Mord-Anschlag oder neues Salafisten-Märchen?

vogel rede 380Im Juli 2012 erhob der „islamische Aktivist“ Stefan Salim Nagi schwere Vorwüfe gegen Pierre Vogel (Foto) und den Kölner Hartz-IV-Salafisten Abou Nagie: beide wollten, so Nagi, einen Mord an dem Islam-Kritiker Zahid Khan in Auftrag geben. Kurz darauf leitete Oberstaatsanwältin Dorothea Winter in Darmstadt ein Ermittlungsverfahren gegen Nagie und Vogel wegen versuchter Beteiligung an einem Verbrechen ein, das im November 2012 wieder eingestellt wurde. Jetzt erhebt Stefan Salim Nagi erneut schwere Vorwürfe: die Staatsanwaltschaft habe sich geweigert, aussagebereiten Salafisten Zeugen-Schutz zu gewähren. Auch sollen Pierre Vogel & Co. für einen gescheiterten Mord-Anschlag auf ihn in der Nacht vom 12. auf den 13. April verantwortlich sein.

(Von Peter H., Mönchengladbach)

Rückblende: Alles begann damit, dass der Islam-Kritiker und selbsternannte Prophet Zahid Khan das Buch „Die Verbrechen des Proheten Mohammed“ geschrieben hat. Ein Buch, mit dem er natürlich sofort den Zorn deutscher Muslime auf sich gezogen hat. Und Stefan Salim Nagi wurde aktiv: er verteilte im Rhein-Main-Gebiet 80.000 Flugblätter, um gegen das Buch zu protestieren. Danach klagte er, um juristisch ein Verbot des Buches durchzusetzen – eine chancenlose Klage, die am 26. Juni 2012 vom Landgericht Darmstadt zurückgewiesen wurde. Auch suchte er im November 2011 den Kontakt zu Pierre Vogel, den er für Protest-Veranstaltungen gegen Khans Buch gewinnen wollte. Es kam zum Streit um 30.000 Euro, die Vogel für seinen Auftritt haben wollte. Hier ein Auszug aus einer e-Mail, die Nagi laut seiner Darstellung am 16.11.2011 von Pierre Vogel erhalten hat:

Was muss organisiert werden?

01. Wir brauchen einen kleinen LKW mit Plane, den wir als Bühne benutzen würden.

02. Wir brauchen eine komplette Beschallungsanlage die wir nach Absprache besorgen können, da wir bereits mit dieser Firma zusammengearbeitet haben und diese genau wissen was wir brauchen.

03. Wir brauchen etwa 50 Ordner und alle müssen eine weiße Armbinde mit der Aufschrift; „ORDNER“ tragen.

04. Für die Reisekosten und das gesamte Pierre Vogel Team, also Kamera, Personenschutz, sowie Fahrer müssen die Kosten übernommen werden.

05. Wir brauchen einen Stromaggregat mit mindestens 10-20 KW.

06. Der nötige Antrag einer Kundgebung muss von dir mindestens eine 14 Tage vor Beginn der Kundgebung beim Örtlichen Ordnungsamt per Fax, sowie Einschreiben, eingereicht werden. Bei eventuellen Problemen wirst du von unserem Anwalt vertreten, der bereits Erfahrung in diesem Bereich mit uns sammeln konnte. (Die Kosten musst du selber tragen) Es ist von erheblicher Wichtigkeit dass wir über jeden einzelnen Schritt per Email von dir informiert werden, jede Änderung muss uns bekanntgegeben werden. Die Kundgebung muss am Freitag den 23.12.11 ab 15 Uhr stattfinden, am besten wäre es, wenn wir die Kundgebung in Frankfurt durchführen, oder wenigstens im Frankfurter Umgebung!

Unsere Bedingung!

Wir werden allgemein über die Hetze, dem Verfassungsschutz, den radikalen Strömungen sowie über einige Journalisten und Autoren sprechen, die durch Berichterstattungen oder das verfassen von Büchern Lügen über den Islam verbreiten. Es darf sonst außer uns niemand an diesem Tag sprechen! So mein lieber Bruder im Islam, da wir in der Vergangenheit sehr viele negative Erfahrungen gemacht haben und wir dich persönlich nicht kennen, möchte ich dich darum bitten, dass du den bereits zugesagten Betrag in Höhe von 30.000 Euro für unsere Projekte auf unser Konto überweist, damit wir durch die Geste eine Art Vertrauensgrundlage aufbauen können. Die entsprechende Kontoverbindung findest du auf unsere Seite www.pierrevogel.de

Anfang Juni dann muss es am Rande einer Kölner Salafisten-Veranstaltung zum Streit zwischen Nagi und Vogel gekommen sein. Laut Nagi soll Vogel damals gesagt haben:

