Sich über den Islam lustig zu machen, ihn ins Lächerliche zu ziehen, ohne dabei plump zu wirken, schafft vielleicht nur jemand, der in diesen Kulturkreis hineingeboren wurde und darin aufgewachsen ist, der jedoch trotzdem ein eigenständiges und dialektisches Denken entwickelt und sich dieses bewahrt hat. Dem persischen Autor Sadegh Hedayat (1903-1951) ist dies bravourös gelungen. Aus seiner hintergründigen und kenntnisreich geschriebenen Satire „Karawane Islam – Die islamische Mission in Europa“ bringt PI in einer dreiteiligen Serie den dritten Teil (hier Teil 1 und hier Teil 2).

Teil 3:

Scheich Alligator, Sohn des Dämonen [15]:
„Gerade bin ich damit beschäftigt, ein Buch mit dem Titel Das Vermächtnis des Islam am Ufer der Meere zu schreiben. Darin halte ich eine Lobrede auf Kamelmilch, Krokodil-Kebab und Datteln; erlauben Sie mir, auf dieses überaus wertvolle Schriftstück hinzuweisen. Es ist für die Wissenschaft von höchst brisanter Bedeutung.“

Krone-der-Prediger:
„Und jetzt der siebte Punkt. Hier geht es um die unbedeckten Frauen der Ungläubigen, die mit fremden Männern vor Publikum tanzen, flirten und schmusen. Es ist ganz gewiss vonnöten, sie zu verschleiern, damit die Männer nicht vom Teufel in Versuchung geführt werden. Schuld an ihrer Verderbtheit ist ihre Unwissenheit über Polygamie, Ehe auf Zeit, [16] Wiederheirat mit Hilfe eines Mohalel [17] und Scheidung. Der Hunger treibt diese Unglückseligen dazu, Krebse, Frösche und Schweinefleisch zu essen. Und wenn sie diese Tiere schlachten, sprechen sie nicht einmal ‚Im Namen Allahs’ dabei. Das zeigt das Ausmaß ihrer Verkommenheit.

Zehntens, in den Ländern der Ungläubigen sind Liebeleien, Malerei und Musik von allergrößter Wichtigkeit und Bedeutung. Folglich sind wir verpflichtet, alle Musikinstrumente zu zerschmettern und die Musiker durch Prediger und Passionsspiele zu ersetzen, damit die Ungläubigen auf den rechten Weg geleitet werden. Gleichermaßen sollen alle Gemälde verbrannt, alle Statuen zertrümmert werden. Wir müssen dem Beispiel des Propheten Abraham folgen, der genauso mit dem Stamm von Loth fertig geworden ist. Die kostbaren Objekte werden beschlagnahmt und fließen direkt in die islamische Kasse ein. Weil sich die Ungläubigen ja um nichts anderes kümmern als um das materielle Leben, ist es nötig, sie von unseren Verkündigungen über das Jenseits in Kenntnis zu setzen, ihnen zu erzählen von der Schwere des Grabsteins, von Nakir und Monker, [18] den Flammen der Hölle und ihren Drachen, dem Tag, der fünfzigtausend Jahre dauert, dem vieräugigen Hund, der den Eingang zur Hölle bewacht, dem Erscheinen des Esels des Antichristen, von Schicksal, Vorbestimmung und Fatalismus, der Grundlage der islamischen Philosophie. Zur Beruhigung sprechen wir vom Paradies, rühmen die Erhabenheit der ewigen Dinge und offenbaren ihnen, dass da oben den moslemischen Männern Huris [19] und den moslemischen Frauen hübsche Knaben angeboten werden und dass jeder Wohltäter das Recht auf siebzigtausend Kamele hat und einen Palast mit siebzigtausend Zimmern aus Smaragden, in dem unendlich viele Engel leben, die so groß sind, dass sich ihre Köpfe im Okzident befinden und ihre Füße bis in den Orient reichen. Im die Ungläubigen dazu zu bringen, an das Ende der Welt zu denken, wird es nicht falsch sein, meine ich, ihnen etwas Opium zu gestatten.“

