Von der (Ab-)Qualifizierung eines Volkes. „Beutedeutsche“ oder „Beutegermanen“ wurden jene Nichtdeutschen oft genannt, die in Wehrmachtsuniformen kämpften oder Hilfsdienste für die deutsche Armee verrichteten. Die Bezeichnung schwankt zwischen Verachtung und Humor. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, überfluteten Millionen Flüchtlinge und Vertriebene Mittel- und Westdeutschland. Die meisten von ihnen hatten gerade mal retten können, was sie am Leibe trugen. Das durchaus nicht immer konfliktfreie Miteinander mit den Einheimischen trug manchem der Flüchtlinge die Beschimpfung „Rucksackdeutscher“ ein.

(Von Stefan Hug)

Allein an diesen zwei Beispielen wird deutlich, daß das Wort „Deutsche“ in Zusammensetzungen oder mit Vorsilben in den wenigsten Fällen wohlmeinende Anklänge hervorruft. Über sechs Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges häufen sich diese Termini wieder – dieses Mal aus einer ganz anderen Richtung und mit ganz anderen Absichten. Wurde ein „Beutedeutscher“ wenigstens mit dem zweiten Wort noch zum Deutschen geadelt, war „Rucksackdeutscher“ Ausdruck eines innerdeutschen Verhältnisses, bei dem die Deutschen aus den Ostgebieten als Habenichtse beschimpft wurden, sind die neuen Zusammensetzungen Ausdruck gänzlich veränderter Verhältnisse in Deutschland. Benutzt werden sie zumeist von „Migranten“, und sie charakterisieren die Scheidelinie zwischen Deutschen und Ausländern. Dies aber mit eindeutig negativen Untertönen bezüglich des deutschen Volkes.

„Biodeutsche“ ist ein Ausdruck, der ab und zu schon von Cem Özdemir verwendet wurde. Was ruft dieses Wort unwillkürlich an Assoziationen hervor, zumal Özdemir der grünen Partei vorsteht? Sind die Deutschen (über-)reif für die Bio-Tonne? Oder ist es ihr biologischer Körper, der sich so sehr von denen der Ausländer unterscheidet? Das aber wäre dann eindeutig Rassismus…

Die Frauenrechtlerin Seyran Ates ist sicherlich keine Parteigängerin Ankaras, im Gegenteil kritisiert sie die Machtansprüche des türkischen Staates und den patriarchalischen Islam heftig. Das hindert sie nicht daran, die „Urdeutschen“ von den Ausländern zu trennen, die sie mit dem Begriff „Deutschländer“ versehen möchte. Dieses „Deutschländer“ klingt wie eine direkte Übersetzung des türkischen Wortes „Almancilar“, mit dem in der Türkei jene Türken bezeichnet werden, die in Deutschland leben. „Urdeutsche“ geht in die Richtung „Ureinwohner“ und stellt die Deutschen in eine Reihe mit Amazonas-Indianern und anderen „Primitiven“.

Eberhard Seidel arbeitete früher für die „taz“ und leitet heute in Berlin das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die Angehörigen seines eigenen Volkes bezeichnet er gerne mal als „Altdeutsche“. Keine Frage, daß „Neudeutsche“ diese Gruppe alt aussehen lassen.

Der Bevölkerungswissenschaftler Gunnar Heinsohn warnt seit vielen Jahren vor der unzureichenden Reproduktion der Deutschen und dem enormen Anstieg jugendlicher Massen in den Entwicklungsländern, dem „youth bulge“. Er hat den Terminus „Ethnodeutsche“ in die Diskussion eingebracht. In wissenschaftlichen Diskussionen und Publikationen wird bereits unbefangen mit dem Wort „Herkunftsdeutsche“ hantiert.

Diesem generellen Bezeichnungs-Abstieg der Deutschen entspricht ein gegenläufiger Bezeichnungs-Aufstieg der Ausländer: aus ihnen wurden „ausländische Mitbürger“, dann „Inländer“, dann „Deutsche mit Migrationshintergrund“. Als solche, ohne entstellende Vorsilbe, mutieren sie inzwischen zu den eigentlichen Deutschen, die sich die Definitionshoheit über die „Herkunftsdeutschen“ anmaßen. Diese zeichnen sich durch nichts anderes aus, als in diesem Land zur Welt gekommen zu sein, während die Migrationshintergründler auf die beschwerliche „Zuwanderungsgeschichte“ ihrer Altvorderen verweisen können. Eine Diskriminierung mehr: faule Deutsche hier, aktive Ausländer dort.

