„Multikulturalismus“ – was steckt dahinter?

Der sog. „Multikulturalismus“ ist die offizielle Staatsideologie unserer Bunten Republik – als solcher darf er nicht kritisiert werden. Aber was genau lehrt der „Multikulturalismus“ eigentlich? Und was ist dran an der These, „Multikulturalismus“ sei in Wirklichkeit nur ein Tarnkappenwort für eine kulturrevolutionäre Selbstzerstörungsideologie? Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Inhalten der „multikulturalistischen“ Lehre ist überfällig!

(Von Stefan Winter)

1. Die amtlich-offizielle Interpretation des „Multikulturalismus“

Gemäß der grundlegenden Theorie der amtlich-offiziellen Interpretation des „Multikulturalismus“ gibt es auf der Welt keine „Nationen“ oder „Völker“, sondern nur „Kulturen“. Diese „Kulturen“ beruhen auf erlernten Verhaltensmustern und sind folglich beliebig austauschbar: Wer sich in einer Kultur nicht mehr wohlfühlt, kann einfach eine andere Kultur erlernen und definiert sich dann als Angehöriger dieser anderen Kultur. „Nationen“, also „Völker“, die sich nicht über einer erlernte Kultur, sondern über nur schwer austauschbare „nationale“ Merkmale wie eine gemeinsame Sprache oder gemeinsame familiär-historische Erfahrung definieren, gelten aus amtlicher Perspektive lediglich als geistige Konstrukte. Die „Deutschen“ sprechen zwar eine gemeinsame Sprache und besitzen eine gemeinsame historische Erfahrung, dennoch gibt es kein deutsches „Volk“, da auch die Deutschen nur Angehörige von jederzeit austauschbaren „Kulturen“ sind. So werden beispielsweise deutsche Katholiken und deutsche Protestanten amtlich nur als Angehörige ihrer religiöser „Kulturen“ definiert. Das Trennende ihrer Religiösität, so die staatliche Ideologie, überwiegt in der Identitätsfindung deutscher Katholiken und deutscher Protestanten die Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen (nationalen) Sprachgruppe, die ein „deutsches Volk“ begründen würde – das es deshalb nicht gibt. Ähnliches gilt für die Soziokulturen: Ein deutscher Punk und ein deutscher Krawattenträger gehören unterschiedlichen „Kulturen“ an, ihre gemeinsame Zugehörigkeit zu einer Sprache ist ein historischer Zufall ohne jede Bedeutung für ihre persönliche Identitätsfindung. Zwischen deutschen Punks und deutschen Krawattenträgern gibt es also aus offizieller Staatsperspektive keinen kleinsten gemeinsam „deutschen“ Nenner.

Kriege entstehen gemäß dieser amtlichen Lehre nicht zwischen „Völkern“, die es ja offiziell nicht gibt, sondern ausschließlich aufgrund von Intoleranz gegenüber „kultureller“ Andersartigkeit. Hätten die Deutschen vor 1939 gelernt, „tolerant“ mit Polen zu leben und die polnische „Kultur“ zu respektieren, hätten sie sich nicht von Hitler in einen Krieg gegen Polen treiben lassen – so die offizielle Hypothese. Die Lehre aus der Geschichte ist daher, dass „Kulturen“ sich besser kennenlernen sollen, um sich besser zu verstehen und zu „tolerieren“. Dieses Kennenlernen und Verstehen gelingt am besten, indem alle „Kulturen“ gemeinsam miteinander leben und nicht mehr durch Grenzen getrennt sind. Die staatliche Politik, andere „Kulturen“ in Deutschland anzusiedeln, gilt daher als Projekt der Friedenssicherung zwischen „Kulturen“ und somit als Beitrag zum Weltfrieden.

Die Kritik an dieser Lehre, obwohl in der Öffentlichkeit nicht mehr zulässig und per §130 StGB faktisch verboten, stellt zwei wesentliche Grundannahmen in Frage: Zum einen bezweifelt sie die unterstellte Bedeutungslosigkeit der Muttersprache für die eigene Identitätsfindung. Sprache ist kein erlerntes, „kulturelles“ Merkmal, Sprache lässt sich nicht beliebig wechseln, selbst wenn der Sprecher das wünscht. Auch kollektiv-historische Erfahrungen (bei den Deutschen sind das z.B. Bombennächte und Vertreibung, bei den Juden der Holocaust, bei Türken die Befreiungskriege unter Kemal Pascha) sind nicht durch Lernen übertragbar. Es gibt also jenseits der erlernten und austauschbaren „Kulturen“ auch bestimmte nicht-austauschbare Merkmale von menschlichen Gruppen, die sich aufgrund dieser Merkmale als „gemeinsam“ definieren und umgangssprachlich als „Volk“ bezeichnet werden. Natürlich kann man versuchen, diesen oft missbrauchten Begriff aus der Welt zu schaffen, das ändert aber nichts daran, dass es solche gemeinsamen menschlichen Gruppen gibt. Diese sich sprachlich oder kollektiv-historisch definierenden Gruppen (oder „Völker“, wie immer man diese Gruppen nennen möchte) werden auch in Zukunft weiter bestehen. Auch in der angeblich antinationalen „multikulturellen“ Bunten Republik bilden sich derzeit solche „nationale“ Inseln, etwa, wenn die Verkehrssprache in bestimmten Gegenden Mannheims oder Ludwigshafens heute Türkisch ist. Die Bunte Republik wird sich daher nicht nur zu einem Geflecht verschiedener „Kulturen“ entwickeln, die friedlich und „tolerant“ voneinander lernen, wie uns die amtliche Propaganda weismacht, sondern zu einem balkanischen Patchwork nebeneinander existierender „nationaler“ Gruppen – und damit Keimzellen neuer, fremder Nationalstaaten mitten in Deutschland. Das Endergebnis des „Multikulturalismus“ wird der „Multinationalismus“ sein – und damit das genaue Gegenteil der propagierten staatlichen Zielsetzung.