Steuerrad-der-Scharia:
„Ihr ergebener Diener meint, dass Ihre Erklärungen überflüssig sind. Wie Sie gesagt haben, die Bekehrung der Ungläubigen zum rechten Weg des Islam schließt all dies ein.“

Krone-der-Prediger:
„Ich möchte darstellen, wie tief der Abgrund der Kruzifix-Anbeter ist und auf welche Schwierigkeiten wir stoßen werden. Es besteht beispielsweise auch die Gefahr, auf solche nicht-moslemischen Stämme wie die Juden zu stoßen. Ihre religiösen Traditionen sind den unseren ja ziemlich ähnlich, und was ihre Bekehrung betrifft: sie sind sogar beschnitten. Sie glauben wie wir an die Schwere des Grabsteines, an Nakir und Monker und all diese Weisheiten. Sie sind Ungläubige, doch sie besitzen das Heilige Buch. Aber die Ungläubigen in den Ländern der Franken, diese … Völlig zu Unrecht werden sie die Anbeter des Kruzifixes genannt, denn sie glauben an gar nichts. Diese unverbesserlichen Ungläubigen müssen alles neu lernen, oder ihre Nachkommenschaft muss zur Gänze ausgerottet werden, auf dass es nur noch Moslems, die geliebten Diener Gottes, gebe.“

Scheich Alligator, Sohn des Dämonen:
„Wenn sie Widerstand leisten, muss man ihnen Nase und Ohren abschneiden und sie erdrosseln, und wir Moslems dürfen uns ihre Frauen und ihren Besitz teilen.“

Nachtigall-des-Islam:
„Vergessen wir nicht, ihnen Geschenke vom Leiter der Mission zu überreichen, wenn sie Moslems werden, zum Beispiel geweihte Leichentücher, Fladen aus heiliger Erde, Rosenkränze, Amulette, die Zauberformel gegen Filzläuse, den Spruch gegen Geister, Glücksbringer, Pantoffeln und Wasserkannen zur Ausführung der religiösen Waschungen. Ich schlage vor, dass wir ausgewählten Personen ein Exemplar des Buches Quelle der großen Unreinheiten schenken, dieses Werk meines Sohnes, der Experte der rationalen und der irrationalen Wissenschaften ist, seine Exzellenz Steuerrad-der-Scharia, der sieben Jahre seines Lebens unter den Ungläubigen verbracht hat.“

Gesandter-von-Melonenland: [20]
„Brennen wir die Bibliotheken der Ungläubigen nieder und bieten wir ihnen im Gegenzug ein Exemplar des Buches Quelle der großen Unreinheiten an, das alle irdischen und himmlischen Erkenntnisse enthält.“ [21]

Katapult-der-Geistlichen: [22]
„Gewiss, gewiss … ein Exemplar der Quelle der Unreinheiten reicht aus, denn das Hauptziel des Islam lautet: Entweder die Ungläubigen konvertieren und halten sich an alle Vorschriften des Buches Quelle der großen Unreinheiten, oder wir legen euch um! … es sei denn, sie zahlen Tribut und Kopfsteuer in die islamische Kasse. Wie auch immer, die Ungläubigen müssen auf jeden Fall Tribut entrichten.“ (Beifall der Anwesenden)

Krone-der-Prediger:
„Sehr gut! Nach unserer gründlichen Erörterung haben wir also den einmütigen Beschluss gefasst, diese Gruppe in die Gebiete der Ungläubigen auszusenden. Ihr ergebener Diener ist der Meinung, dass wir wie der Stifter unserer Religion vorgehen müssen. Er kannte den Wert seiner Nachkommen, deshalb hat er seine Enkelsöhne bereits vor ihrer Geburt zu Imamen berufen, und alle Moslems, die jetzt leben und die nach uns kommen werden, müssen ihnen Respekt zollen. Weil die Mittel für diese Mission von der islamischen Stiftung zur Verfügung gestellt werden, müssen ihre Mitglieder unter den Geistlichen und den Nachfahren eben dieser Imame ausgewählt werden.“

