„Die Veränderung der Stadt“

So hieß eine Bilderreihe, die 1976 erschien. Sie war für mich damals eine dramatische, visuelle Bestätigung einer Bau-„Ideologie“, die im Nachkriegsdeutschland zu einer Entmenschlichung der Stadtbereiche führte. Eindrucksvoll malte der Autor Jörg Müller die Entwicklung der städtischen Lebensbereiche im immer gleichen Bildabschnitt so, wie sie sich in vielen Städten (des Westens und Nordens) vollzog.

(Von westzipfler, PI-Köln)

Zugegeben, mit einer grün-ökologisch hinterlegten Indoktrinationsabsicht, weil es im Grunde ja gegen „den“ Fortschritt gerichtet war und er der städtebaulichen Idylle der fünfziger Jahre nachtrauerte (was man ja aus heutiger Sicht irgendwie nachvollziehen kann). Im Stil der bekannten „Wimmelbilder“ von Ali Mitgutsch führt der Autor und Zeichner Müller dem Betrachter vor, dass durch den Einsatz der modernen Verkehrsmittel das urbane Leben, das sich am Anfang der Serie in vielen liebevoll gestalteten Einzelszenen auf den Straßen abspielt, verdrängt wird.

Eine ähnliche Bildserie war schon 1973 erschienen, die unter dem Titel „Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder“ mit der gleichen Maltechnik einen Landschaftsausschnitt darstellte, der ebenfalls von der modernen Infrastruktur „verbraucht“ wurde.

Beiden Werken ist gemein, dass sie eine Anklage gegen die Wandlung unseres Lebensumfeldes in eine entmenschlichte Umgebung sein soll, eine Art visuelle Beweissicherung gegen den bedingungslosen „Raubbau“ der Natur und der Stadt, um moderne Verkehrs- und Produktionsanlagen zu schaffen.

Wer je in westlichen Großstädten die Bausünden der 60er- und 70er-Jahre erleben durfte, weiß, dass der Autor in bester Absicht versuchte, Großprojekte kritisch zu hinterfragen und nach dem Sinn des „Immer weiter, immer Größer, immer schneller“ suchte. In Köln teilt zum Beispiel die Nord-Süd-Fahrt alte gewachsene Innenstadtgebiete, in Düsseldorf verschandelt eine Hochautobahn die Innenstadt und der geneigte Leser kennt sicher viele weitere Beispiele für „Gut gemeint, schlecht gemacht“-Architektur und -Infrastruktur aus jener Zeit, unter denen die Bürger optisch, akustisch, ästhetisch und emissionstechnisch noch heute zu leiden haben.

Diese beiden Bilderbücher wurden seit jeher als Sekundärliteratur in allen möglichen Unterrichten der Grund- und weiterführenden Schulen eingesetzt, ganze Schülergenerationen wurden mit diesen beiden Büchern konfrontiert. Die 68er-Lehrer, die sich dieser eindrucksvollen Darstellungen bemächtigten, erreichten, gepaart mit ihrer technik- und fortschrittsfeindlichen Einstellung, dass bei tausenden Schülern, denen sie damit suggerierten, dass Bauen und Erneuern schlecht sei, eine Grundabneigung gegen Großprojekte, Städtebau und Infrastrukturmaßnahmen. In der Folge wurde dies bei den erbitterten Aktionen gegen Projekte wie Startbahn West, Brokdorf, Autobahnneubauten, Bahnlinienneubauten, Hafenneubauten und Industrieansiedlungen deutlich. Heerscharen von Jugendlichen, Alt-68ern und Gutmenschen prügelten sich mit der Polizei und den Ordnungskräften, um ihr vermeintliches Recht bis heute durchzusetzen, dass alles so bleiben soll, wie es ist! Selbst heute gibt es sogenannte Bürgerinitiativen, in denen egoistische Gründe einiger wohlhabender Immobilienbesitzer zum Anlass genommen werden, Unterstützer aus der „Es soll so bleiben wie es ist“-Fraktion zu „Wutbürgern“ zu machen.

