In Mali entsteht ein neuer islamischer Schariastaat. Einige Blätter berichten. Von der Rolle der Europäer und der USA im Krieg gegen Gaddafi ist aber wenig die Rede. Nach dem Sturz Gaddafis flohen viele seiner Söldner mitsamt ihren schweren Waffen nach Süden in die Heimat Richtung Timbuktu, um dort die Macht zu ergreifen. Der Scharia-Staat Mali ist eine direkte Folge des westlichen Krieges gegen Libyen, wo derzeit immer noch Chaos und bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.

Der Westen lernt nichts daraus. Wenn das Regime in Syrien gegen die im Westen beliebten „Rebellen“ zurückschießt und es sterben hundert Leute, ist die geschürte Empörung groß und man überlegt sich sofort wieder eine Intervention. Sterben eigentlich bei westlichen Bomben- und Raketenangriffen dann keine Leute? Was wäre denn, wenn der Westen anfängt, Damaskus zu bombardieren? Aber man gibt keine Ruhe, bis auch in Syrien irgendwelche Moslembrüder und die Alkaida im Amt sind und hier wieder neue Flüchtlingsströme über die Grenzen drängen. Selten war die westliche Politik so diametral gegen die eigenen Interessen gerichtet wie heute. Warum sind die alle so bekloppt? Wer hat eine Antwort? (PI hat bereits über Mali berichtet.)

(Foto oben: Vier Mitglieder der Islamistengruppe Ansar Dine im April 2012, in der Wüste außerhalb von Timbuktu)

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35 KOMMENTARE

  1. Hmmm…würde sagen beides ist scheiße.
    In Syrien herrscht Diktatur und wenn diese abgeschafft wird, übernimmt(nach „freien“ Wahlen) islamische Demokratie das Kommando.
    Da ist mir der Assad wesentlich lieber, der terrorisiert uns wenigstens nicht.
    🙂

  2. Ja, in Mali brodelt es wohl schon etwas länger. Vor nicht allzu langer Zeit wurde dort wieder einmal eine Schweizerin von Islamisten entführt und dann, man weiss nicht gegen welche erfüllte Lösegeldforderung wieder freigelassen.

    http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/In-Mali-entfuehrte-Schweizerin-ist-frei/story/19809313

    Die Entführungen von Schweizer Missionaren und Schweizer Mitarbeiter von Hilfsoranisationen scheinen sich in letzter Zeit zu häufen. Wen wundert es, wenn sicher unter der Hand erfahren wird, was wir denn für die Freilassung zahlten. Ich bin einfach der Meinung, dass, wenn bereit 2009 Reisewarnungen für Mali ausgesprochen wurden, es nicht vertretbar ist, Lösegeldforderungen nachzukommen. Die Schweiz hat sich erpressbar gemacht und wird in Zukunft vermehrt darunter leiden müssen. Unsere lieben Landsleute sind ja mittlerweilen in jedem Kriesenherd unterwegs und somit auch einfach zu entführende, lohnende Ziele. Habt ihr dieses Problem auch in anderen europäischen Ländern, dass Bürger im Ausland entführt werden, für die der Staat Lösegeld zahlt?

  3. Viele gemäßigte „normalgebliebene“ Bürger machen aus Tradition ihr Kreuz bei ROT oder GRÜN, denken in deutscher Obrigkeitshörigkeit „die da oben“ werden schon irgendwie vernünftig sein und alles richten.

    Leider sind gerade in den linken Parteien (inzwischen auch CDU) wenig intelligente Personen an den Schalthebeln der Macht. Insb. bei den Grünen. Von Wirtschaftspolitik, Geopolitik oder gar Finanzen, geschweige denn innerer Sicherheit und natürlichen nationalen Interessen überhaupt keine Ahnung.
    Lieber wird kiffend beim Lagerfeuer beschlossen „Atom = Böse, Industrie = Böse, Deutsch = Böse“.

    Ja, und mit dieser Grundhaltung wird inzwischen ERNSTHAFTE Politik betrieben. Mich wundert das Ergebnis, was dabei rauskommt, überhaupt nicht im Geringsten.

  4. ch war ein vollständiges Opfer der Kriegspropaganda für den Libyenkrieg. Nur durch das Lesen von Beiträgen auf PI sind mir die Augen geöffnet worden.
    Die USA wollten den Krieg auch nicht richtig – eigentlich wollte den Krieg niemand, auch Frankreich nicht. Durch die Berichterstattung, die die Rebellen als Libysches Volk darstellte und Gaddafi als bösen Tyrannen, wurde wohl auch Sarkozy verblendet, der das dann maßgeblich vorangebracht hat.