Nachtigall-des-Islam:
„Jawohl. Ganz richtig. Selbstverständlich ist niemand würdiger und fähiger als Herr Kroen-der-Prediger. Deshalb wählen wir ihn zum Präsidenten der Missionare.“

Steuerrad-der-Scharia:
„Für diese hervorragende Wahl beglückwünsche ich die moslemischen Männer und Frauen aus tiefstem Herzen.“

Anführer-der-Tradition:
„Ganz richtig, wir hätten keinen besseren finden können.“

Krone-der-Prediger:
„Ihr ergebener Diener ist sprachlos und tief beeindruckt von Ihrer Gunst und Großmut, und ich danke allen Gesandten der islamischen Länder dafür. Ich halte es für unverzichtbar, dass Herr Nachtigall-des-Islam, der Gelehrteste unter den Gelehrten, an diesem heiligen Krieg teilnimmt. Ich würde ihn für das Amt des Vizepräsidenten vorschlagen. Sein Sohn, Herr Steuerrad-der-Scharia, Experte der rationalen und der irrationalen Wissenschaften, der neun Jahre seines geschätzten Lebens bei den Ungläubigen verbracht hat und dessen kostbares Werk, die Quelle der großen Unreinheit, die Richtigkeit meiner Meinung belegt, der koptisch, syrisch, berberisch, algerisch, palästinensisch spricht und das Arabisch von Bagdad und Basra wie eine Nachtigall intoniert sowie alle anderen Dialekte: wenn er uns doch die große Ehre erweisen würde, den Posten des Schatzmeisters und des Dolmetschers zu übernehmen, auch wenn es keine irdische Belohnung dafür geben kann, denn auf dieser niedrigen Welt gibt es keinen gerechten Lohn, den gibt es nur in der Ewigkeit.“

Steuerrad-der-Scharia:
„Um die Wahrheit zu sagen, ich weiß nicht, wie ich Herrn Krone-der-Prediger für sein Wohlwollen meiner Person gegenüber danken kann. Es versteht sich von selbst, dass ich diesen Posten niemals annehmen würde, außer um Ihm zu gefallen und vom Ewigen im Jenseits den Lohn für meine Taten zu erhalten.“ (Beifall der Anwesenden)

Nachtigall-des-Islam:
„Ich bin überwältigt von der Gunst und Gnade des Herrn Krone-der-Prediger und aller der hier anwesenden Gesandten des Islam. Bitte erlauben Sie mir vorzuschlagen, in den Kreis dieser Mission meinen Cousin, Herrn Anführer-der-Tradition, für die Beschneidung der neu gewonnenen Moslems aufzunehmen. Ein Experte für Beschneidung ist in der Tat von nicht zu unterschätzender Bedeutung bei unserer Mission. Darüber hinaus hat er schon manches Mal in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein sehr begabter Verkuppler ist, und ihm gelingt es durch seine Zaubertricks, Schaulustige herbeizulocken, und noch dazu ist er ein hervorragender Darsteller in Passionsspielen. Er kann äußerst giftige Skorpione in der Hand zerquetschen. Niemand verkauft die heiligen Talismane gegen Grippe und Djinnen besser als er, und er kennt alle Regeln und Vorschriften unserer Religion über das irdische und das ewige Leben. Ich schlage ihn also als Professor für praktische Grundregeln des Islam vor.“

Krone-der-Prediger:
„Einverstanden, wie könnten wir einen besseren finden? Es ist allen klar, dass die Mitglieder dieser Gruppe bereit sind, ihr Leben für die Segnungen der anderen Welt zu opfern; Wir machen unsere Brust zum Schild gegen die Gefahren dieser Mission.“ (Beifall der Anwesenden)

Dann zog der Präsident aus seiner Leibbinde ein im Voraus verfasstes Versammlungsprotokoll, das er zur Genehmigung und Unterzeichnung vorlegte. Das hier ist der Wortlaut:

