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Alles fing mit einem Imam an, der in meinem Heimatdorf lehrte. Ich war ein schüchterner Junge. In der fundamentalistischen Ideologie fand ich Sicherheit, wenn auch keine Selbstsicherheit. Wie ich mich von den Verführungen des religiösen Fundamentalismus abgewendet habe. Gerade mal 13 Jahre war ich alt, ein schüchterner Junge mit wildem Lockenkopf, als ich ein junger Islamist wurde. Ich spielte gern Fußball, und weil wir beim Kicken viel Lärm veranstalteten, hatte ich mich ständig mit meinen Großeltern in der Wolle. Am Saum des staubigen arabischen Dorfes nahe bei Tel Aviv endete die Welt, die ich bis dahin gekannt hatte. All das ist fast 24 Jahre her. In der Schule war ich gut, aber ich fand nur schwer Freunde. Oft stand mir meine Schüchternheit im Weg. Umso geschmeichelter fühlte ich mich, als sich plötzlich unser örtlicher Imam und Religionslehrer für mich interessierte. Er hielt mich auf dem Schulweg an und suchte das Gespräch mit mir. (Weiter im Tagesspiegel)

17 KOMMENTARE

  1. Ein wirklich sehr gutes persönliches Zeitdokument!

    „Doch die Fixierung der Sicherheitskräfte auf den Jargon der Gewalt führt dazu, dass andere demokratiefeindliche Inhalte unbeachtet bleiben. Manchmal wird sogar ein Imam, der ein reines Lippenbekenntnis zur Demokratie ablegt, als deren Stütze gefeiert – da setzt der Irrtum ein.“

    An welchen Imam muss ich wohl gerade denken?

  2. das ganze hat nichts als den Effekt, dass in der Öffentlichkeit Salafismus als Ausnahme, als Auswuchs einer Minderheit wahrgenommen wird, und der Islam ansonsten ja in Ordnung geht.
    Das geht aus dem Artikel selbst hervor.

    Das bringt die Aufklärung keinen Millimeter nach vorne, im Gegenteil.
    Die Kommentare zu diesem Artikel tun ein Übriges.
    Da wird dann Religion entweder im allgemeinen Kontext kritisiert, oder eben der Salafismus isoliert vom Islam gesehen.

  3. Es ist nicht nur die ideologische Perspektive des Islam, bezeichnet als Islamismus, die Anlass zur Sorge um unsere Sicherheit und Demokratie gibt. Nein, es ist auch die Separation der Umma und der bereits etablierte islamische Antisemitismus und Rassismus in unserer Gesellschaft. Gestützt von Kräften in dieser Gesellschaft die unter dem Missverständnis von Religionsfreiheit und Toleran die Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Nicht-Muslimen nicht nur zulassen sondern auch noch fördern.

    Wir erleben tagtäglich, in den Medien oder auch bei Kundgebungen, immer wieder dass Bürger, die Religionskritik am Islam üben, als Islamhasser, Rassisten, Rechtsextremisten oder gar Nazis beschimpft werden.

    Umso erstaunlicher, als dass die Religionskritik am Christentum, an der katholischen Kirche und dem Papst als selbstverständliches Bürgerrecht in dieser Gesellschaft akzeptiert ist und völlig anders bewertet und in den Medien dargestellt wird.

    Ein gutes Beispiel hierfür sind nicht nur die aktuellen Debatten um die Rolle der katholischen Kirche sondern die Demonstration gegen den Papstbesuch vom 22.09.2011. Unter dem Slogan: „Der Papst kommt! Bündnis gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes, demonstrierten 15.000 Menschen friedlich und fröhlich. Auch zahlreiche Bundestagsabgeordnete setzten ein Zeichen gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes“.

    Ersetzt man nun das Wort „Papst“ durch das Wort „Islam“ würde die mediale Berichterstattung wohl eine ganz andere sein: „Der Islam kommt! Bündnis gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Islam. Unter diesem Slogan demonstrierten 15.000 rechtsextremistische Islamhasser feindselig und rassistisch gegen unsere muslimischen Mitbürger und provozierten Gewalt“.

    So oder so ähnlich würde die politisch korrekte Berichterstattung wohl lauten, wenn eine solche Veranstaltung durchgeführt würde, was für die Zukunft ja nicht auszuschließen ist, wenn wir diese Missstände ehrlich und religionsübergreifend ändern möchten. Die Realität ist aber leider eine ganz andere. Tatsächlich ist festzustellen, dass die kultursensible Akzeptanz und Toleranz gegenüber dem Islam einen alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft etabliert hat, deren gesellschaftliche Spaltung sich nicht nur durch die institutionalisierte Religionsausübung, sondern auch in dem täglichen Miteinander zum Ausdruck kommt.

    Wir finden hierzu viele Beispiele im alltäglichen Leben:

    Das Heiratsverbot im Islam zwischen Muslima und Nicht-Muslim.