    Sicher sind die Diktaturen auch ein Übel für die arabische Welt; und Gaddafi hat Unmengen an Landesvermögen veruntreut, daran besteht kein Zweifel.

    Eine Alternative zu den Diktaturen hat jedoch auch Kewil nicht anzubieten. Das heißt dann im Klartext: „Die Araber brauchen Diktatur als Staatsform, sonst stellen sie eine zu große Gefahr für die Welt dar?? Oder „Demokratie ist in Arabien nicht möglich weil der Islam sie verhindert“?

  5. Was die Völker im Östlichen Teil Afrikas für 1400 Jahre von Islamisten zu spüren haben, ist jetzt in der ganzen Welt angelangt. Man braucht keine neuen Bezeichnung, wie „Salafismus“ „Moderater Islam“ etc zu haben — es geht um den Islm, es gibt nur einen Islam, der der Welt den endgültigen Krieg erklärt hat. Die gleichen Islamisten die auf den Strassen von Timbuktu marchieren, sind auch in den Strassen von Frankfurt, London oder Paris präsent.

  6. Also mal ehrlich, manchmal finde ich die islamkritische „Szene” genauso naiv wie den linken Mainstream. Auf einmal wird die Sympathie entdeckt für Mubarak, Ghaddafi, Hussein, Assad und Konsorten. Dabei ist eins so schlimm wie das andere, man hat nur den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben. Ob der Westen geholfen hat oder nicht, oder wem er geholfen hat, spielt fast keine Rolle außer für unser eigenes weinerliches Ego. Wir hatten unsere Katastrophen in Europa, bis wir da angelangt sind wo wir heute sind, nämlich am Vorabend der nächsten. Laßt die ihre eigenen nur selber ausbaden, es hilft ja sowieso nichts. Wenn ich nur wüßte, daß wir den ganzen Müll hier endlich rauswerfen und uns wirksam schützen würden, wie es eigentlich im Verfassungsauftrag drinsteht, ich würde noch viel mehr für Energie bezahlen.

  7. Es ist nicht nur Mali wo gerade ein Gottesstaat entsteht. Selbst in Ägypten ist ein islamistischer Religionsstaat gerade am entstehen. Und das mit voller Unterstützung unserer rotgrünen Politiker! Bald werden dann die moslemischen Milizen nach Europa übersetzten. Aber halt. Die sind ja schon längst da und verteilen Korane in unseren Fußgängerzonen!

  8. Das Verhalten des Westens ist Folge seiner Abhängigkeit vom Öl. Die islamische Richtung wird in den arabischen Ländern überwiegend von Saudi-Arabien vorgegeben. Doie Moslembrüder und ähnliche Gruppen werden von Saudi-Arabien finanziert. Syrien hängt mit dem Iran zusammen. Diese Zusammenhänge sind wichtig zu wissen, ansonsten versteht man die westliche Politik in der Region nicht. Auch der Salafismus hat eine direkte Verbindung zu Saudi-Arabien. Die Türkei ist mindestens nicht mit dem Iran und Syrien verbandelt, eher mit Saudi-Arabien. Saudi-Arabien ist auch der Strippenzieher in Mali. Das Erdöl ist der entscheidende Machtfaktor.

  9. @ #10 Religion_ist_ein_Gendefekt (28. Mai 2012 21:46)

    Ghaddafi, Hussein, Assad

    Mir sind halbwegs berechenbare „Diktatoren“ lieber als ein unberechenbare Irre wie z. B. Ahmadinedschad oder sog. islamische „Gottesstaaten“!

  10. #13 Wilhelmine (28. Mai 2012 22:03)

    Mir sind halbwegs berechenbare “Diktatoren” lieber als ein unberechenbare Irre wie z. B. Ahmadinedschad oder sog. islamische “Gottesstaaten”!

    Ghaddafi und berechenbar? Oh gesegnetes Kurzzeitgedächtnis…

  11. Die „Eliten des „Westen“ sind hilflos.

    Bedenken wir eines, die heutigen „Eliten“ kommen fast alle aus der Hippie-Zeit, Drogen, One World, Esoterik, Bagwhan, Feminismus, Homo-Hero, keine Verantwortung, keine Leistung, Inklusions-Quoten etc.