Die Reduzierung auf die Herkunft ist letztlich nichts anderes als umgekehrter Rassismus und fast alle diese Begriffe lassen sich schwerlich anders verstehen als die Retourkutsche von gewissen „Migranten“ und ihren deutschen Sympathisanten, die es den „Altdeutschen“ mal so richtig zeigen wollen. Es ist überdies symptomatisch für die Gesamtlage des Landes. In einer Zeit, in der selbst Linke und Alternative spätestens mit der Einschulung der Kinder die „multikulturellen“ Viertel verlassen und sich eine möglichst deutsche Wohnumgebung suchen, stehen sie tatsächlich für eine neuerliche Zweiteilung Deutschlands, diesmal nach ethnischen Kriterien. Die Deutschen suchen sich Reservate, in denen sie noch unter sich sein können. Schon macht auf rechten Internetseiten mit satirischem Galgenhumor das Wort von den „Restdeutschen“ die Runde.


(Stefan Hug ist Autor des Buchs „Migrantengewalt – Wie sich unser Staat selbst entmachtet“)

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19 KOMMENTARE

  1. Und wir wollen nicht den unsäglichen BestmenschIn Heribert Prantl von der auflagenbröckelnden Südländischen Zeitung vergessen, der 2006 in einer Talkshow von „Neubürgern“ und „Altbürgern“ sprach, als ob ein orientalischer Hartz IV-Komaschläger, ein „Ehrenmörder“ oder ein salafistischer Polizistenabstecher die bürgerliche Ordnung unserer ehemals okzidentalen Hochzivilisation respektieren würden!

  2. Die Reduzierung auf die Herkunft ist letztlich nichts anderes als umgekehrter Rassismus…

    Was ist denn „umgekehrter Rassismus“? So was wie „umgekehrter Diebstahl“ oder „umgekehrter Hochmut“? Geht also der „normale“ Rassismus immer von Deutschen aus und trifft es hingegen die Deutschen, dann muss man jenes widernatürliche Ereignis als „umgekehrt“ ansehen? Wenn Muslime europäische Sklaven hatten, war das dann „umgekehrte Sklaverei“?

  3. Man kann natürlich alle möglichen Vorsilben
    vor die Bezeichnung „deutsch“ setzen um eine
    Unterscheidung(Diskriminierung)vozunehmen.
    Und wenn wir Echtdeutschen es tun, beschränken
    wir uns auf sprachliche Mittel, im Gegensatz
    zu den nicht Deutschstämmigen Einwanderern
    mit muslimischem Vordergrund, die allergrößten
    Wert darauf legen sich sowohl optisch, wie
    auch vom Benehmen her, von den Echt-Deutschen
    zu unterscheiden. Sie diskriminieren sich
    also selbst und geben uns die Schuld dafür.
    Streitsüchtiger geht es kaum, wird aber mit
    großer Hingabe vom allgemeinen Heuchlertum
    hierzulande gefördert, unterstützt und beschützt. Es ist aber nicht die Andersartig-
    keit, die so übel aufstößt, sonder das prollige
    Benehmen,mit dem man auf seiner Anderartigkeit
    besteht.

  4. Ich bin stolz auf den Terminus „Ureinwohner“ und verbinde damit durchaus nicht automatisch etwas Primitives. Primitiv sind nur die, die unfähig sind über gräßliche antike oder frühmittelalterliche Ideologien hinauszuwachsen und sich ohne himmlische Autorität gar nicht moralisch zu denken, ja nicht mal zu existieren trauen. Ich gehe auch nicht mit der in politisch inkorrekten Kreisen politisch korrekten Meinung konform, eine höhere Geburtenrate sei die Antwort auf die demographische Waffe des Islams. Damit würden wir uns ja schon wieder von Gegnern diktieren lassen, was wir zu tun und wie wir zu leben haben! Bis vor einigen Jahren war noch die Überbevölkerung das größte Schreckgespenst unter den bekannten Problemen der Welt. Daran hat sich doch nichts geändert, man hat nur die Tatsache geflissentlich übersehen, daß die Menschheit eben nicht brüderlich vereint zusammen an einer Titte saugt, sondern die Einsicht eines Teils der Menschen, daß etwas Gesundschrumpfen nicht so verkehrt ist, kommt anderen Teilen höchst gelegen, um Machtverhältnisse zu ihren Gunsten zu verschieben. Wir wären auch mit 60 oder 50 Millionen stark und intelligent genug, uns gegen diese primitiven, geifernden Horden zu wehren. Daß es am Willen dazu fehlt, das ist das eigentliche Problem.