    Das Heiratsverbot im Islam zwischen Muslime und Atheisten.

    Hier zeigt sich besonders deutlich die Intoleranz des Islam gegenüber Nicht-Muslimen die abwertend als Kufir bzw. Dhimmis diskriminiert werden: http://www.enfal.de/news24.htm

    Social Network für Muslime: http://www.salamworld.com/company-profile/

    Reiseportal nur für Muslime: http://www.muslim-hotel.de/

    Personenbeförderung nur für Muslime: http://muslimtaxi.de/index.php

    Haben Sie schon festgestellt ob es Personenbeförderung nur für Buddhisten, Christen, Hinduisten oder Juden gibt ? Nein ? Warum ist das so ?

    Partnerbörsen: http://www.asikiss.com/de

    Halal-Industrie: http://halal-produkte.eu/

    Kruzifixverzicht und Toiletten nur für Muslime:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/diskussion-um-zugspitz-werbung-das-ist-der-gipfel-1.1440890-2

    Islamische Prostitution: http://www.welt.de/politik/article1955790/Saudis-rechtfertigen-Bordellbesuch-mit-Zeitehe.html

    Dies alles sind Elemente die nicht zu der Integration der Muslime beitragen, sondern einen Separationswillen und Rassismus zum Ausdruck bringen und an die dunkelste Zeit Deutschlands erinnern. Während der nationalsozialistischen Regierungszeit gab es eine Trennung zwischen Juden und Nicht-Juden die das alltägliche Leben durchdrang und heute, völlig zu Recht, als Rassismus verurteilt wird. Umso unverständlicher, dass die heutige islamische, rassistische Diversifikation zwischen muslimisch und nicht-muslimisch, als kulturelle Bereicherung nicht nur akzeptiert sondern auch noch unterstützt wird. Die Fakten entlarven eindeutig einen Kulturrassismus, der jedoch durch eine integrationspolitisch zielführende Kommunikation relativiert wird. Mit einem demagogischem Euphemismus und Pro-Islamischer Apologetik wird der Bevölkerung ein kultursensibles Verständnis für diesen Rassismus abverlangt, welches sich als bereicherndes Verständnis etablieren soll. Parallel erfolgt hierzu eine Polemik in Bezug auf alle Äußerungen, Aktionen und Positionen die dieser integrationspolitischen Zielführung widerstrebt.
    Weder beim Buddhismus, Hinduismus oder anderen Religionen hat sich eine derartige kulturelle Sonderstellung ausgeprägt. Damit hat der Islam in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal, dass es zu hinterfragen und zu kritisieren gilt. Leider gibt es durch die Vertreter der „bunten Islamverteidiger“ hierzu keine Bewertung und öffentliche Stellungnahmen.

  4. Zitat aus dem Essay:

    „Gebraucht wird eine demokratiefähige Islaminterpretation mit klaren Positionen im Hinblick auf unser Grundgesetz. So und nur so finden Muslime in der Demokratie zur nötigen Freiheit der Auslegung islamischer Glaubensinhalte.“

    Geht nicht, lieber Autor, und das wissen Sie.
    Wer die Demokratie anerkennt, ist kein Moslem mehr. Für den Mohammedaner ist die Scharia für immer und ewig verbindlich. Und dann? Kopf ab?

  5. #8 rene44 (26. Mrz 2013 13:10)

    So ist es und beim Lesen der Kommentare habe ich exakt dasselbe gedacht: Der „Islam“ muß auf jeden Fall sakrosankt bleiben, indem man möglichst viele „Islamisten“, „Salafisten“, „Fanatiker“ erfindet. Dabei ist alles, was der „Ex-Salafist“ sagt, Wort für Wort der ganz normale Islam. Der Koran, wie er für alle gilt. Die Hadithe, wie sie in ihrer ganzen Pracht überliefert sind. Die ganz normalen, islamischen Normen und Dogmen, die jeder Mohammedaner verinnerlicht hat. Der eine steckt im Nachthemd und hat einen Fusselbart; der andere im Anzug und ist glattrasiert. Aber der Islam, der in ihrem Kopf ist, ist immer und überall derselbe.

  6. So ist es aber. Aber dann hätte der Beitrag nie den Weg an die Öffentlichkeit gefunden, jedenfalls nicht in einer Zeitung wie den Tagesspiegel. Wahrscheinlich in gar keiner. Ich bin schon froh, dass dieser Artikel so existiert. Man muss die Leute schrittweise aufklären, zuviel Änderung auf einmal verschliesst den Kopp. 🙂

  7. OT: Hass-Attacke auf Til Schweiger

    In der Nacht zu Montag schmissen Unbekannte Farbgläser auf das Haus des Schauspielers in Hamburg, das davor parkende Auto seiner Freundin Svenja (26) brannte lichterloh. Schweigers Kinder waren zum Tatzeitpunkt allein im Haus! In einem Schreiben, das der „Hamburger Morgenpost“ vorliegt, bekennt sich eine Gruppe namens „Tatortreiniger_innen“ zu dem Anschlag und drohen mit weiteren Aktionen. Die Täter protestieren gegen Schweigers Film „Schutzengel“ und öffentliche Äußerungen des Schauspielers, die den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr verherrlichen würden

    Alleine aus dem Namen „Tatortreiniger_innen“ dieser Terrorgruppe wird sofort ersichtlich welch Geistes Kind diese Leute sind. Aber vielleicht schaffen es ja die Ermittler dennoch eine Verbindung zur NSU hinzubiegen.