Witziger weise finden sich bei solchen Aktionen auch immer Menschen, die einst den monetären Vorteil der Nachbarschaft von bestehenden Großprojekten nutzten, um billiges Bauland oder Immobilien zu erwerben, die nun vehement gegen eben genau diese Projekte demonstrieren, und sich bis zum zivilen Ungehorsam echauffieren, ja sogar vor Gewalt gegen Menschen und Eigentum mit Sabotage und Morddrohungen nicht zurückschrecken.

Grundsätzlich gibt es gegen die Einstellung, „es soll so bleiben wie es ist“ nichts einzuwenden und vieles, was projektiert und als Antrag den Kommunen, Kreisen und Ländern vorgelegt wird, kommt ja auch bereits in der Genehmigungsphase nicht durch, sei es durch mangelnde Berücksichtigung des Naturschutzes, der Emissionen oder ganz allgemeiner Gesundheitsgefahren, die hier entstehen könnten.

Generell kann man aber feststellen, dass Projekte, die „irgendwie“ ökologisch, erneuerbar oder sonst in einen gutmenschlichen Zusammenhang gebracht werden können, diese Schwellen mühelos überschreiten. Wenn es aber um die Ansiedlung neuer Produktionsstandorte, Firmenerweiterungen, Neubau von Gewerbegebieten in Autobahnnähe oder der Innenstadt geht, da werden selbst so skurrile Begründungen wie Hamster, Fledermaus, Juchtenkäfer, Windzonen als Abluftbereiche, Schattenwurf, optische Beeinträchtigung herbeigezerrt, um gerichtlich den „worst case“, die Einschränkung der eigenen Befindlichkeit und seine Technophobie zu befriedigen.

Was bitte schön, soll neben der hier immer wieder diskutierten (und dies teilweise auf hohem wissenschaftlichen Niveau) Energiewende, die sich als Kostenumlage für uns alle entwickelt, an diesen „Grünen Energieanlagen“ so vorteilhaft sein, dass man diese bedenkenlos überall in unserer schönen Landschaft und Städten hinrotzt? (Müller hätte sich damals bei seinen Landschaftsbildern nie träumen lassen, dass er zwanzig Windkraftquirle auf sein letztes Bild malen müsste).
Ich will hier gar nicht auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser grünen „Leuchtturmprojekte“ eingehen, dazu fehlt mir der physikalisch-technische Hintergrund und der kaufmännische Clou, der dies alles möglich werden ließ. Vielmehr ist es eindeutig, dass alles, was in den Augen der Links-Grün-Schwarzen-Meinungshoheit Gnade und Genehmigungen findet, nicht zukunftsorientiert ist, sondern konservatorisch betrachtet werden muss.

Arbeitsplätze? Sind schon in den bestehenden Betrieben da, keine Erweiterung notwendig!
Straßen? Gibt es genug, kein Ausbau, lieber Radwege (Ja, selbst „Fernradwege“ werden derzeit in NRW geplant)!
Brücken? Stehen doch schon rum, wenn die kaputt gehen, sind eben die Autos schuld, keine neuen!
Kraftwerke? Ihh, baah, gibt es eh zu viele, zu riskant, wir haben Windmühlen und Biomasse, Solardächer und Elektroautos, bloß nix Neues hier!
Forschungsförderung? Wir haben doch schon soo viele Unis, die müssen doch nur die richtigen Fächer lehren, dafür braucht man doch nur die Bibliotheken umräumen!
Häfen, Flughäfen und Bahnhöfe? Wozu neue, es klappt doch mit den alten und wir werden eh immer weniger und älter, das ist nicht mehr nötig!
Das Leben für unsere Gutmenschen scheint in der Tat recht angenehm und idyllisch zu sein, der Strom für die Körnermühle kommt aus der Steckdose, der Zug in die Stadt kommt halbwegs pünktlich, das Häuschen wurde geschickt in der Vorstadt gewählt, so dass man alles mit dem Fahrrad oder fußläufig erreichen kann.
Das Umfeld funktioniert bestens, wozu also bauen, erweitern oder gar planen?

