Le Pen-Enkelin im Bundestag?

Marion Maréchal-Le PenKommende Woche wollen Deutschlands und Frankreichs Parlamentarier im Bundestag 50 Jahre Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Ländern feiern. Aus diesem Anlass sind alle Abgeordneten der französischen Nationalversammlung nach Berlin eingeladen.

Was eine Routine sein sollte, erwächst sich für die Hygienebeauftragten unseres Blockparteienstadels zu einem ernstzunehmenden Organisationsproblem. Ganz nebenbei ist es auch noch für unsere sogenannten Leitmedien wie den Spiegel ein berichtenswertes Ärgernis. Nein, es geht nicht etwa um die 15 Kommunisten, die seit letztem Jahr in der Assemblée national sitzen und Gutverdiener am liebsten nicht nur 75%, sondern sogar 100% Einkommenssteuer aufbrummen würden. Deren gestörtes Verhältnis zu dutzenden Millionen Todesopfern des Klassen-Holocausts stört im modernen Berlin niemand. Vielmehr geht es wieder einmal um das Schreckgespenst Le Pen, das nun in Form von Jean-Marie Le Pens hübscher und kluger Enkelin Marion Maréchal-Le Pen (Foto oben) in Frankreichs Parlament umgeht. Ihr war es im vergangenen Jahr doch tatsächlich gelungen, in ihrem Wahlkreis die Mehrheit hinter sich zu bringen, was sie im Gegensatz zu 50% Listenplatz-Parlamentariern im Bundestag zu einer wirklich vom Volk gewählten Abgeordneten macht.

Wie der Spiegel berichtet, möchte nun keine der Blockflöten mit und ohne Listenplatz neben ihr sitzen und man rauft sich die Haare, in welches Eck man sie und einen weiteren FN-Parlamentarier – so sie denn kommen – schieben kann, damit die Luft im Reichstagsgebäude nicht „faschistoid kontaminiert“ wird.

Wann lernt es unsere Politik eigentlich endlich, dass Probleme nicht verschwinden, nur weil man sie nicht zur Kenntnis nimmt? 65% der Franzosen sagen nach einer aktuell für die Zeitung Le Monde durchgeführten Umfrage, dass es zu viele Ausländer in Frankreich gibt. Der Front National, der bei der letzten Präsidentenwahl mit der Tante Marion Maréchal-Le Pens 17,9% der Stimmen geholt hat, ist in Frankreich der legitime politische Vertreter dieser Ansicht. Macht es Sinn, wahlweise 65 oder 17,9% der Franzosen aus der deutsch-französischen Freundschaft auszuschließen, nur weil deren Ansichten durch ihr schieres Vorhandensein unser Establishment beim „Deutschlandabschaffen“ stören könnten?! Damit Europa die Minimalfunktionen erfüllen kann, die auch kein PI-ler in Frage stellt, ist gerade das Wohlwollen dieser Franzosen gegenüber Deutschland unverzichtbar! Ganz abgesehen davon ist es eine Frage der Höflichkeit, wie man mit Gästen umgeht. Wollen wir darum hoffen, dass sich Marion Maréchal-Le Pen – egal ob man mit all ihren Ansichten übereinstimmt – von unseren „Demokraten“ nicht vergraulen lässt!