Bonn: Kein Handlungsbedarf für Opferschutz

JugendgangWie bereits berichtet, stehen derzeit Bonn-Beuel und vor allem Oberkassel im Fokus von gewalttätigen Jugendbanden. Die Situation ist unfassbar und spitzt sich immer weiter zu. Vorgestern wurde ein 17-Jähriger von zwei Tätern attackiert und mit dem Tode bedroht für den Fall, dass er noch einmal gegen sie aussagen würde. Doch die Justiz sieht nach wie vor keinen Handlungsbedarf!

(Von Verena B., Bonn)

Der Bonner General-Anzeiger berichtet über diesen unfassbaren Skandal polizeilicher Willkür:

Opfer der Jugendbande mit Tod bedroht

Die jugendlichen Opfer einer in Beuel und Oberkassel tätigen Jugendbande fühlen sich von der Justiz im Stich gelassen. Seit Monaten treiben die jungen mutmaßlichen Täter ihr Unwesen in den Ortsteilen entlang der Bahntrasse Richtung Süden, haben an die 50 Straftaten begangen. Gewalt von Jugendlichen gegen andere Jugendliche beschäftigt Ermittler und Gericht zunehmend. In Bonn rotten sich der Staatsanwaltschaft zufolge immer mehr Jugendliche zu Banden zusammen.

Am Donnerstag wurde ein 17-jähriges Opfer nach Aussage seiner Mutter von zweien der Täter attackiert und mit dem Tode bedroht für den Fall, dass er noch einmal gegen sie aussagen sollte. Doch die Justiz reagierte auch am Freitag nicht, wie der GA erfuhr. Es liege kein Haftgrund vor, war die erste Reaktion der Staatsanwaltschaft auf eine entsprechende Anfrage.

Als Grund hieß es zunächst weiter, diese neuerliche Attacke gegen den 17-jährigen Zeugen stehe nicht im Zusammenhang mit der vorhergehenden Aktivität des 16-jährigen mutmaßlichen Täters in der Jugendbande. Das aber trifft weiteren GA-Recherchen zufolge nicht zu. Abgesehen davon ist der 16-Jährige auch alles andere als ein kaum beschriebenes Blatt, wie die Staatsanwaltschaft zuvor erklärt hatte. Im Gegenteil.

Nach GA-Informationen ist der 16-Jährige bei Polizei und Justiz seit seinem 13. Lebensjahr als Intensivtäter bekannt. Zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Raubes, Diebstahls und anderer Straftaten wurden bisher gegen ihn geführt.

Und erst in der vergangenen Woche stand er vor dem Jugendrichter wegen Raubes – und kam mit einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten davon. Dabei lagen zu dem Zeitpunkt, wie der GA erfuhr, bereits weitere Anklagen gegen ihn vor. Er gilt für die Ermittler als der Haupttäter der Bande. Bei der Polizei bestätigte man am Freitag den Eingang einer weiteren Anzeige gegen ihn und seinen Kumpel wegen Bedrohung. Nach Auskunft der Mutter des Opfers hatten der 16-Jährige und dessen Mittäter ihrem Sohn am Donnerstagmittag nach der Schule aufgelauert. Der Kumpel habe ihren Sohn an der Kehle gepackt, der 16-Jährige habe dem Sohn ins Gesicht geschlagen und gedroht: „Wenn du noch mal bei der Polizei gegen mich aussagst, bringe ich dich um.“ Für diese Mutter und die Mutter eines anderen Opfers der Bande ist die Situation, wie sie erklären, mittlerweile unerträglich geworden: Die Opfer trauten sich aus Angst vor weiteren Übergriffen kaum noch vor die Tür.

Was die Eltern aber regelrecht erbost: dass ihre Söhne den Mut hatten, als Zeugen auszusagen und nun allein gelassen werden. Sie sind vor allem entsetzt darüber, dass sie von den Behörden keinerlei Schutz erfahren. „Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass unsere Jungs Angst haben rauszugehen, die Täter aber weiter unbehelligt ihrer Wege gehen und ihre Opfer auch noch ungestraft weiter attackieren und bedrohen können“, sagte eine Mutter im Gespräch mit dem GA.

Auf die Frage, warum das so ist, war am Freitag keine klare Antwort zu erhalten. Nur soviel wurde deutlich: Hinter den Behördenkulissen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht glühten die Telefondrähte, die Ursachenforschung lief nach GA-Information auf Hochtouren. Und fest steht auch: Seit der ersten GA-Veröffentlichung in der vergangenen Woche über die Probleme mit der Jugendbande hat sich die Situation nach Einschätzung der Eltern weiter zugespitzt. Sie hoffen nur, dass endlich etwas geschieht.

Experte Klaus Holtz vom Weißen Ring hatte bereits zu den Überfällen in Beuel und Oberkassel Stellung genommen  und den Jugendlichen geraten, nicht alleine unterwegs zu sein, schon gar nicht im Dunkeln, sondern in Gruppen. In Akut-Situationen könnten die Eltern auch Fahrgemeinschaften bilden.

Holtz schlägt sachdienlich vor: „Bitte keinen Widerstand leisten und alles herausgeben.“ Wir sagen: Da wären doch Schilder „No-go-area für Deutsche“ in den betroffenen Stadtteilen eine bessere Lösung – und eine tolerant-systemkonforme noch dazu!