Vermisste Hilal Bulut bei Solinger Salafisten?

Vor zwei Wochen sah ich in der Bad Godesberger Innenstadt Aushänge mit der Überschrift „Vermisst“. Zunächst vermutete ich, dass es sich um die Wiederbelebung der „Vermisst“-Aktion von Innenminister Friedrich handele. Dem war aber nicht so. Gesucht wurde die 16jährige Hilal Bulut aus Ratingen, die seit drei Wochen verschwunden ist.

(Von Verena B., Bonn)

Ich konnte mich nicht der Vermutung erwehren, dass diese Vermisstenanzeige unausgesprochen wieder ein rechtsextremes Verbrechen assoziieren sollte. Inzwischen weiß die „Rheinische Post“ Näheres zu berichten:

Seit mehr als drei Wochen sucht die Polizei nach der vermissten Hilal Bulut aus Ratingen. Nun verfolgen die Beamten der Abteilung Staatsschutz bei der Polizei Düsseldorf eine erste konkrete Spur. „Es gibt Hinweise, dass sich die Schülerin in salafistischen Kreisen aufhält“, sagte gestern eine Polizeisprecherin.

Die Ermittler vermuten, dass die 16-Jährige bei Anhängern der radikal-islamischen Strömung in Solingen beziehungsweise Wuppertal untergetaucht sein könnte. Die Szene der Solinger Salafisten war bundesweit in die Schlagzeilen geraten, nachdem Mitglieder der Gruppe im Mai bei einer Straßenschlacht in der Solinger Innenstadt Polizisten mit Steinen beworfen hatten.

Die radikalen Muslime hatten sich zuvor durch Mohammed-Karikaturen provoziert gefühlt, die Demonstranten der rechtspopulistischen Partei Pro NRW zeigten. Später wurde der Treffpunkt der Salafisten von Spezialkräften der Polizei geschlossen. Seitdem kommen die Radikalen in Privatwohnungen in Solingen zusammen.

Die 16-jährige Hilal Bulut hatte am Morgen des 16. Oktober die Wohnung ihrer Eltern in Ratingen verlassen. Danach tauchte das Mädchen nicht mehr auf. Inwieweit Hilal freiwillig abgetaucht ist oder gegen ihren Willen festgehalten wird, ist nach Angaben der Polizei noch unklar. „Wir wissen nicht, ob sie sich aus freien Stücken der Gruppe angeschlossen hat“, sagte die Polizeisprecherin. Berichte, wonach Hilal einen jungen Mann aus der Gruppe in der Zwischenzeit nach islamischem Recht geheiratet hat, wollte die Sprecherin nicht kommentieren. Ob die Schülerin ihre Lebensformen deutlich verändert hat, ist offen. Ein Sprecher der Kreispolizei Mettmann betonte: „Wir wissen nur, dass sich die Gesuchte in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld unwohl gefühlt hat.“

Hilal Bulut ist etwa 1,65 Meter groß und schlank, sie hat grüne Augen und dunkelbraune lange Haare. Bei ihrem Verschwinden trug das junge Mädchen eine lange schwarze Jacke und ein weites braunes Kopftuch.

Inzwischen sind die Aushänge verschwunden. Dumm gelaufen – war wohl nix mit bösen deutschen rassistischen Terroristen – hat wohl eher was mit den eigenen Terroristen zu tun.