Pro in Wuppertal: Die Sicht von der anderen Seite

Die bei PI und anderen Medien angekündigte Demonstration von Pro NRW in Wuppertal, die die Aufmerksamkeit der Wuppertaler auf einen neuen Moscheebau direkt in der Wuppertaler Innenstadt lenken sollte, hat mich sehr interessiert, zumal ich bis jetzt in der näheren Umgebung keine Demonstration gegen einen Moscheebau wahrgenommen habe.

(Von Vladimir B.)

Die Informationen über den Demonstrationsverlauf habe ich mir über die Pro NRW-Webseite geholt, auf der der Beginn der Kundgebung für 12 Uhr festgelegt wurde. Nachdem NRW-Innenminister Ralf Jäger wieder das verbriefte Recht auf Meinungsfreiheit kurzerhand außer Kraft gesetzt hatte – und ihn daraufhin das Gericht zum 17. Mal korrigieren musste – wollte ich auf jeden Fall auftauchen, ein paar Fotos machen, mir das ganze Spektakel aus der Nähe anschauen und mal horchen, was Pro NRW und die GDL zu sagen haben. Besonders auf die letzten war ich sehr gespannt, da ich in der öffentlichen Wahrnehmung exakt nichts von dieser Gruppierung gesehen habe.

Ich kam zum angekündigten Versammlungspunkt eine Stunde eher, um mich grundsätzlich umzuschauen. Vor dem Ort, an dem die neue Moschee entstehen sollte, hatten Antifa sowie die Linkspartei eine Art Straßenfest organisiert, das auch recht gut besucht war. Besonders pikant – auf der anderen Straßenseite gibt es bereits eine DITIB-Moschee. Mit dem Neubau würde eine der Hauptstraßen Wuppertals, die Gathe, praktisch ihre bisherige multikulturelle Identität verlieren zugunsten einer islamisch dominierten Monokultur.

Ich ließ es mir nicht nehmen, in der Zwischenzeit mit den dort Anwesenden zu sprechen, bevor die Demo begann. Wer die Linken – und es waren nur Linke vor Ort – ausreichend kennt, wird wissen, dass diese Menschen sehr emotional sind und eher weniger dazu neigen, logisch und vorausschauend zu denken. Ich schätze diese Eigenschaft, denn man kann mit diesen Leuten sehr gut feiern. Manchmal aber ist es doch recht verwirrend.

Zum Beispiel:

– Beim Straßenfest gab es kein Fleisch, da alles für Veganer ausgerichtet wurde. Der Grund dafür sind die Qualen, die die Tiere erleiden müssen, während sie geschlachtet werden. Aber, wenn man Fleisch haben wollte, sollte man zur Moschee gegenüber. Dort, wo geschächtetes Fleisch angeboten wird, dort litten die Tiere zumindest nicht. Das war völlig ernst gemeint von den Leuten.

– Überall waren Plakate gegen Faschismus und Nationalismus zu sehen. Diese Leute protestierten aber für die Errichtung des Stützpunktes einer faschistischen Religion, unter Schirmherrschaft von Hardcore-Nationalisten.

– Es gab sogar ein Plakat gegen den nationalen Sozialisten Axel Reitz, der aber bekanntlich, genauso wie die Besucher des Straßenfestes, ein Sozialist ist und zudem nichts gegen den Islam hat. Dazu ist der gute Mann mittlerweile sogar aus allen Organisationen zurückgetreten und distanziert sich von Kameradschaftsstrukturen.

– Ich habe Gespräche wahrgenommen, in denen die Religion an sich richtigerweise als ein verachtenswertes Übel der Menschheit angesehen wurde. Da frage ich mich doppelt, warum diese Leute ausgerechnet für die Errichtung einer religiösen Einrichtung sind. Und zwar einer, die ihnen selbst langfristig sämtliche Freiheiten nehmen wird, die sie aktuell als selbstverständlich erachten.

– Sie brüllen „Nazis raus!“ auf Menschen mit Israelfahnen. Ebenfalls eine verwirrende Geste.

Die wohl wichtigste Lektion war aber, dass die Kundgebung eben nicht wie angekündigt vor dem werdenden islamischen Zentrum stattfinden wird, sondern 200 Meter weiter. Also ging ich dorthin, um mir die Kundgebung anzuschauen. Was dann passierte war, um es freundlich auszudrücken, empörend.

Die netten Polizeibeamten vor der Absperrung sagten mir, dass es hier kein Durchkommen geben würde. Wenn ich zur Kundgebung wolle, müsste ich einen anderen Zugangspunkt suchen. Das tat ich. Am nächsten Checkpoint fragte mich eine nette Polizeibeamtin, warum ich zur Kundgebung wolle. Um mir das Anliegen von Pro NRW anzuhören und ein paar Fotos zu machen, entgegnete ich. Dann dürfe ich aber nicht dorthin. Warum? Weil ich Fotos machen will und nichts kundgeben will, so wie es bei einer Kundgebung üblich ist. Und nun möge ich gehen.