  5. Sie sind aber die guten Deutschen, nur temporär, wenn sie für Bayern München spielen. Der deutsche Fußballsöldner ist aber Madrider, wenn er bei Real spielt, zuhause ist er wieder Nationalspieler, der zu dämlich ist (oder nicht gewillt) die Nationalhymne zu singen. Das aber alles locker zu sehen, fällt mir sehr schwer. Der Umgang heute mit dem Völkermord an den Ost- und Sudetendeutschen ist würdelos!

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/05/20/nur-ein-fusballspiel-fc-bayern-munchen-gegen-fc-chelsea/

  6. #2 Pantau (21. Mai 2012 08:46)

    Da haben Sie genau den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Es ist und bleibt das Gleiche, es ändert sich nicht in der Qualität nur weil die Stossrichtung umgekehrt ist.

    Ist wie mit den Sozialisten – die einen sind Nationalsozialisten, die anderen (International-)sozialisten. Klar, es gibt Unterschiede. Aber von der ideologischen Struktur, von den Methoden und von der Propaganda ist es das Gleiche.

  7. „Die Reduzierung auf die Herkunft ist letztlich nichts anderes als umgekehrter Rassismus […]“

    Dem ist mitnichten so. Es ist Rassismus. Rassismus und Anti-Rassismus folgen immer dem Konzept des Rassismus.

    Wenn schon Andershäutigkeit bedacht werden soll, dann bräuchte es auch Hellbraune, Gelbfarbige, Gelb-braun-farbige, Leicht-Rosa-weisslich-Farbige usw. usf.

    Worum geht es denn beim Rassismus und Anti-Rassismus?

    Es ist ein Reizwort, das Emotionen hervorrufen soll, es soll die intellektuelle Herangehensweise an (soziale) Probleme im Keim ersticken, es soll den Denkprozess abwürgen. Denn, wer beim Wort „Neger“ oder „Ausländer“ emotional wird, kann sich nicht rational dem Thema zuwenden. Er hindert die Auseinandersetzung mit solchen (und auch anderen) Themen.

    Darum geht es. Es ist ein Mittel der sozialen Kontrolle.

  8. „biodeutsch“ ist ein ganz gefährlicher Kampfbegriff, der mutmaßlich von von Linksgrünen erfunden wurde, um Deutschland schneller abbzuschaffen.
    Diese Bezeichnung ist dabei weniger rassisch, als gegen die deutsche Kultur und das deutsche Selbstverständnis gerichtet.

    Die Idee dahinter ist ziemlich raffiniert, daß ich zuerst, wie viele andere Deutsche, die den Begriff für sich selbst verwenden, es nicht bemerkt habe.
    Ich habe es erst verstanden, als ich den unten verlinkten Beitrag las.

    Zitat:
    Der Begriff „Biodeutscher“ ist integrationsfeindlich, er erhöht künstlich die Zahl der Migranten bzw. der „Menschen mit Migrationshintergrund“ indem er Menschen ausgrenzt, sich selbst keineswegs als „Migranten“ sondern schon längst als Einheimische verstehen.

    Man muß an dieser Stelle auch von Migranten unterscheiden, die sich selbst als Deutsche BEZEICHNEN, sich selbst aber als Kolonisten einer fremden Kultur betrachten, und die Bezeichnung „Deutsche“ nur als Teil ihrer Landnahme verstehen.

    Mit dem Begriff „Migrationshintergrund“ betreiben die Linksgrünen Umvolker hingegen umgekehrten Rassismus, in dem sie aus genetischen Gründen, Deutsche wieder zu „Menschen mit Migrationshintergrund“ machen!

    Es geht hier um die schwer messbare Tatsache, ob sich jemand der deutschen Nation und dem deutschen Kulturraum zugehörig fühlt. Jedem, der nicht 100% „reinrassig“ ist, wird eingeredet, er sei kein Deutscher sondern Migrant!
    So wir die Zahl der (Kultur-)Deutschen statistisch massiv reduziert, da man diese ja abschaffen will. Stattdessen werden sie einer Gruppe zugeschlagen, deren Sprecher häufig auch Deutschland, in Form von Kolonisation, abschaffen wollen.