    Das alles hat sie geprägt und so handeln sie. Sie sehen die reale Welt durch einen rosaroten Schleier ohne nur einen Hauch von Pragmatismus zu haben.

    Und so produzieren sie Katastrophen, weil ihnen Wissen und Charakter fehlt. Es sind Idioten.

    Diktatoren, auch muslimische, mögen nicht das „Gelbe vom Ei sein“, aber besser ein Mubarak als ein Bin-Laden mit seiner Steinzeit-Ideologie, die bis heute keinen Deut von ihrer Blutrünstigkeit abgerückt ist.

    Dr Islam, in seiner jetzigen Verfassung, ist die ultimative Massenvernichtungswaffe auf der Welt. Die von Huntington beschriebenen Phänomene in „Clashes of Civilisation“ haben ihre Gültigkeit. Es wird ohne Zweifel Bürgerkriege mit dem Islam in Europa geben.

  12. Nord-Mali ist nur ein weiterer „failed state“ in einer länger werdenden Liste.

    Nigeria ist auf dem besten Wege dahin.

  13. Mali und die angrenzenden Länder haben eine fantastische Musiktradition und -kultur. Salif Keita, Tomani Diabaté, Mory Kanté („yeké yeké“) und viele andere Namen stehen dafür. Das geht jetzt alles den Bach herunter bzw. wird als haram erklärt werden.

  14. Inzwischen zieht sich ein breiter Streifen quer durch die Subsahara von Mauretanien bis Somalia, die entweder den Salafisten, Al-Qaeda oder Boko Haram zuzurechnen sind. Aufgrund ihrer miltärischen Stärke sind sie dabei, weiter nach Süden vorzudringen.

    Das ist bisher in der westlichen Presse in seinen Konsequenzen noch nicht voll erkannt worden.

  15. Langsam werde ich stocksauer.

    Die gute Seite zuerst – was Syrien angeht, stimme ich dem Artikel zu.

    Was Mali angeht, hat PI nicht die allergeringste Ahnung von der Situation dort. Stattdessen werden die „Informationen“ aus unseren „Qualitätsmedien“ unhinterfragt übernommen.

    Kann passieren, könnte man denken. Stimmt, wenn es denn das erste Mal wäre. Ist es aber nicht – eher das fünfte oder sechste Mal. In den letzten 8 Wochen.

    Und jedesmal habe ich mich – brav und fleissig, wie ich nun mal bin, als Deutscher – hingesetzt und die reale Situation beschrieben. In allen Details. Mit vielen Links.

    Hat es irgenwas gebracht? Scheinbar nein.

    Die letzten paar Stunden habe ich damit verbracht, im „Lady Gaga“-Thread haufenweise neue Infos zu genau diesem Thema einzustellen.

    Jetzt darf ich – für diejenigen, die zu faul sind, im „Lady Gaga“-Thread nachzugucken – nochmal eine Stunde damit verbringen, diese hier nochmal einzustellen. Warum? Weil es wichtig ist.

    @Wilhelmine: du hättest mir auchsagen können, dass es hier einen neuen Thread zum Thema gibt. Dann hätte ich mir die Arbeit dort nämlich sparen können.

    Noch 2 Dinge:

    Der neue Staat heisst AZAWAD. Soviel Respekt sollte sein.

    @johann: die Nationalhymne der Republik AZAWAD stammt von Tinariwen. Sollte dir etwas sagen. Etwas ungewöhnlich für einen Schariastaat, oder?

    So, und jetzt kann die Arbeit beginnen.

  16. Wenn die pro-islamische “Zeit” und der pro-islamische “Spiegel” gegen ein Land hetzen, dann ist es alles, aber nicht “islamistisch” und insbesondere kein “Scharia-Staat”. Denn in diesem Fall wären die “Zeit” und der “Spiegel” Feuer und Flamme für die Islamisten und würden das Ganze als “arabischen Frühling” oder “Demokratie” bezeichen.

    So kann es also nicht sein.

    Der Punkt ist vielmehr der, dass die von Qatar finanzierten Salafisten diesen Staat nun doch nicht an sich reissen konnten und die Qataris um ihren Zugriff auf die Öl- und Gasressourcen Azawads fürchten. Da muss man die internationalen Kontakte spielen und die eingekauften Pressefritzen springen lassen.

    Denn anders als bei Azawad handelt es sich bei Qatar sehr wohl um einen islamischen Scharia-Staat. Deswegen hat die Familie Wulff sich dort auch sehr wohl gefühlt.

