Bonn: Sieben Jahre Haft für Haschisch-Dealer

Drogenhandel ist ein einträgliches Geschäft und viel besser als arbeiten. Das wissen auch jugendliche „Südländer“, die sich gerne im Bonner Stadtteil Pennenfeld zu kleinen „Geschäftsbesprechungen“ treffen. Die Polizei, die dort regelmäßig Besuche abstattet, ist machtlos, da die Jungen nicht strafmündig sind, also das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

(Von Verena B., Bonn)

Die munteren Knaben lachen bloß, wenn die Polizei dort auftaucht und dann unverrichteter Dinge wieder abziehen muss. Anders sieht es bei älteren Dealern aus, die sich nicht mit kleinen Fischen abgeben. Dann kann die Sache aber auch schon mal ins Auge gehen: Berufsrisiko halt auch in diesem Job.

Ein 35 Jahre alter Drogendealer mit südländischem Aussehen konnte sich gestern vor der 1. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht eine fette Belohnung abholen: Siebeneinhalb Jahre Gefängnis für den Transport von mehr als 1,2 Tonnen Haschisch von Marokko nach Europa, den er gefälliger Weise mit organisiert hatte.

Der Bonner General-Anzeiger berichtet:

Insgesamt konnte ihm die Beteiligung an vier Fahrten nachgewiesen werden. Zwei 36 und 50 Jahre alte Kuriere, die mit auf der Anklagebank saßen, wurden zu Bewährungsstrafen von 18 respektive 24 Monaten verurteilt. Sie hatten schon im Ermittlungsstadium umfassende Geständnisse abgelegt und den 35-Jährigen schwer belastet.

Alle drei wurden der Beihilfe zum Drogenhandel schuldig gesprochen. Der Bonner soll im Auftrag einer international agierenden Bande die Fahrten in die Niederlande organisiert haben. Dort waren zwei Fahrzeuge, in denen Haschisch versteckt war, an Hintermänner übergeben worden.

Dass der Familienvater nicht gewusst habe, wer seine Auftraggeber waren, wollten die Richter ihm nicht glauben. Der 35-Jährige habe wohl vielmehr Schwierigkeiten gehabt, seine Interessen, die seiner Familie und die von der Drogenbande zu wahren. Zwischen 2008 und 2009 hatte jeder der von ihm angeworbenen Kurierfahrer zwei Schmuggelfahrten absolviert und Drogen im Straßenverkaufswert von mindestens fünf Millionen Euro transportiert. Beide Kuriere waren bei der jeweils zweiten Fahrt von der Polizei hochgenommen worden.

Im Wagen des 50-Jährigen waren an einer Fähre in Marokko 280 Kilogramm Haschisch gefunden worden. Er geht davon aus, dass er verraten wurde, da die Ermittler bereits auf ihn gewartet hätten. Den „Lohn“ für seine erste Kurierfahrt – 85.000 Euro – hatte er laut Urteil größtenteils dafür ausgegeben, um die Lebensverhältnisse im Gefängnis in Marokko „einigermaßen erträglich zu gestalten“. Dort hatte er drei Jahre Haft verbüßt.

Das mit 765 Kilo Haschisch bestückte Fahrzeug des 36-Jährigen war in Spanien in eine Polizeikontrolle geraten. Der Kurier war dort zu einer Strafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Nun wurden die beiden Mitangeklagten für die erfolgreich absolvierten Fahrten bestraft. Als Bewährungsauflage müssen sie je 5000 Euro zahlen.

Wie umsichtig von dem klugen Dealer, schon mal ein erkleckliches Sümmchen für den Gefängnisaufenthalt in Marokko zurückzulegen. Schließlich möchte man ja auch im Knast gewisse Annehmlichkeiten genießen – deutschen Dealern zur Nachahmung empfohlen!