„An jenem gesegnetem Tag, dem 25. Chaval des Jahres 1346 nach der Hedschra, hat eine Versammlung der höchsten Geistlichen, besten Gelehrten und Abgesandten der unabhängigen islamischen Völker in der blühenden Stadt Samarra beschlossen und genehmigt, eine Mission auszusenden, die den wahren Glauben in den Städten der Franken verkünden soll. Ernannt wurden folgende Persönlichkeiten:
Seine Exzellenz Herr Krone-der-Prediger, Präsident; Herr Nachtigall-des-Islam, Vizepräsident und Sondersekretär; Herr Steuerrad-der-Scharia, Schatzmeister und Dolmetscher; Herr Anführer-der-Tradition, Professor für praktische religiöse Grundregeln. Ihnen wird zunächst einmal die Summe von hundert Millionen Pfund Sterling aus der islamischen Stiftung bewilligt. Damit können sie ihre ersten Unkosten decken, deren Höhe sie nach eigenem Ermessen bestimmen.“

Krone-der-Prediger schlug vor, auf das Wohl der Anwesenden Saft zu trinken. Der Gesandte der Araber von Anizeh bevorzugte Kamelmilch. Also ging ein Schlauch mit Milch von Mund zu Mund. Darauf tauchte jeder der angesehenen islamischen Gesandten einen Finger in Tinte und unterzeichnete das Protokoll. So fand die Versammlung ihr Ende in Freude und Frohsinn.

Al Samarra, den 25. Chaval 1346
Al-Djerdjis Yafes,
Sohn von Isaak dem Jesuiten

Fußnoten:

[1] Hedschra (Auswanderung); die moslemische Zeitrechnung beginnt im Jahr 622 n.Chr. mit der Auswanderung Mohammeds aus Mekka nach Medina.
[2] Tadj-ol-Motekallemin
[3] Andalib-ol-Islam
[4] Sokkan-ol-Scharrieh
[5] Sonnat-ol-Aqtab
[6] Imaginäre Stadt an der östlichen Grenze der Welt, die das Gegenstück von Djabolsa an der Westgrenze darstellt.
[7] Amoud-ol-Islam
[8] Gouthe-la-Yamout (ein sehr armer Mann, der nicht einmal genug zum Essen hat)
[9] Heiliger Krieg des Islam
[10] Abdol Mondares
[11] Abu Obeyd
[12] Mohammed, Ali (sein Vetter und Schwiegersohn), Fatima (seine Tochter), Hassan und Husain (seine Enkelsöhne)
[13] Stamm der Zia
[14] Meghraz-ol-Nabassir
[15] Scheich Tamsah ibn Nasnas
[16] Mote, Ehe auf Zeit; eine Ehe, die gegen Zahlung einer bestimmten Summe nur für eine bestimmte Zeit geschlossen wird. Der Zeitraum der Gültigkeit einer Ehe auf Zeit muss bei Vertragsabschluss festgelegt werden; es kann sich dabei um Stunden, Tage oder Jahre handeln. Mohammed gab die Erlaubnis zur Mote nach der Schlacht um die jüdische Festung Khaibar. Er ließ die Männer umbringen und verteilte die Frauen für ein kurzes Vergnügen unter seinen Kriegern. Die Sunniten glauben, dass Mohammed die Erlaubnis zur Mote später widerrief. Gemäß dem schiitischen Recht ist sie bis heute erlaubt und wird praktiziert. (Anmerkung: im Westen wird diese Praxis als Zwangsprostitution bezeichnet).
[17] Um ihren Ex-Ehemann erneut heiraten zu können, muss die geschiedene Frau, wenn auch nur für eine einzige Nacht, einen anderen Mann heiraten. Dieser „Mittelsmann“ wird Mohalel (Auflöser) genannt.
Sadegh Hedayat hat eine Novelle mit dem Titel „Mohalel“ geschrieben, die in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Ehemann als ob“ vorliegt.
[18] Zwei Engel, die den Toten gleich nach seiner Beerdigung befragen.
[19] Huri; nach dem Tode warten im Paradies schöne Jungfrauen, die Huris, auf die gläubigen Moslems.
[20] Aloulak-el-Djalizieh
[21] Nachdem die Araber Ägypten und Persien erobert hatten, stießen sie auf große Bibliotheken. In einem Brief an den zweiten Kalifen Omar baten sie um Rat, was sie mit den Büchern machen sollten. Der Kalif antwortete: „Wir haben den Koran, das genügt uns.“ Daraufhin verbrannten die Invasoren die wertvollen, unersetzbaren Sammlungen.
[22] Mandschnigh-ol-Ulama