    Schade, dass die Welt jetzt ebenfalls auf den Desinformationszug bzgl. Azawad aufspringt.

  17. Ansonsten gibt es natürlich auf Youtube jede Menge Informationen zum Thema Azawad aus erster Hand, u.a. Statements zu den in unseren Medien gerade so intensiv verbreiteten Fehlinformationen. Man ist also weiss Gott nicht auf die pro-qatarische Berichterstattung in uns unseren Medien angewiesen.

    Und die “Rebellen” haben auf einmal Köpfe und Gesichter. Und seltsamerweise haben diese Gesichter keine Zottelbärte…

    Hier

    http://www.youtube.com/watch?v=1OoroUwlLu4&feature=related

    stellt der Sprecher der MNLA, Mosa Ag Attaher, so einiges klar. Klarer kann man sich kaum von Islamismus und Al-Kaida abgrenzen.

    Auch die Rolle von Ansar Al Din wird angesprochen.

    Ein Mann der klaren Worte, der eine ungeheure Souveränität ausstrahlt – nach meinem Empfinden.

    Das Ganze natürlich auf französisch.

  18. Hier

    http://www.youtube.com/watch?v=MdNxiU9rsTE

    zerlegt Ag Attaher seinen Gegenspieler Mariko aus Mali im direkten Fernsehduell auf France 24.

    Erneut die Abgrenzung. Er macht klar, worum es geht: Einheit, Freiheit und Unabhängigkeit. Nixe mit Allahu Akbar und Scharia.

    So spannend können Fernseh-Talkshows auch sein – jedenfalls anderswo.

  19. Hier die Nationalhymne der Republik Azawad:

    http://www.youtube.com/watch?v=ZNjz3WswuL0

    Ob das das Orchester der Bundeswehr anlässlich eines denkbaren Staatsbesuchs live hinbekommt? Wohl eher nicht. Dazu müsste man wohl wahlweise Carlos Santana, Alvin Lee oder Martin Pugh als Unterstützung einfliegen…

  20. Ha, und das ist jetzt noch wichtig:

    http://www.youtube.com/watch?v=5W0hbuHoRQI

    Eine öffentliche Infoveranstaltung der MNLA mit Ag Attaher in Marseille. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: der angehende Staatschef eines angehenden “Scharia-Staates” stellt sich auf einen zentralen Platz und erklärt ganz sachlich, wie man es sonst nur von Michael Stürzenberger kennt, via Mikrofon und Anlage das Folgende:

    – wir sind KEIN islamischer oder gar islamistischer Staat.
    – wir sind ein DEMOKRATISCHER Staat.
    – unsere drei Grundprinzipien sind Freiheit, Einheit und Unabhängigkeit.

    Kein einziges Mal wird “Allahu Akbar” gekrischen.

    Kein einziges Mal wird die Gebetsbeule auf das Pflaster geknallt.

    Aber PI weiss es – gemeinsam mit den Qualitätsmedien “Zeit”, “Welt” und “Spiegel” – natürlich besser: DAS IST EIN SCHARIASTAAT!

    Also, entweder habe ich das mit der Scharia irgendwie falsch verstanden, oder ich lebe tatsächlich im Irrenhaus!

  21. Ach so, ja: „Einige Blätter berichten.“

    Als ob wir nicht wüssten, dass in solchen Fällen zumeist einfach nur die dpa-Meldung übernommen wird.

    Egal, schon als die „Welt“ damit aufmachte, hatte ich zum Thema „fusionieren“ geschrieben:

    Ähnliche Meldungen geisterten ja bereits vor Wochen durch die MSM und wurden leider auch von PI aufgeriffen. Interessant, dass die Welt jene Meldungen im Nachhinein – korrekterweise – für falsch erklärt:

    Schon wenige Tage später hatten die Islamisten angekündigt, in den eroberten Gebieten die Scharia einführen zu wollen. Dagegen hatte sich die MNLA bisher gesträubt.

    Und da die MNLA die dominierende Kraft in Azawad ist, gibt es auch keinen Scharia-Staat. Was ich immer gesagt hatte und mir manche nicht glauben wollten.

    Die “Welt” gelangt auch heute nur zu der faszinierenden Erkenntnis:

    Was die jetzt getroffene Vereinbarung genau vorsieht, war zunächst unklar.