  8. Ich sagte doch gleich, dass die deutschen Salafisten nichts als einsame Verlierer sind, Außenseiter ohne Freunde, die auch beim anderen Geschlecht keinen Erfolg haben, und daher nach einer Gemeinschaft streben, in der auch sie endlich mal Akzeptanz und Anerkennung erfahren. Um dies zu erreichen – dafür ist ihnen nahezu jedes Mittel Recht. Da wirft man schnell Moral und Anstand über Bord. Daher bin ich bei Barino Barsoum auch etwas skeptisch. Er weicht gerne mal den Fragen aus, warum er sich konkret radikalisiert hat. Dass er nach „Spiritualität“ und dem „Sinn des Lebens“ gesucht habe, bietet dafür keine hinreichende Erklärung. Es ergeben sich bei allen konvertierten Salafisten Parallelen:

    „(…)In der Schule war ich gut, aber ich fand nur schwer Freunde. Oft stand mir meine Schüchternheit im Weg. (…)
    Als ich hörte, dass ich zu einem Volk zählte, das einmal groß und mächtig war, löste das in mir ein ungeahntes Hochgefühl aus. Das Beste aber war: Endlich fand ich Freunde! Uns einte eine gemeinsame Mission. (…)
    Die wirklich hübschen Frauen und Mädchen zu verachten fiel mir sogar leichter, als mein Interesse an ihnen zuzulassen – sie schienen ohnehin unerreichbar. (…)
    Salafisten wie mein damaliger Imam gehen auch hier inzwischen auf Kinderfang. (…)
    Prediger wie Abu Nagi oder Pierre Vogel und deren Anhänger bieten Kindern und Jugendlichen Zuflucht, Akzeptenz und Orientierung. (…)
    Haben sich Jugendliche einmal der Autorität der Salafisten ergeben, werden sie wie in einer Sekte zu willenlosen Marionetten, von eiserner Hand geführt. (…)“

  9. Weiter heißt es:

    „(…)Die Gesellschaft sollte sich nicht in die Irre führen lassen und nur darauf achten, ob Salafisten und Islamisten das Bombenlegen preisen. Tatsächlich sind gewaltbereite Dschihadisten noch in der absoluten Minderheit, sogar unter Salafisten. Doch die Fixierung der Sicherheitskräfte auf den Jargon der Gewalt führt dazu, dass andere demokratiefeindliche Inhalte unbeachtet bleiben. Manchmal wird sogar ein Imam, der ein reines Lippenbekenntnis zur Demokratie ablegt, als deren Stütze gefeiert – da setzt der Irrtum ein. Gewalt beginnt nicht erst, wo Menschen im Namen von Religion andere töten wollen. Auch Schläge in Erziehung und Ehe säen Gewalt, auch das Propagieren von Geschlechterapartheid, der Exklusivitätsanspruch einer Religion, das Ablehnen von Rechtsstaat und Demokratie oder der Glaube, andere vor einem gottlosen Leben retten zu müssen: All das repräsentiert Facetten struktureller Gewalt, die der physischen vorgelagert und deren Bedingung ist.

    Leider benutzen manche muslimische Organisationen die aktuelle Debatte, um Salafisten als alleinige Sündenböcke für radikale Tendenzen im Islam verantwortlich zu machen. Nicht selten täuschen sie damit darüber hinweg, wie radikal sie teils selber sind. (…)
    Insgeheim bewundern viele die „konsequenten und starken Moslems“, als die sie die Salafisten ansehen. (…)
    Im linken Spektrum der Gesellschaft zeigt man sich konfliktscheu und führt man das Phänomen von radikalen Muslimen allein auf die erfahrene Diskriminierung und Ausgrenzung zurück.(…)“

    Fazit: Lesenswert!

  10. Da wird auch deutlich, dass die Hassprediger nicht an der Spiritualität und der individuellen Person der einzelnen Konvertiten interessiert sind, sondern es geht ihnen schlichtweg darum, ihre Anhängerschaft zu vergrößern, um ihre persönlichen Pläne umsetzen zu können, wofür sie die Konvertiten als „Werkzeuge“ missbrauchen. Insgeheim lachen sie sich doch über die Naivität der konvertierten Jugendlichen schlapp.

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