Ich lief zum dritten Checkpoint. Dort sagte mir ein freundlicher Beamter, dass ich hier ebenfalls nicht durchkommen würde. Aber, wenn ich jemanden aus der Demo kennen würde, könne ich bestimmt mit dieser Person reden, wenn ich herüberwinken würde. Beim vierten Checkpoint beließ ich es dabei, dass ich einfach nur teilnehmen will, um zu hören, was die Leute zu sagen haben. Immerhin bekam ich diesmal eine Antwort, die mich für die nächsten Veranstaltungen weiterbringen sollte: Ich sollte drei Stunden später dort sein, wo sich die Demonstranten versammeln und nicht pünktlich dort sein, wo sie stattfindet, denn dann ist kein Durchkommen mehr möglich. Warum? Weil das zu meiner eigenen Sicherheit ist, falls die Nazis durchdrehen. Aus der Entfernung konnte man zwei Omas sehen, die ein Anti-Moschee-Zeichen hochhielten. Gott weiß, was die beiden Killersenioren mit mir angestellt hätten.

Nach ca. 30 Minuten bin ich dann nach Hause gegangen. Von der Kundgebung konnte man nichts wahrnehmen, weil die Antifa in einem eigenen Kleinbus eine Diskoanlage laufen gelassen hat. Immerhin haben einige junge Türken Steine aufgehoben und liefen in Richtung Pro NRW, wahrscheinlich um ein bisschen Action zu machen. Aber sie trauten sich offenbar nicht so recht, genauso wie ca. zehn Leute von der Antifa, die ein Banner gegen Faschismus trugen und vermummt in einer Nebenstraße irgendetwas sprengen wollten.

Für mich war es ein verlorener Vormittag. Weder konnte ich das Anliegen von Pro NRW überhaupt wahrnehmen, noch Argumente der Linken gegen Pro NRW. Nicht einmal Gewalt oder Randale waren da. Nichts. Null. Nada. Enttäuscht fuhr ich zurück nach Köln. Immerhin aber weiß ich nun etwas mehr als vorher, und zwar dass

– Pro NRW kein besonderes Organisationstalent hat. Hätte man auf der Webseite bekanntgegeben, dass man nicht um 12, sondern um 9 Uhr an einem bestimmten Punkt hätte sein sollen, wären bestimmt mehr Leute gekommen. Ich war nicht der einzige, den die Polizisten abgewiesen haben. Da sind bestimmt an die 50 Menschen nicht durchgekommen.

– die Polizisten kein Problem damit haben, wenn Gegendemonstranten in ihrer Anwesenheit kiffen. Aber beim Falschparken gehen sie einem mächtig auf den Senkel.

– die Antifaschisten gar kein Problem mit Faschisten haben, sondern mit ihnen Hand in Hand zusammenarbeiten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Antifa nichts vom faschistoiden Ansprüchen und Wirken des Islams weiß.

– die Linken für Tierrechte sind, aber kein Problem damit haben, das Durchschneiden der Kehle bei unbetäubten Tieren zu unterstützen.

– die Polizei und das Innenministerium ein eingespieltes Team sind, wenn es gegen harmlose Minderheiten geht. Den Mut, den sie gegen die Meinungsfreiheit aufbringen, werden sie bestimmt nicht haben, wenn es gegen zehn wütende Moslems geht. Alle Achtung, sie haben die Allgemeinheit effektiv vor gewaltbereiten Rentnern von Pro NRW, Juden, Schwulen und Jugendlichen von der GDL beschützt (dort schien mir niemand älter als 20 zu sein). Was die wohl zusammen alles angerichtet hätten.

– auf der Gegendemonstration kaum jemand „normales“ war. Es waren zum allergrößten Teil Linksextremisten und Sozialfälle da. Kein Witz. Ein paar besorgte Eltern und Moslems waren zwar da, wahrscheinlich um Gesicht gegen Rechts zu zeigen. Aber es waren wirklich wenige, und ihr Gesicht hätten sie zu den Rechtsextremisten von der Moschee wenden sollen. Das würde aber doch zu viel Mut erfordern, glaube ich.

– sowohl die Moschee als auch Pro NRW scheinbar niemanden interessieren. Es gab wohl 200 Demoteilnehmer und ca. 300 Gegendemonstranten. Da ist jedes Konzert einer mittelmäßigen US-Band besser besucht.

Bin gespannt auf die nächsten Veranstaltungen. Meine Lektion habe ich aber durchaus gelernt an diesem denkwürdigen Vormittag.

Video:

Links:

» Pro NRW: Bildbericht zur PRO-NRW-Demo in Wuppertal
» Pro NRW: Kraftvolles Protestzeichen der Islamkritiker in Wuppertal