Zum anderen zweifeln die Kritiker der amtlichen Interpretation des „Multikulturalismus“ die Friedlichkeit des Projekts an – und damit seine wichtigste ideologische Rechtfertigung, Selbst wenn man der staatlichen Hypothese folgt, dass „Nationen“ gar nicht existieren und vollständig wandelbar sind, bedeutet dies nicht, dass die „Kulturen“ friedlich miteinander leben möchten, sobald sie sich besser verstehen. Genau das Gegenteil kann der Fall sein: Je mehr die „Kulturen“ voneinander wissen, desto mehr lehnen sie sich ab. Der Balkan ist das beste Beispiel, dass jahrhundertelanges „kulturelles Miteinander“ nicht unbedingt zu gegenseitiger Nächstenliebe führt. Aber auch Deutsche und Polen lebten in Ostelbien jahrhundertelang gemeinsam in denselben Staaten, mal unter polnischer, mal unter deutscher Oberhoheit, ohne trennende Grenzen. Dass sich sowohl auf polnischer als auch deutscher Seite gegenseitige Ablehnung entwickelte, die sich nach 1926 von polnischen Nationalisten, nach 1933 von deutschen Nationalisten nutzen ließ, lag also ganz sicher nicht an mangelnden Begegnungsmöglichkeiten dieser beiden „Kulturen“. Und auch im „multikulturalisierten“ Westeuropa von heute nehmen trotz massiver regierungsamtlicher Propaganda vorbehaltlose Naivität ab und interkulturelle Ablehnung zu, sowohl auf Seiten der angesiedelten arabisch-türkisch-mohammedanischen „Kulturen“, als auch auf Seiten der einheimisch europäischen „Kulturen“. Der Nachweis, dass das „multikulturelle“ Projekt tatsächlich friedensfördernd wirkt, wie staatlich postuliert, und sich nicht ganz im Gegenteil kriegsfördernd als brennende Lunte an einem „multikulturellen“ Pulverfass erweist, steht also noch aus.

2. Die kulturrevolutionär-maoistische Interpretation

Genau auf diese in der Lebenswirklichkeit wenig friedvollen, durchaus kriegerischen Wesenszüge des „Multikulturalismus“ (London, Stockholm, Paris, Neukölln…) beruft sich die kulturrevolutionäre Interpretation: Der „Multikulturalismus“ ist demnach keineswegs eine Ideologie der Völkerfreundschaft, sondern eine bewusst aggressive Ideologie, er wirkt zerstörerisch, weil er zerstören soll. Diese Überzeugung beruht auf den historischen Ursprüngen des „Multikulturalismus“ in der 68er Bewegung: „1968“ war, wie wir aus der historischen Rückschau heute wissen, nichts anderes als die westliche Verarbeitung der maoistischen Kulturrevolution, die 1966 in Rotchina begann und deren geistige Ausläufer bald auch Westeuropa erreicht hatten. Folgt man diesem Gedankengang weiter, ist auch der sog. „Multikulturalismus“ nicht viel mehr als ein Teil einer breit angelegten, autoaggressiven Kulturrevolution, die sich seit 1968 genauso gegen die Kultur Europas richtet wie die Kulturrevolution Maos gegen die Kultur Chinas.