    Man weiss also eigentlich nur, dass MNLA und Ansar Al Din aktuell darauf verzichten, die neu gegründete Republik in einen blutigen Bürgerkrieg zu verwickeln (was in der aktuellen politischen Situation vermutlich unseren pro-islamischen Menschenrechtskriegern in EU und NATO den willkommenen Anlass liefern würde, “einzugreifen”) und titelt reisserisch mit “Scharia-Staat”.

    Noch drei Anmerkungen:

    1) “Ansar-Al-Din” ist übrigens eine salafistische Organisatin, die vollständig durch eine fremdländische Macht, nämlich Qatar, finanziert wird. Qatar: das ist DAS Land, in dem es dem Ex-Bundespräsidenten Wulff so gut gefallen hat, dass er intensivst auf seine eigenen Anstrengungen hinweisen musste, die Scharia .. ähh – den Islam als “zu Deutschland gehörend” zu erklären. Und in dem die Bett-Tina unbedingt einen goldenen Dolch haben wollte – am liebsten geschenkt…

    Qatar ist auch das Land, in dem in absehbarer Zeit eine Fussball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, weil Qatar ja seit Jahrzehnten eine dominierende Rolle im Weltfussball spielt.

    Die qatarische “Operation Mali” (bei der es im Kern um die Kontrolle der auf dem Boden Azawads entdeckten Öl- und Gasvorkommen geht) begann übrigens mit einer kostenlosen Koranverteilung durch die Salafisten. Die allerdings – wie bei uns – auf wenig Gegenliebe stiess.

    2) Die Republik Azawad wird übrigens durch den “Westen” bis heute nicht anerkannt – ein klares Zeichen dafür, dass es sich eben NICHT um einen “Scharia-Staat” handelt. Denn “Scharia-Staaten” werden vom Westen geliebt und ohne Zögern anerkannt. Beispiele vonnöten?

    3) Im Falle Azawads empfiehlt es sich IMMER, die Originalquellen zu lesen. In diesem Falle:

    http://www.mnlamov.net/

    Leider nur in französisch; zur Not kann man sich mit dem Google-Translator behelfen.

    MAN MUSS NUR LESEN WOLLEN!

  22. #6 Wilhelmine (28. Mai 2012 21:23)

    VIDEO – Mali: Menge attackiert Staatsoberhaupt

    http://de.euronews.com/2012/05/22/mali-menge-attackiert-staatsoberhaupt/

    DAS ist übrigens tatsächlich Mali, Bamako, der schwarze Süden.

    Und die Schwarzen haben jetzt tatsächlich Probleme; insbesondere die Elite. Sie haben erst die hohen Bestechungsgelder der Qataris angenommen, um jenen die Rechte an den Öl- und Gasvorkommen zu sichern – jetzt wollen die Qataris etwas sehen für ihr Geld. Lässt sich aber nicht so einfach machen: die Vorkommen liegen jetzt auf dem Boden Azawads. Und die Armee Malis ist längst zu den Salafisten übergelaufen – bei den Schwarzen kann man mit Bestechungsgeldern nämlich viel erreichen.

    Zudem hatte man nämlich den ebenfalls durch Qatar gesponsorten Salafisten freie Hand gewährt – bei der kostenlosen Koranverteilung und anderen Nettigkeiten. Dumm gelaufen.

    Aber mit diesem Staat, (Rest-)Mali, der in kurzer Zeit vollständig in salafistischer Hand sein wird, hat weder der „Westen“ noch seine „Qualitätsmedien“ ein Problem. Warum? Weil Qatar mit ihm auch kein Problem hat.

    Und wie sieht es bei PI aus?

  23. Wieso gegen die eigenen Interessen? Wenn man hier und da ein bißchen rumbombt und völlig zurückgebliebene Typen in Nachthemmden an die Macht bringt, dann hat man erfolgreich einen Staat für Jahrzehnte ausgeschaltet.
    Zuerst gibt es dort jahrelang Unruhe und wenn sich das beruhigt hat, dann ist das ganze ein völlig kaputter Steinzeitstaat.
    Solche Leute wie Ghaddafi sind viel problematischer, denn die sorgen für eine immer besser funktionierende Wirtschaft und das geht nun wirklich nicht.

  24. @ Stefan Cel Mare

    Grundsätzlich hast Du ja Recht hinsichtlich Deiner Kritik an der nicht hinterfragten Übernahme von Pressematerial aus WELT, SPON etc.