Aus dem Nachwort von „Karawane Islam“: […] Sadegh Hedayats literarisches Erbe ist ein Zeugnis sowohl für die korrupte herrschende Klasse als auch für die habgierigen und fanatischen Geistlichen, die im Iran religiösen Aberglauben weit verbreiteten und die geistige Verdummung des Volkes betrieben. […] Hedayat, der ja selbst aus einer moslemischen Familie stammte, kannte sich sehr gut über das islamische Dogma aus. […] Aus Indien schreibt er an einen Freund: „Ich bin in der islamischen Stadt Hyderabad gewesen. Sie ist wahrlich eine islamische Stadt. Mit eigenen Augen habe ich gesehen, dass die Leute in den Rinnstein pinkeln.“ Erst wenn man bedenkt, dass im Islam jedes fließende Wasser als sauber gilt und zum Trinken und für die Waschungen benutzt werden soll, versteht man die tiefe Kritik, die in Hedayats Worten verborgen liegt.

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14 KOMMENTARE

  1. Sich über den Islam lustig zu machen, ihn ins Lächerliche zu ziehen, ohne dabei plump zu wirken, schafft vielleicht nur jemand, der in diesen Kulturkreis hineingeboren wurde

    Entschuldigung, aber wenn ich etwas an diesem Text lächerlich finde, dann ist dieser Satz selber. Ich gehe davon aus, dass der Autor ihn nur als eine leere Einführung gemeint hatte, ohne sich über den Inhalt Gedanken zu machen.

    Jeder kann etwas ins Lächerliche ziehen, wenn das Gegenstand dazu geeignet wird. Und das ist die Hauptbedingung dafür. Es gibt kein Monopolrecht für eine spezielle Kaste, dass ausschließlich nur sie etwas lächerlich machen darf.

    Dieser Satz ist in sich selber schon rassistisch, diskriminierend, überheblich, oder mit den Stilmitteln des Humors: lächerlich.

    Wenn der französische Präsident sich lächerlich macht, dann dürfen wir alle über ihn Witze machen, nicht nur die Franzosen, oder nor die Ministerpräsidenten (+vielleicht Berufspolitiker); oder wie bei anderen Berufen: nur die ausgewiesenen, promovierten Humoristen.

    Solche Aussagen stammen aus der hypersensibilistischen und deswegen schon zuweilen abendländischen Ethik. Und dort wird sie auch nur in diesen hypersensibilistischen Kreisen benutzt, dass wir niemand verletzten wollen, indem wir irgendwelche Negativaspekte von den Betroffenen kritisieren oder sogar zum Gegenstand unserer Witze Machen: Man macht keine Witze über Muslime, keine Witze über irgendwelche Ethnien überhaupt – außer über die Ostfriesen.

    „hpyersensibel“ ist verständlich. Die Endung „-ist“ weist auf ideologische Übertreibungen hin (wie auch im „Islam“+“-ist“)

    Nach so einem Satz muß ich mich überwinden, weiter zu lesen.

