Presse kontrolliert gegenseitig Selbstzensur

Zeitungen in ÖsterreichDass Details über heikle Pressegespräche an die Öffentlichkeit kommen, ist bemerkenswert. Anhand des nachstehenden Protokolls des österreichischen Medienportals „relevant“ kann man sehen, welchen politkorrekten Druck die Blätter untereinander aufbauen, um sich gegenseitig hinsichtlich des Themas „Angaben zum Migrationshintergrund“ zu kontrollieren. Keiner soll vorpreschen, immer schön den Deckel draufhalten, lieber die Leser im Unklaren lassen… Dabei hat es die Presse mittlerweile mit einer Leserschaft zu tun, die – wie in der DDR – zwischen den Zeilen zu lesen vermag!

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Zwischen Information und Diskriminierung: Mit dem Thema Migranten in der Kriminalberichterstattung ist am Mittwochnachmittag bei der „Medien Messe Migration“ in der Wiener Stadthalle ein heikles Eisen angepackt worden. Einigkeit herrschte unter den Podiumsdiskutanten bei der Frage der Nationalitätennennung in Kriminalberichten nur bei Relevanzkriterien.

Gabriele Gödel, Gerichtsberichterstatterin der „Kronen Zeitung“ brachte das Beispiel Ehrenmord: Hier sei die Nennung des kulturellen Hintergrundes notwendig für das Verständnis der Geschichte. Generell sei zwischen in Österreich lebenden Personen mit Migrationshintergrund und Kriminaltouristen zu unterscheiden. Sie schreibe auch ganz bewusst „bei Autoschieberbanden die Nationalitäten oder Staatsangehörigkeiten“, denn in Österreich würden in der Regel nur die kleinen Mitläufer erwischt.

Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der „Salzburger Nachrichten“ und im Presserat vertreten, erklärte: „Ich bin schon der Meinung, dass man auf die Nationalität bestimmter Gruppen hinweisen darf.“ Es sei ihm bewusst, dass exzessives Nennen von Nationalitäten nicht gut sei, „aber ist verschweigen nicht oft schlechter?“

Auf den Journalistenkodex seines Landes verwies Max Trossmann vom Schweizer Presserat, wonach keine diskriminierenden Anspielungen gestattet sind. Aber: „In einem differenzierten Artikel ist es gut, den Migrationshintergrund zu nennen.“

Für einen „verantwortungsvollen Umgang“ mit dem Thema plädierte Martin Gantner, stellvertretender Chronik-Ressortleiter des „Kurier“. Die Nennung der Nationalität sei „nur relevant, wenn ein Täter zur Fahndung ausgeschrieben ist und um die Mithilfe der Bevölkerung ersucht wird“.

Selbstkritik der heimischen Medien forderte hingegen der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell. Einerseits gebe es genügend verlässliche Daten, dass in den 70er Jahren hierher gezogene Migranten seltener straffällig geworden seien. Dies habe sich allerdings in der Berichterstattung der Medien damals nicht niedergeschlagen. „Ich glaube nicht, dass die systematische Nennung der Nationalität uns einen Schritt weiterbringt“, so der Forscher. Gerade Fragen nach Geschlecht, sozialem Status und Alter seien bei der Suche nach den Hintergründen für eine Straftat viel wichtiger.

Die Nennung der Nationalität sei „nur relevant, wenn ein Täter zur Fahndung ausgeschrieben ist und um die Mithilfe der Bevölkerung ersucht wird“. Genau dies ist auch die typische Vorgehensweise der deutschen Presse, wobei dann der „Südländer“ bei der Personenbeschreibung herhalten muss.

Oft werden noch nicht einmal im Rahmen von schweren Verbrechen, die vor Gericht landen, die Herkünfte von der feigen deutschen Presse genannt. Oder sehen Sie in dem WAZ-Artikel über den „Gelsenkirchener“ Messerstecher Cihan S. irgendwo einen Hinweis auf dessen „Kulturkreis“? Selbstverständlich macht es überhaupt kein Problem, etwas zum kulturellen Hintergrund zu schreiben, wenn eine indische Sikh-Familie erstochen aufgefunden wird!

Überall wird dieser Tage in den Medien wieder das Multikulti-Monster wegen des „Tags der offenenen Moschee“ beschworen (früher: Tag der Deutschen Einheit). Sobald es um Verbrechen geht, wird uns Monokulti in den Medien vorgeführt!