    Im Fall von Azawads kann ich Deine hervorbrechende Begeisterung und diametral gegensätzliche Lageeinschätzung aber auch nicht teilen. Es wird sich erst noch herausstellen, wer am Ende der jüngsten Revolution die Oberhand behält, die MLNA oder die Ansar Dine ???

    Erst der Machtkampf dieser beiden Gruppen wird über die Zukunft des Nordens von Mali entscheiden. Wenn da nicht die Regierung im Süden der „lachende Dritte“ im Bunde wird.

  25. Der Scharia-Staat Mali ist eine direkte Folge des westlichen Krieges gegen Libyen, wo derzeit immer noch Chaos und bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.

    Diese ganze Intervention „des Westens“ in Libyen stank von Anfang an. Ausnahmsweise, AUSNAHMSWEISE, hat der Hosenanzug hier einmal richtig entschieden, nämlich Deutschland aus dieser Sache herauszuhalten – und nicht die dummen Hilfstruppen der Franzosen und Briten spielen zu lassen.

    Verantwortlich sind vor allem Nicolas Sarkozy und David Cameron. Welches Kalkül hat sie dazu gebracht, diesen Krieg anzufangen?

    http://zettelsraum.blogspot.de/2011/03/ein-gerechter-krieg-gegen-libyen-ach.html

  26. @ Stefan Cel Mare
    Na dann will ich mich mal bei deiner Mühe bedanken. Ich denke auch dass man den Berbern viel nachsagen kann aber islamischer Fundamentalismus gehört nicht dazu (ich bin nicht sicher welche Nationalität bei Ansar Dine dominiert, offensichtlich wohnen in Nord-Mali ja nicht nur Berber).

  27. #30 MPig (29. Mai 2012 10:23)

    Fürs erste haben sich MNLA und Ansar-Al-Din erst einmal darauf geeinigt, sich NICHT zu bekriegen. Das ist gut und nicht schlecht.
    Es ermöglicht die Stabilisierung Azawads und ist insbesondere gegen die qatarischen Interessen.

    Ein ausbrechender „Machtkampf“ in Azawad wäre doch genau das, worauf Qatar und seine westlichen Hilfstruppen warten, um im Gegenzug „aus humanitären Gründen“ „eingreifen“ zu können. Eine Taktik, die erfolgreich in Libyen praktiziert wurde.

    Ansar-Al-Dine besteht genau aus einem(!) ehemals beliebten Militärführer und einem Haufen eingekaufter Söldner und importierter Salafisten. Wobei dieser Militärführer – Ag Ghaly – ebenfalls mit qatarischen Geldern „eingekauft“ wurde.

    Im Gegensatz zu Ägypten und den arabischen Staaten kann dieser aber gerade nicht(!) auf eine Population arabisch-stämmiger und seit 1400 in islamischer Tradition bückbetender Moslems zurückgreifen, sondern hat ein Volk vor sich, das sich seit über 1000 Jahren erfolgreich(!) gegen die Islamisierung gewehrt hat. Dagegen wird sich auch das qatarische Geld letztlich als nutzlos erweisen.

    Erkennt niemand die Perfidie des qatarishen Vorgehens? Qatar finanziert die einheimischen Troublemaker vollständig (und für jedermann nachprüfbar!), um dann seine ebenso eingekauften „westlichen“ Politiker und Journalisten durh „Trouble! Trouble!“ zum „Eingreifen“ zu animieren. Wobei der „Trouble“ in „Islamismus“ und“Scharia“ besteht.

    Nach dem Eingreifen wird dann „Demokratie“ etabliert, die nach kurzer Zeit in einem „demokratisch gewollten“ Scharia-Staat endet.

    Präzise die gleiche Strategie fahren Qatar und Saudi-Arabien überall. Unser Ag Ghaly heisst Pierre Vogel.

  28. #29 mabank (29. Mai 2012 08:35)

    So ist es.

    Der Westen hat den entscheidenden Fehler im ersten Golfkrieg begangen. Die damals vor Angst quiekenden Scheichs in ihren Palästen wären damals zu jedem(!) Zugeständnis bereit gewesen, nur um vor dem Monster Saddam beschützt zu werden.

    Leider hat das kurzfristige Interesse – der Gedanke an mögliche Waffengeschäfte – wieder einmal gesiegt.

  29. Mich wunder es ja das es im sekularen Senegal noch nicht gekracht hat, und die Islamisten dort die Macht übernehmen.

    Dann ist der Tourismus am Atlantik aus und vorbei.

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