  2. Genau das hatte ich vermutet, der im Deutschen unlustige Text ist schlecht übersetzt, Navid Kermani in der FAZ:

    „Als Dokument einer inneren Kritik am Islam, die sich an Offenheit unschwer überbieten lässt, ist der Text für deutsche Leser vielleicht von Interesse; als Literatur kann er nur mit Mühe bestehen. Das liegt zum Teil daran, dass der spezifische Witz der ,Islamischen Mission‘ sich kaum ins Deutsche übertragen lässt. Der Text lebt von seinem mit religiösen Floskeln durchsetzten Arabo-Persisch sowie von den zahlreichen Referenzen auf Eigenheiten der iranischen Geistlichkeit. Hat man das Klischee eines Geistlichen nicht vor Augen und ihre Sprache nicht im Ohr, ist der Text allenfalls noch kurios, aber nicht mehr witzig.“

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-durch-die-wueste-des-witzes-110220.html

  3. #4 Heta

    Oh, Oh, da fühlt sich Navid Kermani snscheinend durch das Buch ordentlich auf den Schlips getreten. :mrgreen:

    Danke für den Hinweis.

  4. Sich über den Islam lustig zu machen, ihn ins Lächerliche zu ziehen, ohne dabei plump zu wirken, schafft vielleicht nur jemand, der in diesen Kulturkreis hineingeboren wurde

    Entschuldigung, aber wenn ich etwas an diesem Text lächerlich finde, dann ist dieser Satz selber. Ich gehe davon aus, dass der Autor ihn nur als eine leere Einführung gemeint hatte, ohne sich über den Inhalt Gedanken zu machen.

    Jeder kann etwas ins Lächerliche ziehen, wenn das Gegenstand dazu geeignet wird. Und das ist die Hauptbedingung dafür. Es gibt kein Monopolrecht für eine spezielle Kaste, dass ausschließlich nur sie etwas lächerlich machen darf.

    Dieser Satz ist in sich selber schon rassistisch, diskriminierend, überheblich, oder mit den Stilmitteln des Humors: lächerlich.

    Sie haben das Wörtchen „vielleicht“ in der Einleitung überlesen:

    „Sich über den Islam lustig zu machen, ihn ins Lächerliche zu ziehen, ohne dabei plump zu wirken, schafft vielleicht nur jemand, der in diesen Kulturkreis hineingeboren wurde (…)“

  5. Sich über den Islam lustig zu machen, ihn ins Lächerliche zu ziehen, ohne dabei plump zu wirken, schafft vielleicht nur jemand, der in diesen Kulturkreis hineingeboren wurde…

    Dieser Satz ist nun in der Tat Unsinn.

    Siehe z.B.:

    Muhammad and Aisha – a marriage made in hell

    http://www.youtube.com/watch?v=DOeGTQX8nqo

    oder

    Der Koran

    Der Mercedes unter den Benimmbüchern

  6. Ich finde diesen Text durchaus gut, wenn auch die Sprache etas sperrig ist. Dies mag an der Übersetzung liegen.

    Was an dem Text unangenehm ist, ist das er eben so nahe an der Realität ist:

    „Gewiss, gewiss … ein Exemplar der Quelle der Unreinheiten reicht aus, denn das Hauptziel des Islam lautet: Entweder die Ungläubigen konvertieren und halten sich an alle Vorschriften des Buches Quelle der großen Unreinheiten, oder wir legen euch um! … es sei denn, sie zahlen Tribut und Kopfsteuer in die islamische Kasse.

    Muslime als aggressive Dogmatiker, die aller Welt ihre Regeln aufzwingen wollen, egal ob es den anderen Menschen passt oder nicht und im Fall des Nichteingehens auf diese Zumutung unverhohlen mit Gewalt drohen.

    Diese Darstellung ist eben so nahe an der Realität, dass es nicht mehr Satire ist, sondern bedrückend.

  7. #5 Thomas_Paine:

    Oh, Oh, da fühlt sich Navid Kermani anscheinend durch das Buch ordentlich auf den Schlips getreten.