    Wer tatsächlich „Deutscher“ ist läßt sich nur aus dem, was er sagt und tut ableiten und nicht aus seinen Genen!

    Beispiel:
    Nach Vorstellung der Linksgrünen ist ein Deutscher mit einer italienischen Großmutter plötzlich wieder das Gleiche wie z. B. ein Türkischer Nationalist mit vier türkischen Großeltern und Doppelpaß.
    Es wird sogar explizit nach ausländischen Vorfahren gesucht, um Deutsche wieder zu Migranten zu machen. Die Zahl der Migranten soll möglicht groß und unübersichtlich gemacht werden, um die Gruppe der feindlichen Migranten unkenntlich zu manchen.
    Bei Migranten wird die Gesinnung, das einzige wichtige Unterscheidungsmerkmal, verborgen, um kaum interierbaren Migranten die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft zu erleichtern, da durchschnittlich kein großes Problem mehr besteht.

    http://abaght.blogspot.de/2008_01_01_archive.html

    http://www.pi-news.net/2009/04/die-schuld-des-bio-deutschen/

  9. Sehr interessante Analyse. Wie schnell und leichfertig man selber die Begriffe schon fast selbstverständlich verwendet, gibt mir dann einen kleinen Nachdenker mit auf dem Weg…

  10. Dreht diese Begriffe einfach um.

    Aus dem özdemir`schen „Biodeutschen“ wird dann der Biotürke Özdemir.

    Aus anbiederungsservilen Typen wie Nils Schmidt, C.F. Roth oder Ruprecht Polenz werden dann Beutetürken.

    Wer von „Ethnodeutschen“ spricht, muss sich einen Ethnotürken ebenfalls anhören.

    Und wer „Deutschtürke“ sagt, muss auch einen Massaipygmäen definieren können.

    Ihr werdet sehen, dass die geschwungene Nahssi-Keule dann postwendend den Schwinger trifft. 😉

  11. #9 Thomas d. U.

    100 Punkte!!!
    Endlich jemand der es begriffen hat. Es wird mit allen Mitteln versucht die Anzahl der Migranten zu erhöhen, indem man alle mit irgendeinem ausländischen Vorfahren als Migranten zählt. Nach dieser Berechnung wäre selbst PI voller migrantischer Patrioten. Man müsste unterscheiden können, wer sich zu diesem Land bekennt oder wer nicht, aber das ist statistisch nicht möglich. Dies gilt besonders für Länder wie die USA oder die Schweiz, die nicht aus einem Volk bestehen. Deshalb sollte man lieber die harten Fakten anschauen (wie zum Beispiel die Anzahl Muslime).
    Ein Migrant ist nur jemand, der nicht in diesem Land geboren wurde.

  12. Ich verstehe nicht was an „Biodeutscher“ schlimm sein soll. Ich verwende den Begriff ebenfalls. Es ist eine mit positiver Assozialtion verbundene Beschreibung für „biologische Deutsche“.
    Was soll man denn sonst sagen: „autochtone Deutsche“ klingt sehr abgehoben, „ethnische Deutsche“ klingt wie eine Minderheit im eigenen lande. „Erbdeutsche“ klingt sehr negativ. „Volksdeutsche“ ist Autobahn.
    Ich bleibe bei Bio-Deutsche.

  13. Also, ich bin offiziell in der Kategorie „Migrant“, weil mein Vater Mitte der 50-Jahre als Donauschwabe aus Jugoslawien nach Deutschland kam.
    Sein Vater (mein Großvater) ist bei den serbischen Völkermorden 1945/46 gegen Deutsche und Ungarn umgebracht worden, weil er Deutscher war.
    Ich könnte kotzen.
    Die Migrantenstatistik ist antideutsch, bösartig und dient der Verschleierung von Leistungsfähigkeit nach Herkunft.

  14. @ #16 mabank (21. Mai 2012 14:32)

    „Biodeutscher“ ist man nur, wenn man 100% „reinrassig“ ist! Ist nur einer der Eltern, Großeltern oder sogar Urgroßeltern nicht deutsch, hat man einen Migrationshintergrund;
    zumindest nach Vorstellung der linksgrünen Faschisten. 🙁

  15. biodeutsch = ohne Migrationshintergrund

    “Deutsche sind Nichtmigranten, mehr nicht!” Claudia Roth

  16. Es gibz einen Begriff, mit dem die Neudeutschen ihre Wertschätzung der Altdeutschen sehr treffend ausdrücken:
    Scheissdeutsche.

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