Das sind die Gegebenheiten, die, wie ich glaube, dazu führen, die Technophobie unserer Gutmenschen und Entscheidungsträger maßgeblich beeinflussen! Ihnen ist wirklich nicht bewusst, dass all die Errungenschaften, die sie so selbstverständlich täglich in Anspruch nehmen, das Produkt der Ideen, der Planung und der Arbeit der vorherigen Generationen sind!

Heerscharen von Arbeitern, Ingenieuren, Investoren und Bürgern haben vor langer Zeit die Weichen dafür gestellt, dass wir all das, was heute für uns selbstverständlich erscheint, haben und nutzen.
Das einzig Beständige in unserer Welt ist aber der Wandel! Märkte verändern sich, Menschen verändern sich und Ansprüche verändern sich!

Meine Erklärung für den infrastrukturellen Konservatismus ist die ideologische Scheuklappe, die man als Kind eben auch mit Bildertafeln von Jörg Müller in der Schule angelegt bekommen hat.
Gepaart mit einem Wohlstand, den keine Generation vor uns so erleben durfte, entwickelte sich eine Borniertheit, die weltweit ihresgleichen sucht!

Das Schizophrene ist aber, dass es, wenn es um gesellschaftliche Veränderungen geht, die gleiche Klientel genau 180 Grad diametral entgegengesetzt argumentiert! Multi-Kulti ist toll, neue Denkweisen, neue Gebräuche und Umgangsformen innerhalb unserer Gesellschaft sind bereichernd. Weihnachten und Ostern sind spießig, Ramadan und Zuckerfest sind viel schöner! Kirchen und Klöster sollen umgewidmet werden, Moscheen sind viel aktueller!

Ironischerweise verschwinden gerade im Moment die letzten idyllischen Einzelhändler unserer Innenstädte, die am Anfang der oben erwähnten Bildertafeln noch den Charme ausmachten. Sie müssen billigen Ein-Euro-Shops weichen, werden von gesichtslosen Ladenketten übernommen, haben keine Chance gegen Handy, Teppich und Textilgeschäfte, deren Waren aus aller Herren Länder CO2 behaftet importiert wurden, um hier eine Lebensdauer beim Verbraucher von maximal einem Jahr entgegen zu sehen. Die Bewohner der Trabantenstädte leben in einem eigenen Universum, gesteuert über Satellitenschüsseln aus fernen Ländern. Sie fahren ökologisch völlig unkorrekte alte Benzinstinker, die teilweise dem TÜV jahrelang erfolgreich vorenthalten werden, verbrauchen elektrische Energie für veraltete Haushaltsgeräte und Fernseher, die Tag und Nacht laufen. Hier würde eine polit-korrekte Aufklärung zu einer massiven Ressourcenschonung beitragen, statt Lieschen Müller per Fernseh-Tipp zum zehnten Mal zu erklären, dass eine Absenkung der Heiztemperatur im Schlafzimmer auf minus 20 Grad zu einer Kosteneinsparung von 2 Euro im Monat und dem Äquivalent eines indischen Elefanten an reduzierter CO2 Einsparung entspricht.

Hier sitzt sie, die Schere im Kopf unserer Gutmenschen, die, multipliziert durch unsere GEZ- oder neuerdings Demokratieabgabe-Medien, täglich weiter geöffnet wird. Auf der einen Seite trauert man der guten alten, idyllischen kleinformatigen Zeit nach, ohne Großprojekte und Industrie, wo aber die Menschen mit deutlich weniger Wohlstand und Sicherheit auskommen mussten. Auf der anderen Seite hofiert man ein Einwanderungsexperiment, das sich von vorneherein als aussichtslos erweist, weil die Probanden beratungsresistent sind und noch nie mit Selbstverantwortung, gesellschaftlicher Mitverantwortung oder Solidarität und Ökologie in Berührung gekommen sind.

Diese Schere im Kopf hat garantiert das Potential, wissenschaftlich untersucht zu werden. Nachfolgende Generationen werden hier, ähnlich wie die aktuelle Forschung zum Entstehen des dritten Reiches, ein umfassendes und unerschöpfliches Potential finden – in einem nachindustriellen und ent-islamisierten Zeitalter!