    Glaube ich nicht, siehe auch Kermanis langen Aufsatz über Hedayat, den er vor fünfzehn Jahren geschrieben hat, in dem er ausführlich beschreibt, dass Hedayat im Iran immer wieder „Renaissancen“ erlebt:

    Hedayats Anziehungskraft ist ein Phänomen. … Seine bissigsten Attacken richtete der Autor ausgerechnet gegen den Islam, dessen Logik ,das scharfe Schwert und die Bettelschale‘ sei, wie es in der 1930 geschriebenen Satire ,Die islamische Mission in die Länder Europas‘ heißt …. ,Ist denn der Islam noch etwas anderes außer Raub und Mord?‘ Seine arabische Sprache sei ,erfunden‘, seine ,ganze Philosophie auf Unrat gegründet‘, heißt es in der achtzehn Jahre später entstandenen ,Morwari-Kanone‘…“:

    http://ookkdk.com/index.php?option=com_docman&task=doc_view&gid=2&Itemid=26

  8. #11 Heta

    Glaube ich nicht, siehe auch Kermanis langen Aufsatz über Hedayat, den er vor fünfzehn Jahren geschrieben hat, in dem er ausführlich beschreibt, dass Hedayat im Iran immer wieder „Renaissancen“ erlebt:

    Also wenn ich das hier lese:

    (…)

    Die Übersetzer haben den Text mit einem ausführlichen Nachwort versehen, in dem sie den Islam als das Hauptübel der iranischen Geschichte vorstellen. Wer an den Islam glaubt, mag sich beleidigt, wer ihn ablehnt, bestätigt fühlen, wer aber an einer nur halbwegs sachlichen Darstellung interessiert ist, den wird die Polemik ob ihrer Verbissenheit und weil sie ohne den anarchischen Spott der Hedayat’schen Feder auskommen muss, gleichgültig lassen. Geärgert hat den Rezensenten, dass Bahram Choubine sich damit brüstet, 1982 in Paris die Erstveröffentlichung der „Islamischen Mission“ besorgt zu haben, obwohl das Manuskript bereits 1970 und 1979 in Iran erschien, wenn auch jeweils nach kurzer Zeit verboten wurde.

    (…)

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-durch-die-wueste-des-witzes-110220.html

    …dann denke ich schon, dass Kermani die Bücher von Hedayat und vergleichbarer Autoren, wenn überhaupt, nur mit einem Nasenrümpfen akzeptiert. Das muss er ja wohl auch als gläubiger Moslem.

  9. #10 Unzeitgemaesser:

    Muslime als aggressive Dogmatiker, die aller Welt ihre Regeln aufzwingen wollen, egal ob es den anderen Menschen passt oder nicht…

    Aber die drei scheitern doch wie Don Quijotte auf der ganzen Linie. Am Schluss sind sie in Paris gestrandet, als Barmann und Zuhälter oder als Croupier im Casino von Deauville und nennen sich Jean, Jimmy und Job. „Job“ = Hiob.

    Der iranische Schriftsteller Ali Erfan, seit 1981 im französischen Exil, sagte „Libération“: „Heute stehen im Iran alle hinter Hedayat. Da man sich nicht traut, offen gegen die islamische Revolution zu reden, liest man ihn. Man kann seine Sätze gegen die Imame zitieren, weil diese sich nicht geändert haben. Aber meine Überzeugung ist, wenn wir Hedayat in den letzten vierzig Jahren studiert hätten, hätte es keine islamische Revolution gegeben.“

    Die „sperrige“ Sprache ist die der Übersetzer, merkt man ja schon am Nachwort. Das ich im Übrigen für verfehlt halte: Ein Nachwort ist dazu da, den Autor und sein Werk näher zu beleuchten und nicht dazu, die Geschichte Persiens von 700 bis heute nachzuerzählen.

  10. #12 Thomas_Paine:

    …den wird die Polemik ob ihrer Verbissenheit und weil sie ohne den anarchischen Spott der Hedayat’schen Feder auskommen muss, gleichgültig lassen.

    Genauso ging’s mir allerdings auch, als ich den Text las. Die Plumpheit der Übersetzung beginnt schon mit den Bindestrich-Namen: „Steuerrad-der-Scharia“ liest sich nur blöd und nicht komisch, da hätte man sich was Besseres einfallen lassen müssen wie „Scharialenker“ oder so.

    Aber das Schicksal teilt Hedayat mit vielen, mit Lorca zum Beispiel, den Übersetzer Heinrich Beck, der sich später „Enrique“ nannte, duch Biederkeit ruiniert hat.

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