CDU-Frankfurt will „konservative Muslime“ locken

Michael zu Löwenstein, Chef der Frankfurter CDU-FraktionDie Frankfurter CDU ist schon eine erstaunliche Partei: In den letzten Jahren hat sie im Bündnis mit den Grünen so ziemlich alles verleugnet und entsorgt, was irgendwie als „konservativ“ gewertet respektive verteufelt werden könnte. Selbst ihren immerhin doch ein wenig konservativen OB-Kandidaten schminkte sie so unkenntlich zum Zeitgeistbubi um, dass selbst ein altlinker Sozialdemokrat keine Mühe hatte, ihn deutlich hinter sich zu lassen. Aus all dem hat die Partei anscheinend nun eine Lehre gezogen: Die CDU muss wieder konservativer werden! Allerdings um Himmels Willen nicht mit christlichen Konservativen, sondern mit solchen aus einer ganz anderen Religion und Kulturkreis.

(Von Wolfgang Hübner, im Original erschienen auf freie-waehler-frankfurt.de)

„Gerade für konservative Muslime ist die CDU die richtige Partei“, sagt nämlich Herr zu Löwenstein, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Römer, in einem aktuellen Zeitungsinterview. Und warum er zu dieser aufschlussreichen Feststellung kommt, sagt der Politiker auch: „Wir stehen für dieselben wichtigen Werte, die Wertschätzung der Familie oder des Alters zum Beispiel.“ Weil Herr zu Löwenstein lieber nicht näher auf einige andere Werte von konservativen Muslime eingehen mag, fügt er zur Absicherung noch den Standardsatz seiner Partei in jeder Integrationsdebatte an: „Wobei klar ist, dass auch ein konservativer Islam verfassungskonform sein muss.“

Will man die Ausführungen des CDU-Fraktionsvorsitzenden gutwillig interpretieren, so zeugen sie von dem Bemühen, den schwindenden Bestand an deutschstämmigen Traditionswählern in der Einwandererstadt Frankfurt mit einem neuen Wählerpotential auszugleichen. Gelänge das, würde sich die CDU gewiss auch in CMU, also „Christlich-Muslimische Union“ umbenennen. Herr zu Löwenstein hält das sicher für gut möglich, denn er sagt in dem Interview: „Wir sind doch schon lange auf dem Weg zu einer Schmelztiegel-Gesellschaft, gerade in Frankfurt.“ Warum, so mag Herr zu Löwenstein denken, sollen dann nicht aufgeklärte homosexuelle CDU-Mitglieder und emanzipierte Parteifrauen Seite an Seite mit homophoben muslimischen Männern und kopftuchtragenden Musliminnen auch künftig die Mehrheitspartei im Römer stellen?

Bei dem desolaten Zustand seiner Partei (nicht nur) in Frankfurt ist es dem Politiker nicht zu verdenken, über die weitere Entwicklung zu grübeln, Denn schließlich, so Herr zu Löwenstein in dem Interview an anderer Stelle, sei die CDU „in besonderem Maße realitätsbewusst, und die Zahlen über Migration in Frankfurt sprechen eine deutliche Sprache.“ An diesen Zahlen kommt tatsächlich keiner vorbei, die Konsequenzen daraus können aber sehr unterschiedlich sein. Für die FREIEN WÄHLER, die für die Frankfurter Bevölkerungsentwicklung nicht blind sind, ist es nicht wichtig, ob ein Mitglied oder Mandatsträger Christ, Jude, Muslim oder Atheist ist, sondern ob diese Menschen das Wahlprogramm glaub- und vertrauenswürdig vertreten.

Allerdings dürften gerade für „konservative Muslime“ die Anreize, Mitglied oder Wähler der FREIEN WÄHLER zu werden, schon deshalb minimal sein, weil sich die FREIEN WÄHLER in Frankfurt als wertkonservativ genug verstehen, um jegliche Bestrebung, eine integrationsfeindliche islamische Scharia-Ordnung heimlich oder offen zu etablieren, entschieden zu bekämpfen. Das haben die Frankfurter CDU und ihr Fraktionsvorsitzender offenbar nicht im Sinn, wenn künftig „konservative Muslime“ angelockt werden sollen. Denn „konservative Muslime“, das sind nun einmal jene, die jetzt in Ägypten, Tunesien, der Türkei und demnächst wahrscheinlich auch in Syrien das Sagen haben, vom Iran ganz zu schweigen.

In geradezu bewundernswerter Ignoranz blendet Herr zu Löwenstein aus, wie es Christen überall dort ergeht, wo „konservative Muslime“ die Macht in Staat und Gesellschaft ausüben. Dazu ist der Politiker viel zu gebannt von der Aussicht auf die Blutauffrischung seiner anämischen Partei. Es könnte allerdings gut sein, dass es am Ende weder die „konservativen Muslime“ in die CDU zieht, weil sie bei genügender Stärke schlicht keine Christenpartei mehr brauchen, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Und es könnte zudem auch die Minderheit der bekennenden Christen in der CDU zu dem Schluss kommen, dort am falschen Ort zu sein, wo führende Politiker vor lauter illusionärem Wunschdenken auch die letzten Überbleibsel einstiger Identitätsstiftung zu opfern bereit sind.

Das Interview mit dem Frankfurter Fraktionsvorsitzenden endet mit dessen Bekenntnis, die CDU sei und wolle eine „Großstadtpartei“ sein. Das haben seine Parteifreunde in Hamburg, Stuttgart und anderen Städten übrigens auch immer wieder beschwörend gesagt – und wurden danach allesamt abgewählt. Herr zu Löwenstein, diese Voraussage sei ziemlich risikolos gewagt, ist mit seinen Äußerungen ein Garant dafür, dass der CDU in Frankfurt bei den Kommunalwahlen 2016 kein anderes Schicksal beschieden sein wird.

(Foto oben: Michael zu Löwenstein, Chef der Frankfurter CDU-Fraktion)