Tatsächlich fällt es nicht schwer, die maoistischen Kernelemente von 1966, d.h. die für den Maoismus typische nach innen gerichtete Autoaggressivität, in den Theoriegebäuden der 68er-Bewegung zu entdecken. Bis heute lebendig sind diese alten maoistischen Ideale in der Partei der „Grünen“: Zerschlagung der traditionellen Bildung, Zerschlagung der traditionellen Religion und traditionellen Kultur insgesamt, Ablehnung von Technik, Industrie und Fortschritt, Verherrlichung des Bauerntums. Auch der „Multikulturalismus“ ist in diesem autoaggressiven Kontext zu sehen: In ihm spiegelt sich die typisch maoistische Verherrlichung der menschlichen Rohheit und des kulturellen Barbarentums wider, der idealisierte „edle Wilde“ tritt an die Stelle des Europäers, dem Symbolbild der im Maoismus verhassten Zivilisation. Entsprechend hat die eigentliche ideologische Zielsetzung eines maoistisch geprägten „Multikulturalismus“ auch nichts mit „Frieden“ zu tun, sondern es geht um die kulturrevolutionäre Zerschlagung der eigenen europäischen Kultur und die Rückkehr zur unzivilisierten Rohheit – und somit zum maoistischen Idealmenschen. Auch wenn diese maoistisch-theoretischen Ursprünge heute vergessen sind: In der politischen Praxis folgt der „Multikulturalismus“ der Bunten Republik weiterhin genau diesen ursprünglich maoistischen Grundsätzen, er orientiert sich stets an der Maxime, dass alles Traditionelle zu verdammen und vernichten ist, dass das Barbarentum gegenüber der Zivilisation stets im Recht ist und dass der Barbar im Zweifel auch zur Gewalt greifen darf, um die verhasste traditionelle Zivilisation (und ihre Symbolfiguren, die Europäer) zu vernichten – im schlimmsten Fall erhält er dafür eine Bewährungsstrafe. Die allgegenwärtige kulturell und physisch zerstörerische Wirkung des „Multikulturalismus“ der Bunten Republik ist also kein bedauerlicher Nebeneffekt eines interkulturellen Lernprozesses auf dem Weg zum ewigen „Frieden“, wie amtlicherseits gern behauptet, sondern eine im Ursprung dieser Ideologie vorgegebene und heute (vor allem bei den tonangebenden „Grünen“) weiterhin billigend verfolgte politische Zielsetzung. Auch das Wort „Multikulturalismus“ ist nur ein beschönigendes Tarnkappenwort, das den eigentlich aggressiven, auf Selbstzerstörung gerichteten Charakter der Ideologie gegenüber dem gutgläubigen deutschen Durchschnittsbürger taktisch verschleiern soll.

Für diese Interpretation, die den „Multikulturalismus“ als bewusst autoaggressive, gezielt zerstörend wirkende Ideologie sieht, spricht die Beobachtung, dass sich die zahllosen Widersprüche zwischen Theorie und Praxis des real existierenden „Multikulturalismus“ nicht über die amtliche Interpretation, sondern nur kulturrevolutionär erklären lassen: Die traditionelle eigene Kultur (Christentum) wird bei jeder Gelegenheit politisch angegriffen, die zerstörend wirkende, auch gewalttätige fremde Kultur (Islam) gilt als über alle Kritik erhaben – eine Gleichbehandlung der „Kulturen“ findet also gar nicht statt. In der Justiz der Bunten Republik prägen Nation, Rasse und Hautfarbe die Urteilsfindung, Gesichtspunkte, die man laut Ideologie eigentlich abschaffen möchte. Obwohl „Kulturen“ laut Staatsideologie angeblich austauschbar sind und Sprache keine Bedeutung für die „nationale“ Selbstdefinition hat („nationale“ Identifikation darf es ja nicht geben), wird überall den Forderungen der türkischen Grauen Wölfe nachgegeben, Türkisch in Deutschland als Amts- und Schulsprache einzuführen (also ein „nationales“ Merkmal). Gewaltanwendung durch deutsche Nationalisten wird gnadenlos verfolgt, nach dem Einfluss des türkischen Nationalismus auf die türkische Alltagsgewalt nicht einmal gefragt – der „Nationalismus“ ist also keineswegs ein allgemeines Feindbild des angeblich „antifaschistischen“ bunten Staates. Für diese inneren Widersprüche zwischen Theorie und Praxis kann die amtliche Interpretation des „Multikulturalismus“ keine Erklärung bieten, sie sind nur über die autoaggressiv-kulturrevolutionäre Interpretation zu verstehen: Es ist so, weil es so sein soll. Praxis und Theorie klaffen keineswegs auseinander, sondern stimmen völlig überein.

Welcher der beiden Interpretationen von „Multikulturalismus“, der amtlich-offiziellen oder der autoaggressiv-kulturrevolutionären, man auch immer persönlich zuneigen mag: Es besteht inhaltlicher Klärungsbedarf. Der Sozialismus der „DDR“ war ein zwar weltfremdes, aber in sich logisches und rational nachvollziehbares Gedankenkonstrukt. Der „Multikulturalismus“ der Bunten Republik ist bisher nur eine politische Behauptung voller empirischer und ideeller Ungereimtheiten. Die Frage stellt sich, wie lange eine Staatsideologie auf Dauer überleben kann, die weder den empirischen Realitätstest besteht noch ihre eigenen inneren Widersprüche zufriedenstellend aufzulösen vermag. Eine ernsthafte akademische Auseinandersetzung mit dieser Lehre ist überfällig.


Stefan Winter ist Verfasser des Buches „Angela Mogel und Kollegen – So kriegen Sie das Land kaputt! Selbstzerstörung – aber richtig!“, DKM-Verlag Augsburg.