Bombenalarm: Salafisten in Bonn festgenommen

Zu einem Verkehrschaos bis in die Abendstunden und weiträumigen Umlenkungen des Nahverkehrs führte gestern eine herrenlose blaue Reisetasche, die ein aufmerksamer Bürger gegen 13.45 Uhr auf dem Bahnsteig 1 des Bonner Hauptbahnhofs sichtete und diesen Fund der Bahn meldete. Inzwischen wurden die beiden mutmaßlichen Bombenleger, Omar D. und Abdirazak B. (Foto l.), festgenommen.

(Von Verena B., PI-Bonn)

Ermittler der Bundespolizei nannten den Fund am Montag Nachmittag eine „weitgehend ungefährliche Attrappe“, Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts sprachen jedoch am Abend von „potenziell zündfähigem Material“. Ob es explodieren könne, werde noch untersucht. Laut Polizei wird auch der Zünder noch gesucht. Der Hauptbahnhof blieb mehrere Stunden für den gesamten Verkehr, die Ferngleise 1 bis 3 bis in die Nacht gesperrt. Tausende Bahnreisende waren betroffen. Erst am späten Abend lief der Zugverkehr wieder normal. Ein Ermittlertrupp der Bundespolizeinspektion Köln, die auf dem Bonner Hauptbahnhof ein Revier hat, übernahm die Ermittlungen. Eine Sprengstoff-Spezialtruppe der Bundespolizei begann mit den Untersuchungen der verdächtigen Tasche. Sie wurde, wie es im Fachjargon heißt, „aufgeschlossen“, die Teile der bombenähnlichen Anlage mit drei verdrahteten Rohren in einem Spezialfahrzeug an Ort und Stelle analysiert. Vorläufiger Befund: „Chemikalien von niedriger Gefährlichkeit“, wie sich ein Experte am Tatort ausdrückte. Die Untersuchung der Gleisanlagen führte nur zu kleineren Detailfunden. Am späten Abend sorgte ein verdächtiger Rucksack, der im Bahnhofsgebäude gefunden wurde, sich aber als harmlos herausstellte, für weitere Aufregung.

BILD berichtet zur Festnahme der zwei Salafisten:

Die mutmaßlichen Bombenleger vom Bonner Hauptbahnhof sind festgenommen worden. Staatsschützer setzten Omar D. in der Bonner Innenstadt fest. Auch sein Kumpel Abdirazak B. wurde gefasst.

Sein Mandant sei auf dem Weg zu ihm gewesen, als Staatsschützer ihn gesetzt hätten, bestätigte der Verteidiger von Omar D.

Die Polizei wollte dies aus ermittlungstaktischen Gründen nicht kommentieren. Der gebürtige Somalier gelte seit Jahren als militanter Islamist in der rheinischen Radikalenszene.

Die Männer stehen im Verdacht, eine Sprengstofftasche am Bonner Hauptbahnhof deponiert zu haben. Zeugen hätten die beiden Islamisten auf Lichtbildern wiedererkannt. Die Männer sind der Polizei als terroristische Gefährder bekannt. Es wurde bundesweit nach ihnen gefahndet.

Die Salafisten sollen in der Islamisten-Szene unter den Kampfnamen „Dahir“ und „Buh“ aktiv sein. Die Bombe war in einer blauen Reisetasche in einem Wartesaal abgestellt worden. Nach einer ersten kriminaltechnischen Untersuchung soll das Material zündfähig gewesen sein und große Sprengkraft gehabt haben. Sie wurde vom Kampfmittelräumdienst noch im Bahnhof entschärft.

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Bekanntermaßen leben in Deutschland gut 4000 Personen, die dem Salafismus zugerechnet werden können, eine Zahl, die stetig ansteigt. Spätestens 2013 dürften schon über 5000 Personen diesem Milieu angehören. Bisher haben die Sicherheitsbehörden immer zwischen dem politischen Salafismus und dem dschihadistischen Salafismus unterschieden. Der innenpolitische Sprecher der Bundesregierung, Wolfgang Bosbach (CDU), stellt sich jedoch die Frage, ob diese Unterscheidung wirklich Sinn macht, denn nicht nur von den persönlich gewaltbereiten Salafisten gehe eine konkrete Gefahr aus, ebenso gefährlich seien die geistigen Brandstifter, die Hass predigen oder gar zu Gewalt aufrufen. So geschehen im Anschluss an die Ereignisse am 5. Mai, als PRO NRW vor der König-Fahd-Akademie in Bonn die Mohammed-Karikaturen zeigte und der bekennende Terrorist „Deso Dogg“ daraufhin Deutschland zum Kriegsgebiet ausrief!

Den Sicherheitsbehörden ist das alles bekannt. Ihrer Observierungspflicht sind die Beamten offenbar nicht umfassend nachgekommen (man ist wohl zu sehr mit dem „Kampf gegen Rechts“ beschäftigt), und wieder bedurfte es erst eines aufmerksamen Bürgers, um einen offenbar geplanten Terroranschlag zu verhindern. Dass Bonn als erste Stätte der öffentlichen „Beleidigung des Propheten“ vorrangig ins Visier genommen wurde, kann vermutet werden („Tod der Pro NRW“).