Sarah Kuttner und die Negerpuppe

Sie ist eine bekannte Moderatorin, Erfolgsbuchautorin, dreht derzeit an einer Sendereihe für den SWR. Eigentlich könnte Sarah Kuttner zufrieden sein – wäre da nicht jene verhängnisvolle Buchlesung letzte Woche in Hamburg gewesen.

Kuttner erzählt dem Publikum, wie es dazu kam, dass im Text eine „Negerpuppe“ vorkommt. Eine solche habe sie selbst einmal von ihren Eltern bekommen, finde diese und ihre übertriebenen dick dargestellten Lippen heute jedoch unmöglich. Ein äthiopischstämmiger Schwarzer fühlt sich durch diese antirassistisch intendierten Angriffe auf das Spielzeug jedoch herabgesetzt und ruft umgehend die Polizei.

Es folgt eine Anzeige wegen Beleidigung. Die „Hamburger Morgenpost“ macht mit dem vermeintlichen Skandal auf, die „Welt“ setzt ihre Leser darüber in Kenntnis, dass die Autorin von einer Negerpuppe „gefaselt“ habe. Und auf einmal ist die dem linken Spektrum zuzuordnende Kuttner in den Strudel der politischen Korrektheit geraten – welchen sie eigentlich verteidigen wollte.

Der „Spiegel“ berichtet:

Im Uebel & Gefährlich liest Kuttner nicht nur vor, sie redet auch über die Stelle, gibt sie als autobiografisches Mosaik des Romans zu erkennen. „Ich habe, wie in der Passage im Buch beschrieben, erzählt, dass die Lippen der Puppe furchtbar und unnatürlich riesig gewesen seien, mit dem ganz klaren und für alle Anwesenden eindeutigen Verweis darauf, wie unrealistisch und rassistisch diese Puppe sei. Ich sagte, dass so eine Puppe heutzutage zu Recht gar nicht mehr hergestellt werden würde“, sagt Kuttner.

Unter den rund 250 Besuchern am Abend ist der 37-jährige Hamburger Benjamin B., der äthiopische Wurzeln hat. „Sie zog über diese ‚Negerpuppe‘ her, ließ sich über deren 30 Zentimeter große ‚Schlauchbootlippen‘ aus und wiederholte, wie ekelhaft sie diese Lippen fand. Sie habe die Puppe wegschmeißen müssen, weil es kein Sinn gehabt habe, sie zu behalten“, ließ sich B. von der „Hamburger Morgenpost“ am Montag nach der Lesung zitieren. Er fühle sich in seiner Ehre beleidigt. „Das war einfach nur rassistisch.“ Für eine Stellungnahme war B. nicht zu erreichen.

Doch damit nicht genug: Kuttners schwarzer Ex-Kollege Mola Adebisi, den mit der Moderatorin offenbar eine gepflegte Feindschaft verbindet, nutzte die günstige Gelegenheit um über die „Hamburger Morgenpost“ alte Rechnungen zu begleichen:

„Sarah ist Rassistin, das habe ich selbst zu spüren bekommen. Sie hat häufiger rassistische Witze bei ,Viva‘ gemacht und ist damit durchgekommen. Sie hat auch über mich hergezogen. (…) Ich würde mich freuen, wenn Sie mal Juden-Witze machen würde, dann wäre ihre Karriere nämlich beendet! Aber Türken und Afro-Deutsche leisten nicht den Widerstand. Juden lassen sich keine Beleidigung gefallen.“

Die „Mopo“ weiter:

Tahir Della (50), Vorstandsmitglied der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ (ISD) erklärt: „In Deutschland hat der Begriff ,Neger‘ einen rassistischen Hintergrund und wurde nie wertneutral verwendet. Schwarze Menschen fühlen sich bei dieser Bezeichnung verletzt.“ Ist Sarah Kuttner nun rassistisch? „Ja, denn wer rassistisch handelt, ist Rassist.“

Interessant ist nun, wen die Qualitätspresse ihren Lesern hier als Rassismusexperten auftischen will. Ein Blick auf die Netzpräsenz der Initiative bringt folgende Selbstbeschreibung zum Vorschein:

Ein schwarzer Rassist, welcher für „ein schwarzes Bewusstsein“ und „die Vernetzung schwarzer Menschen“ eintritt, darf also beurteilen, wer in Deutschland Rassist ist. Willkommen in Absurdistan…