Necla Kelek über Simsek-Buch

Semiya Simsek, die Tochter des ersten „NSU“-Opfers, hat ein Buch geschrieben. Necla Kelek hat es gelesen und ist erschüttert. Wir können uns durchaus den Schmerz vorstellen, wenn der eigene Vater ermordet wird, und man wird noch verdächtigt. Für Außenstehende sind aber andere Dinge wichtiger. Auch in diesem Buch nämlich bilden sich Simseks Anwälte ein, der kommende Zschäpe-Prozeß habe ein Schauprozeß zu werden, mit dem generell dem Rassismus und Rechtsextremismus in der deutschen Gesellschaft der Prozess gemacht werden solle.

Es ist schon erstaunlich, was sich die Herren Nebenkläger jenseits von jedem Gesetz einbilden. Der kommende Prozeß hat nur herauszufinden, ob Zschäpe und die anderen Angeklagten schuldig an irgendetwas sind und sonst gar nichts.

Das Buch enthüllt – nebenbei gesagt – unfreiwillig oder nicht, daß der ermordete Simsek durchaus Anlaß für Ermittlungen in allen Richtungen gab:

Enver band Blumensträuße und wurde eine Größe im Blumenhandel in seiner Stadt. Er betrieb sein Geschäft wie viele türkische Gewerbetreibende, die Dinge wie Sozialversicherung, Steuererklärung eher als lässlich betrachten und alles in bar abwickeln. Es gab, so schildert es Semiya, neben den Erfolgen auch Gebietsstreitigkeiten und politische Auseinandersetzungen mit einem kurdischstämmigen Konkurrenten, denn der Vater, so deutet sie an, war wohl bei der MHP oder der Milli Görüs, und der Konkurrent wurde zur PKK gezählt.

Der Vater hat auch Geld verspielt und wurde wie viele andere Moscheegänger von einer Milli-Görüs- und AKP-nahen religiösen Stiftung um viele Ersparnisse gebracht. Dann unternahmen die Eltern auf Wunsch der Mutter eine Pilgerreise nach Mekka und danach, Enver Simsek war inzwischen 38 Jahre alt und hatte zwei halbwüchsige Kinder, wollte er es beruflich etwas ruhiger angehen lassen.

Diese Schilderung entlastet unsere Polizei regelrecht. Kein Wunder, daß sie in alle Richtungen ermittelte. Necla Kelek wäre aber nicht Necla Kelek, wenn sie nicht auch mit den Islam-Verbänden ins Gericht ginge, die zum Beispiel nie etwas zu den 200 Ehrenmorden seit 1995 verlauten ließen. (Hier ihr langer Artikel!)