„Bruder Stefan Salim, wir haben dir eine E-Mail geschickt, dass du erst die 30.000 Euro auf den Tisch legen sollst. Wenn du das gemacht hast, dann komme ich nach Darmstadt. Und ich kenne die Leute aus Dietzenbach, die werden das Schwein Zahid Khan für Geld umbringen.“

Für diese Aussage Vogels soll es laut Nagi noch zwei weitere Zeugen geben. Beide seien damals bereit gewesen, gegenüber der Staatsanwaltschaft auszusagen, wenn ihnen Schutz zugesichert werde. Vogel soll nach Nagis Darstellung hinzugefügt haben, er wolle dafür sorgen, dass „kein einziger Moslem“ nach Darmstadt komme, wenn das Geld nicht gezahlt werde. Nagi zahlte nicht; am 26. Juni 2012 erschienen trotz aller Flugblatt-Propaganda nur etwa zwei Dutzend Demonstranten vor dem Gericht. Auch Ibrahim Abou-Nagie habe zuvor an einem Infostand in Offenbach die Forderung nach 30.000 Euro bekräftigt und sich ähnlich geäußert:

„Wir schicken Dir ein paar von unseren Leuten, die das Schwein Khan umbringen. Wenn er diese Beleidigungen gegen unseren Propheten Mohammed, mit dem Frieden und Segen sei, sagt, sollte er nicht mehr am Leben bleiben.“

„Keine Diskussion mehr, Bruder. Früher oder später bringen unsere Leute ihn sowieso um, aber wenn Du die 30.000 Euro gibst, dann machen wir es gleich.“

Auch für diese Aussagen Abou Nagies soll es laut Stefan Nagi damals einen Zeugen gegeben haben, der gegenüber der Staatsanwaltschaft aussagen wollte. Nach diesen Auseinandersetzungen mit Vogel und Abou Nagie ging Stefan Nagi zum Darmstädter „Echo“ und erklärte dort, er distanziere sich von diesen „kriminellen Äußerungen“ und wolle selbst den Rechtsweg einhalten, um jegliche „Beleidigung“ Mohammeds zu unterbinden. Vogel und Abou-Nagie seien „keine ehrlichen Leute, sondern sie machen ihre dreckigen Geschäfte im Namen des Islams“. Das „Echo“ druckte die Geschichte, die Staatsanwaltschaft nahm ihre Ermittlungen auf.

Im November 2012 wurden die Ermittlungen wieder eingestellt. Staatsanwältin Winter begründete das damit, dass sich Stefan Salim Nagi bei seiner Aussage in Widersprüche verwickelt hätte, drei seiner vier Zeugen hätten seine Angaben nicht bestätigt, der vierte habe lediglich den Artikel des „Echos“ wiedergegeben.

Jetzt erhebt Stefan Salim Nagi gegenüber PI schwere Vorwürfe gegen Staatsanwältin Winter: sie habe sich, was Schutz und Anonymität der Zeugen betrifft, nicht an Abmachungen gehalten. Winter habe, so Nagi, alle Zeugen mit schriftlicher Einladung von der Polizei vernehmen lassen und damit dafür gesorgt, dass deren Namen und Wohnanschriften in den Vernehmungsprotokollen zu finden waren, die auch von Vogels Anwalt Mutlu Günal aus Bonn eingesehen werden konnten. Auch geht Nagi davon aus, dass Frau Winter seine Wohnadresse ins Protokoll geschrieben habe und damit jenen Mord-Anschlag auf ihn, den es laut seiner Darstellung in der Nacht vom 12. auf den 13. April gegeben haben soll, erst möglich gemacht habe.

Sollte diese Darstellung Nagis der Wahrheit entsprechen und sollte es den Mord-Anschlag vom 12./13. April tatsächlich gegeben haben, dann hätte die Staatsanwaltschaft in Darmstadt in der Tat einen schweren Fehler gemacht. Dann hätte die Staatsanwaltschaft nichts anderes gemacht, als jene, die zur Aussage bereit waren, gewaltbereiten Salafisten „ans Messer zu liefern“.

Sollte. Hätte. Bislang hat Stefan Salim Nagi keinen einzigen Beweis dafür vorgelegt, dass es den Mord-Anschlag auf ihn auch tatsächlich gegeben hat. Auch fällt auf, dass sich Zahid Khan, der nach Nagis Darstellung das erste Mord-Opfer von Pierre Vogel und Abou Nagie werden sollte, nie darüber beschwert hat, dass die Staatsanwaltschaft in Darmstadt das entsprechende Ermittlungsverfahren eingestellt hat. Und im Gegensatz zu Stefan Salim Nagi ist Khan kein Anhänger des „Propheten“.