt, dass die Türkei seit einigen Jahren ein Interesse daran hat, in eine gewisse Gemeinschaft einzutreten und keine Show auslässt, um eine verquirlte Selbstdarstellung als modernen europäischen Staat darzubieten. Schon im eigenen Land hat der Glaube des jungen Mannes für Diskussionen gesorgt. Die Ultrakonservativen haben sich in der Türkei die Frage gestellt, ob ein Jude das muslimische Land international vertreten könne. Die Mehrheit der Türkei war anscheinend dennoch dafür.

Während dies ein Schritt nach vorne zu sein scheint, herrscht in den Köpfen der hier lebenden Türken immer noch dunkelstes Mittelalter: Als es an die Wahl für den „besten Act“ ging, war ich bei Facebook online gegangen und musste mit Erschrecken einen Beitrag lesen, der von einem hier lebenden Türken verfasst wurde. Es hieß: „Jeder Türke, der jetzt für diesen Juden anruft, zeigt nur, dass er ein ehrenloser Bastard is!“

Ist dies nun als Meinungsfreiheit zu werten? Sicherlich nicht. Es wird öffentlich gegen einen Künstler gehetzt, der mit gutem Beispiel voran geht.

Auch die ewigen Ausreden unserer Politiker, dass diese stumpfsinnigen Äußerungen und Meinungen nur mit dem häufig sehr niedrigem Bildungsstand zusammenhängen und wir diesen Menschen daher noch mehr Bildung finanzieren müssen, damit es sich ändert, werden widerlegt. Ein Blick auf das Profil des „Ali G…..y“ zeigt: Abitur auf dem Helmholtz-Gymnasium im Dortmunder Norden (!) und nun Studium an der TU Dortmund. Ich denke, das spricht alles mehr als nur für sich selbst.

Hier der Beitrag inklusive Kommentare als Sreenshot: