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Wiedersehen mit Mohammed & Karl dem Großen

Posted By PI On 16. März 2013 @ 18:53 In Buch-Tipp,Islamaufklärung | Comments Disabled

[1]Emmet Scott ist ein Historiker, spezialisiert auf die antike Geschichte des Nahen Ostens. Während der letzten zehn Jahre hat er sich insbesondere mit der späten klassischen Zeit und ihrem Niedergang beschäftigt, den er als eines der wichtigsten Ereignisse der westlichen Zivilisation ansieht. Das vorliegende Dokument [2] ist das letzte Kapitel aus dem Buch von Emmet Scott. Er befasst sich mit den Thesen des belgischen Historikers Henri Pirenne zur Geschichte Europas vor und nach dem Beginn der islamischen Eroberungen um 700 n.Chr. Wir haben den Text übersetzt, leicht umstrukturiert und mit Untertiteln und ->Links versehen.

Henri Pirenne [3]  (1862 – 1935)

1. Die germanische Völkerwanderung hat weder die Einheit der vom Mittelmeer getragenen Kulturwelt zerstört noch das vernichtet, was an wesentlichen Elementen der römischen Kultur noch im 5. Jahrhundert bestand. […]

2. Das Abbrechen der antiken Tradition ist durch den raschen unvorhergesehenen Vormarsch des Islam ausgelöst worden. Die Folge war, daß die Einheit des Mittelmeerraumes zerstört und der Orient endgültig vom Abendlande geschieden wurde. Länder wie Afrika und Spanien, die bis dahin zur abendländischen Welt gehört hatten, fallen seitdem in den von Bagdad aus bestimmten Bereich.

Die Schließung des Mittelmeeres und der Verlust von Papyrus

Wir haben gesehen daß – egal was auch sonst in Europa jener Zeit geschah – die griechisch-römische Kultur in ihrem Kernland, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika ein abruptes Ende genommen hatte. In rasantem Tempo erschien in diesen riesigen Territorien eine neue, komplett andersartige Zivilisation. Diese neue islamische Kultur erbte die Ressourcen, den Reichtum und Wissensschatz der vorhergegangenen und hatte von Anfang an einen enormen Vorteil gegenüber den Überbleibseln des römischen Reiches in Europa. Letzteres war noch vorwiegend ländlich, meistens „heidnisch“ und tribalistisch. Trotzdem war es das Zuhause einer großen und anwachsenden Population welche in den Gebieten des ehemaligen römischen Reiches wie Gallien, dem zentralen Europa sowie Spanien noch immer stark unter dem Einfluß von Rom, oder spezifischer von Byzanz stand. Wie Pirenne aufzeigte, beendete der Verlust des Nahen Ostens sowie Nordafrikas an den Islam die meisten der Handels- sowie kulturellen Kontakte welche vorher zwischen diesen Territorien und Europa bestanden hatten.

Letzteres verarmte jedoch nicht, es war im späten 6. Jahrhundert ökonomisch größtenteils unabhängig. Der Handel mit Luxusgütern wie Wein und Gewürzen sowie der kulturelle und politische Einfluß von Byzanz nahmen allerdings ein Ende. Die großartigen westgotischen und merowingischen Basiliken mit ihren Marmorsäulen und bunten Mosaiken wurden nach einer längeren Pause in der Bautätigkeit mit den eher düsteren und kleineren Strukturen der romanischen Periode des 10. Jahrhunderts ersetzt. Im großen Ganzen hatte der Kontaktverlust mit dem Osten für die Mehrheit der Europäer also keine schrecklichen ökonomischen Konsequenzen. Im Gegenteil; sie wurden auf ihre eigenen Ressourcen zurückgeworfen und es kann durchaus sein, daß den wichtigen westlichen Traditionen wie Erfindungsreichtum und Innovation eben zu jener Zeit Leben eingehaucht wurde. Es gab jedoch ein Produkt, dessen Verlust nicht einfach wieder gut gemacht werden konnte, und sein Fehlen hatte einen tiefgreifenden Einfluß auf den Westen: Papyrus.

Als kulturelles Ereignis kann der Abbruch der Lieferungen von Papyrus nach Europa nicht überschätzt werden; in Tat und Wahrheit wurde es bisher unterschätzt. Papyrus gehörte zu den relativ billigen Schreibutensilien und wurde überall im städtischen sowie merkantilen Milieu verwendet. Es bot sich auch als Material an, auf welchem fast das ganze Wissen und  Gedankengut der Antike festgehalten wurde. Der Verlust von Papyrus führte unweigerlich zum Verlust der Hauptmasse klassischer Literatur – einmal abgesehen von den Bemühungen der Kirchenleute davon Abschriften auf Pergament zu erstellen. Von der Mitte des 7. Jahrhunderts an entwickelte sich Europa im Grossen und Ganzen zu einer ungebildeten Gesellschaft und die gelehrten sowie redegewandten Stadtbewohner welche so typisch für die klassische Antike waren, verschwanden. Von nun an konnten außer dem Klerus (auch da nicht ausnahmslos) sehr wenige Menschen lesen und schreiben.

Das Resultat der muslimischen Eroberungen:

Die kulturelle Zerstörung der Levante und Nordafrikas

Der Einfluß des Islam auf Europa war also in erster Linie kultureller und nicht, wie Pirenne annahm ökonomischer Natur. Und nachdem der Islam Europa von den Quellen der klassischen Lehren abgeschnitten hatte, begann er seine Macht auf den Kontinent auszuüben. Hier müssen wir wiederum etwas betonen, was bisher zu wenig Beachtung gefunden hat: tatsächlich war die Einwirkung des Islam auf Europa immens. In den vorislamischen Jahren kam der überwiegende kulturelle Einfluß aus dem Osten, von Byzanz und der Levante. Nachher kam er noch immer aus dem Osten; Osten bedeutete nun aber Islam. Und die Ideen vom Nahen und Mittleren Osten sowie von Nordafrika, welche jetzt das Mittelmeer überquerten waren alles andere als aufgeklärt.

Avicenna und Averroes – was haben sie gebracht?

Der Konsens geht dahin, daß der Islam im Frühmittelalter eine bedeutende kulturelle und ideologische Auswirkung auf Europa hatte. Wie wir gesehen haben tendieren die Historiker dazu, sich auf Wissenschaft und Philosophie zu konzentrieren. Es ist zum Beispiel bekannt, daß islamische Gelehrte im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert, beginnend mit dem Perser Avicenna (Ibn Sina), ausführliche Kommentare zum Werk von Aristoteles verfaßten.

Avicenna (Abdullah Ibn Sina) 980 – 1037

Diese versuchten sie – allerdings mit nur geringem Erfolg muß man hier anfügen – ins islamische Gedankengut zu integrieren. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts übernahm der spanische Muslim Averroes (Ibn Rushd) den Stab von seinem Vorgänger und schrieb seine eigenen Kommentare über den griechischen Philosophen.

-> Ibn Rushd (Averroes) [4]
-> Bidayat-al-mudjtahid: DER JIHAD [5]

Zu der Zeit waren die arabischen Lehren den europäischen Schriftgelehrten bekannt. Männer wie zum Beispiel John von Salisbury hatten sogar eigene Vertreter in Spanien, welche die arabischen Manuskripte beschafften und sie dann ins Lateinische übersetzten. „Bald waren die Ausführungen von Averroes so verbreitet in Europa“, sagt ein Historiker, „daß er der ‚Kommentator’ und Aristoteles der ‚Philosoph’ genannt wurde.“ [1] Etwas früher hatten sich christliche Europäer in die von Muslimen kontrollierten Gebiete wie zum Beispiel Sizilien aufgemacht um sich – oft verkleidet – Zugang zum wissenschaftlichen und alchemistischen Wissen der Sarazenen zu verschaffen. Kein Geringerer als Gerbert von Aurillac, das Genie des 10. Jahrhunderts auf welchem die Figur von Faust basiert, reiste genau zu diesem Zweck in die muslimischen Territorien.

Der tief greifende islamische Einfluß auf das philosophische und theologische Denken der Europäer wurde auch von Briffault hervorgehoben der dazu folgendes sagt: „Der exakte Parallelismus zwischen der islamischen und der christlichen Kontroverse ist zu engmaschig um mit der Ähnlichkeit ihrer Situation wegdiskutiert werden zu können und die Überschneidungen sind zu fundamental und zahlreich als daß sie lediglich als solche anerkannt werden sollten. … Dieselben Fragen, dieselben Themen welche die theologischen Schulen in Damaskus beschäftigten, tauchten nach einer Zeitspanne von einem Jahrhundert auf identische Weise in Paris auf.“ [2] Und weiter: „Die gesamte Wortklauberei der arabischen theologischen Debatte hat sich physisch auf das Christentum übertragen. Die Schlagwörter, Dispute, die verärgerten Fragen, Methoden, Systeme, Konzepte, Häresien, die Apologetik und -> Irenik [6] wurden von den Moscheen an die Sorbonne transferiert.“ [3]

Die Juden bringen kulturelles Wissen aus dem Osten

Natürlich kamen die Europäer nicht umhin, von dem was sie im islamischen Spanien und Süditalien entdeckten beeindruckt zu sein. Sie selbst lebten ja in einer relativ zurückgebliebenen Umgebung. Wichtige Technologien gelangten in dieser Zeit via jüdische Händler und Gelehrte – sie waren für eine Weile die einzige Menschengruppe welche die christlich-islamischen Grenzen in Sicherheit überqueren konnte –  nach Europa. Letzteres verdankt seine Aneignung von Erkenntnissen über das „arabische“ numerische System,  alkoholische Destillation, möglicherweise Algebra sowie eine Menge anderer Information diesen jüdischen Reisenden unter welchen sich Ärzte, Alchemisten und Mathematiker befanden. „Mohammedanische Philosophie und Theologie wurden von den Juden und dem weltstädtischen Haus von Monte Cassino in die Klöster der Benediktiner gebracht.“ [4] Speziell die spanischen Juden „überbrachten arabische Versionen griechischer Denker der Christenheit.“ [5] In Tat und Wahrheit war der Beitrag dieser jüdischen Händler und Gelehrten derart wichtig, daß man wohl sagen kann, die Juden hätten Europa im richtigen Moment mit dem Wissen beliefert, welches es ihnen ermöglichte, dem muslimischen Ansturm stand zu halten. Und wir wissen ja, wie Europa sich später bei ihnen bedankt hat!

Der Islam konfrontiert Europa mit einer ausgefeilten Unterwerfungsdoktrin

Alles oben gesagte ist weit herum bekannt und wird von niemanden in Abrede gestellt. Wie wir jedoch sahen, mangelte es den Europäern keinesfalls an ihren eigenen griechischen und lateinischen Texten. Buchstäblich alle klassische Literatur welche uns überliefert ist, wurde von fleißigen christlichen Mönchen und nicht von arabischen Philosophen überliefert. Zudem werden wir nun verfechten, daß der wahre ideologische Abdruck des Islam nicht das aufgeklärte Denken von Avicenna und Averroes – welches abgelehnt und aus dem muslimischen Kanon herausgeworfen wurde – sondern dunkleres Material aus dem Koran und den hadith-Sammlungen war: Dies sind die Doktrinen

– des immerwährenden Krieges gegen die Ungläubigen
-> Ziel des “Heiligen Krieges [7]
– der heiligen Täuschung (taqiyya)
-> Taqiyya [8]
– der Todesstrafe für Apostaten und Häretiker
-> Abfall vom Glauben / Apostasie [9]
– der Folter im Rechtswesen
-> Ungläubige können bei Bedarf gefoltert werden [10]
– des Sklaven- und Konkubinenerwerbs als rechtschaffene Arbeit
-> Sklaven im Islam [11]
-> Sexueller Mißbrauch von Sklavinnen und weiblichen ungläubigen Kriegsgefangenen [12]

Es waren diese Lehren und nicht diejenigen der Philosophen welche unauslöschliche  Spuren im mittelalterlichen Europa zurückgelassen haben – gleich von allem Anfang an.

Bilderstürmerei

Die erste islamische (oder koranische) Idee, welche in Europa Anhänger fand, und die erste sichtbare und beachtete war der Impuls zu Bilderstürmerei, die Zerstörung von religiösen Bildern und Kunst. Sie begann ungefähr zwischen 726 und 730 als der byzantinische Kaiser Leo III die Entfernung und Zerstörung aller sakralen Statuen und Bilder im gesamten Reich anordnete. Die Rechtfertigung entnahm er der diesbezüglichen Anprangerung im Alten Testament, allerdings ist es offensichtlich, daß er dazu in der aktuellen Situation vom Islam inspiriert wurde.

Dieses Ereignis der Bilderstürmerei-Episode ist von vorrangiger Wichtigkeit. Es wurde immer wieder die Frage aufgeworfen: Wie ist es möglich, daß der byzantinische Kaiser gegen eine der fundamentalen Grundpfeiler seines Glaubens (die Verehrung von heiligen Bildern) vorging indem er sie in einer Art zerstören ließ, die an Oliver Cromwell erinnert? Das konnte nur durch eine sehr tiefgehende Krise ausgelöst worden sein. Wir sahen bereits, daß das Vordringen des Islam in den ersten Jahren unaufhaltbar schien. Das Kaiserreich erlitt Niederlage um Niederlage. Innerhalb einer guten Dekade hatte es alle Besitzungen außerhalb Anatoliens verloren. Das schloß die reichsten und produktivsten Provinzen Ägypten und Syrien ein, einst zentrale Reichsteile während mehr als 700 Jahren. Das Reich erlebte seine dunkelsten Zeiten und der Fall von Konstantinopel schien unausweichlich. Es sind genau Erschütterungen dieser Art – solche, die unsere schiere Existenz bedrohen – die Menschen dazu führen, grundsätzliche Fragen zu stellen und das zuvor Undenkbare zu denken. Die Byzantiner werden ihre Niederlagen als Zeichen göttlichen Zorns interpretiert haben und als Indikator etwas falsch zu machen – etwas, was ihre muslimischen Gegner vielleicht richtig machten: Ein zentraler Grundsatz des Islam ist das Verbot der Verehrung von Bildern und Statuen welche als Götzenanbetung verdammt wird. Sicherlich erkannten einige Byzantiner genau dies als zentrales Problem.

Wenn diese psychologischen Hintergründe der byzantinischen Bilderstürmerei zugrunde liegen wird klar, daß Konstantinopel islamisches Denken nicht willentlich und enthusiastisch übernommen hat. Vielmehr muß man annehmen, daß die Byzantiner glaubten, der neue Glaube aus Arabien stünde in der Gunst Gottes. Die Übernahme islamischer Ideen schien also ein Weg zu sein, tiefliegende Probleme zu lösen. Immerhin gilt es zu vermerken, daß so oder so islamische Konzepte übernommen wurden. Die ganze christliche Welt in Ost und West wurde durch den Islam bedroht und auf die eine oder andere Art begannen Christen, die Übernahme islamischer Ideen als Antwort auf diese Krise anzusehen.

Die Bilderstürmerei verursachte einen großen Zwist im Reich und wurde insbesondere im Westen verworfen – was wiederum, so scheint es,  zum endgültigen Bruch zwischen dem Papst und Konstantinopel beitrug. Schon die einfache Tatsache, daß ein byzantinischer Kaiser eine so offensichtlich vom Islam inspirierte Politik einführte beweist den großen Einfluß, welche diese Ideologie in Europa gewann.

» Morgen: Teil 2

(Im Original erschienen auf derprophet.info [13])


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[2] vorliegende Dokument: http://www.newenglishreview.org/Emmet_Scott/Mohammed_%26_Charlemagne_Revisited%3A_The_Epilogue/

[3] Henri Pirenne: http://www.historicum.net/themen/klassiker-der-geschichtswissenschaft/a-z/art/Pirenne_Henri/html/artikel/2507/ca/dd2da8ae6ccd2b52d8286b3d2f94cb48/

[4] Ibn Rushd (Averroes): http://derprophet.info/inhalt/anhaIbn%20Rushd%20(Averroes

[5] Bidayat-al-mudjtahid: DER JIHAD: http://derprophet.info/inhalt/bidayat-al-mudjtahid-htm/#DER%20JIHAD

[6] Irenik: http://de.wikipedia.org/wiki/Irenik

[7] Ziel des “Heiligen Krieges: http://derprophet.info/inhalt/ziel-des-heiligen-krieges.htm/

[8] Taqiyya: http://derprophet.info/inhalt/taqiyya.htm/

[9] Abfall vom Glauben / Apostasie: http://derprophet.info/inhalt/abfall-vom-glauben.htm/

[10] Ungläubige können bei Bedarf gefoltert werden: http://derprophet.info/inhalt/das-bild-unglaeubigen-htm/#16.%20Sie%20können%20bei%20Bedarf%20gefoltert%20werden

[11] Sklaven im Islam: http://derprophet.info/inhalt/sklaven-im-islam.htm/

[12] Sexueller Mißbrauch von Sklavinnen und weiblichen ungläubigen Kriegsgefangenen: http://derprophet.info/inhalt/sharia-htm/#III%29%20Sexueller%20Missbrauch%20von%20Sklavinnen%20und%20weiblichen%20ungläubigen%20Kriegsgefangenen

[13] derprophet.info: http://derprophet.info/inhalt/ein-wiedersehen-mit-mohammed-und-karl-dem-grossen/